Dienstag, 10. Dezember 2013

Rezension Strafrecht: Handbuch für die strafrechtliche Hauptverhandlung


Burhoff, Handbuch für die strafrechtliche Hauptverhandlung, 7. Auflage, ZAP 2013

Von Ri’in Domenica D’Ugo, Saarbrücken
 

Detlef Burhoff dürfte zu den umtriebigsten Autoren im Bereich des Strafrechts zählen. Zu seinen Vorzeigeprojekten gehört u.a. eine gut gepflegte, stets aktuelle Homepage mit mittlerweile weit über 3 Millionen Besuchern auf dem Zähler. Auch seine Werke in der Reihe der Handbücher des ZAP-Verlages (Handbuch für das strafrechtliche Ermittlungsverfahren, die strafrechtlichen Rechtsmittel und Rechtsbehelfe, die straßenverkehrsrechtlichen OWi-Verfahren und das hier behandelte Handbuch für die strafrechtliche Hauptverhandlung) sind weitläufig bekannt. Dementsprechend hoch sind natürlich die Erwartungen bei jeder Neuerscheinung.

Wer das Handbuch zur strafrechtlichen Hauptverhandlung für den – vorweg sei verraten: angemessenen – Preis von 108 € erwirbt, den erwartet ein wahrer „Kessel Buntes“ zum Thema der Hauptverhandlung. Die Bezeichnung des Werkes als „Handbuch“ dürfte tatsächlich maßlos untertrieben sein. Zum Gesamtpaket gehört ein ca. 1800 Seiten starkes Printwerk, welches dem Käufer zusätzlich und ohne Mehrkosten online inklusive Verlinkungen zu den Rechtsnormen und Entscheidungen sowie der Möglichkeit zur Stichwort-Recherche zur Verfügung gestellt wird. Außer dem Code zur Freischaltung des „jBooks“ findet sich als Beigabe zur Printausgabe zudem eine DVD, welche neben den im Buch enthaltenen Mustern auch Checklisten, Übersichten und Urteile bereithält.

Allein dieses Arsenal an formellrechtlicher Bewaffnung macht „den Burhoff“ für den Strafverteidiger interessant. Für den Inhalt des Buches an sich gilt nichts anderes. Der Autor hat sich - ausweislich des Vorwortes bewusst - für den für ein Handbuch außergewöhnlichen alphabetischen Aufbau entschieden. So wird nacheinander Stichwort für Stichwort abgearbeitet, was für den Strafverteidiger in der Hauptverhandlung wichtig werden kann. Wer die umfangreichen einleitenden Worte vor der ersten Benutzung des Werkes durchliest, kann optimiert damit arbeiten.

Die einzelnen Darstellungen zu den Stichworten sind durch eine vergleichsweise große Schrift und durch kluge Formatierung (Aufzählungen, Kästchen, Unterlegungen, Symbole, sparsame Fettdrucke) so übersichtlich wie möglich gehalten und offenbaren die gesuchten Informationen in gut verständlicher Sprache und ohne überflüssige Abkürzungen. Mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ sind die Formulierungsvorschläge für wichtige Prozesshandlungen (z.B. Befangenheitsantrag, Hilfsbeweisantrag, Verzögerungsrüge) und die „Hinweise für den Verteidiger“ zu versehen. Letztere zeigen über die eigentlichen Ausführungen hinaus wichtige Grundsätze und teilweise auch regelrechte Fallen auf, die gerade unter dem Zeitdruck in der Hauptverhandlung beachtet werden müssen.

Trotz der klaren Ausrichtung als Handlungshelfer für den Verteidiger kann das Buch auch dem Strafrichter und Staatsanwalt dienen. Einerseits kann dadurch natürlich in taktischer Hinsicht mit Blick auf die Tipps und Hinweise für Waffengleichheit gesorgt werden. Viel wichtiger dürfte aber sein, dass sich alle drei genannten Personenkreise – Gleiches gilt natürlich auch für den Nebenklägervertreter und den Zeugenbeistand – pointiert auf die Hauptverhandlung mit ihren jeweiligen zu erwartenden Problemen vorbereiten können bzw. bei unerwarteten Problemen noch während des Termins ein übersichtliches Nachschlagewerk zur Verfügung haben, so dass keine bzw. nur ergänzend u.U. unübersichtliche Kommentarliteratur gewälzt werden muss.

Kurzum: Das Buch ist in die Kategorie „muss man haben“ einzusortieren.