Sonntag, 26. Oktober 2014

Rezension Öffentliches Recht: Die Europäische Union


Bieber / Epiney / Haag, Die Europäische Union, Europarecht und Politik, 11. Auflage, Nomos 2014

Von Ref. iur. Antonia Otto, Hamburg


Das Lehrbuch „Die Europäische Union“ von Prof. Dr. Roland Bieber, Prof. Dr. Astrid Epiney und Marcel Haag ist in der 11. Auflage 2014 erschienen. Mit seinen knapp 700 Seiten ist es deutlich umfangreicher als vergleichbare Werke. Die einzelnen Themenkomplexe werden dementsprechend sehr detailliert behandelt. Sehr speziell ist zudem die Darstellung der zahlreichen Politikbereiche der Union wie beispielsweise die Einwanderungs-, Sozial- oder Landwirtschaftspolitik. Die einzelnen Kapitel sind von je einem oder zwei der Autoren verfasst. Ziel dieser Gemeinschaftsarbeit soll ausweislich des Vorworts sein, den komplexen Stoff gleichmäßig zu durchdringen und darzustellen sowie vielfältige Erfahrungen zu nutzen.

Das Lehrbuch besteht aus vier Teilen: Grundlagen, Grundfreiheiten und Politikbereiche, Außenbeziehungen und Perspektiven. Eingeleitet wird es durch einen historischen Abriss der Entwicklung der europäischen Integration. Dies entspricht dem üblichen Vorgehen in vergleichbaren Werken. Allerdings wird bereits an dieser Stelle deutlich, welche Detailtiefe das vorliegende Werk aufweist. Eine weitere Vertiefungsmöglichkeit bieten die Literaturhinweise am Ende des ersten und aller weiteren Kapitel. Es folgt ein gut strukturierter Überblick über die Organe der Union mit ihren einzelnen Aufgaben und Zusammensetzungen. Grundlage für die Angaben über das Europäische Parlament ist bereits die Wahlperiode 2014-2019. Auch die Finanzverfassung der Europäischen Union wird im nächsten Kapitel anhand des Haushaltsplans 2014 vorgestellt. Weitere Themengebiete des ersten Teils sind die Rechtsquellen, das Rechtsetzungsverfahren sowie das Rechtsschutzsystem der Union. Im zweiten Teil des Buches entspricht die Darstellung der Grundfreiheiten mit der dazugehörigen Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs derjenigen vergleichbarer Lehrbücher zum Europarecht, wenngleich entsprechend detaillierter. Am Ende der Warenverkehrsfreiheit findet sich ein graphisch dargestelltes Prüfungsschema. Anschließend behandelt das Werk die – nicht nur für Studenten sehr relevante – Wettbewerbspolitik der Union einschließlich des Europäischen Kartellrechts und des Beihilfeverbots. Schließlich folgen einzelne Kapitel zu den jeweiligen Politikbereichen der Union. Gerade in diesem Bereich hebt sich das vorliegende Werk deutlich von anderen Lehrbüchern zum Europarecht ab. Die Außenpolitik der Union ist Gegenstand des dritten Teils. Seinen Abschluss findet das Buch mit einem sieben Seiten kurzen Abschnitt zu den Perspektiven der Europäischen Union. Dort nennt Bieber die in Zukunft zu lösenden Verfassungsfragen und ruft die Mitgliedstaaten dazu auf, sich als Bestandteile der Europäischen Union als Rechtsgemeinschaft zu sehen und die Entscheidungen im Innern der Union auch dann zu akzeptieren, „wenn dies den eigenen Präferenzen widerspricht“.

Insgesamt lässt das Lehrbuch von Bieber / Epiney / Haag keine Facette der Europäischen Union unerwähnt. Dabei überzeugt es zum einen aufgrund seiner hohen Aktualität. Gerade im Bereich des Rechts und der Politik der Europäischen Union ist dem Leser noch dringender als sonst zu raten, sich ausschließlich mit aktuellen Werken zu beschäftigen. Dazu bietet das vorliegende Lehrbuch eine übersichtliche, aber sehr detaillierte Darstellung des gesamten Themengebiets. Es eignet sich insbesondere für Studenten oder auch bereits ausgebildete Juristen, die einen vertieften Einblick in die Materie gewinnen möchten. Besonders zu empfehlen ist das Werk schließlich den Studenten, die eine Studienarbeit im Europarecht anzufertigen haben. Der Preis von 34,00€ ist für solch ein umfangreiches Werk angemessen.