Donnerstag, 30. Oktober 2014

Rezension Zivilrecht: Arbeitsrecht


Henssler / Willemsen / Kalb (Hrsg.), Arbeitsrecht, Kommentar, 6. Auflage, Otto Schmidt 2014

Von stud. iur. Patricia M. Popp, Wiesbaden


Der »HWK« ist in einer neuen, der nunmehr 6. Auflage erschienen. Hinter dem Kürzel, das der Verlag als Zitierempfehlung vorschlägt, verbergen sich drei namhafte Herausgeber, die – und das scheint ein besonderes Alleinstellungsmerkmal zu sein – ihre Erfahrungen aus den drei klassischen Bereichen der Jurisprudenz ihrer Leserschaft zur Verfügung stellen: »H« steht für Martin Henssler, renommierter Universitätsprofessor an der Universität zu Köln, »W« für Heinz Josef Willemsen, dem umtriebigen Fachanwalt für Arbeitsrecht und Partner bei Freshfields in Düsseldorf und »K« für Heinz-Jürgen Kalb, seines Zeichens Vizepräsident des Landesarbeitsgerichts Köln.

Forschung und Lehre, Anwaltschaft und Rechtsprechung sind demnach leistungsfähig vereint. Und mehr noch: Die Liste der Autoren, die die Herausgeber für die Gestaltung der 6. Auflage gewinnen konnten, liest sich wie ein »Who's who« des deutschen Arbeitsrechts. Neben den drei bereits erwähnten Herausgebern sind weitere 37 (!) bekannte Spezialisten aus dem gesamten Spektrum der aktuellen Arbeitsrechtslandschaft vertreten, unter anderem so klangvolle Namen wie Gaul und Lembke, oder Reichold und Thüsing, auch Annuß, der bereits die erste Ausgabe des Kommentars vor zehn Jahren als Autor begleitet hatte, ist wieder mit von der Partie.

Das Ergebnis dieser geballten Expertise ist eine umfassende Arbeitshilfe für den Arbeitsrechtler – egal ob dieser sich noch in der Ausbildung oder bereits in der Praxis befindet –, die inhaltlich eigentlich keine Wünsche mehr offen lässt. Mehr als 40 nationale Einzelgesetze werden komplett, oder bei geringerer Praxisrelevanz, in Auszügen erläutert und auch das europäische Arbeitsrecht hat in der Neuauflage nunmehr eine systematische Darstellung erfahren. Das Sozialgesetzbuch wird in seinen wesentlichen Teilen (SGB III, IV, VI, VII, IX, X) behandelt, soweit es für den Arbeitsrechtler von Interesse ist, und sogar das in der Kommentarliteratur oft stiefmütterlich behandelte »Gesetz über Sprecherausschüsse der leitenden Angestellten« ist hier zumindest einer grundsätzlichen Bearbeitung unterzogen worden. Wie bereits aus den Vorauflagen gewohnt, sorgen durchgängig vorhandene Checklisten, Beispiele, Formulierungsvorschläge und Stichwort-ABCs für weiteren, zusätzlichen Praxisnutzen

Die gesamte Darstellung ist durchweg sehr übersichtlich gestaltet, die Kommentierungen der Einzelvorschriften sind mit fortlaufenden Randnummern versehen, was der Transparenz sehr zuträglich ist. Allerdings kann ein Werk wie das vorliegende, mit einem Volumen von über 3.600 Seiten, natürlich nicht ganz ohne doch zu erwähnende Restriktionen bleiben: So fordert etwa das für solche Ausgaben unvermeidlich gewordene Dünndruckpapier tagtäglich die besondere Sorgfalt des Lesers bei der Handhabung des Buches heraus; Gewöhnungsbedürftig sind auch die – gewiss ebenfalls wegen der Notwendigkeit der Komprimierung – im Fließtext gehaltenen Fußnoten, die anders als bei einem durch Neuzeilen gegliederten Fußnotenapparat die Orientierung erschweren. Im Gesamtzusammenhang der Beurteilung sind das alles aber definitiv lediglich Marginalien, die dem hohen Qualitätsanspruch des Buches keinen Abbruch tun.

Als Fazit lässt sich festhalten: Der »HWK« ist auch in seiner 6. Auflage ein gelungenes, starkes Werk. Der Preis in Höhe von 159 Euro ist durchaus angemessen und der Käufer darf sich über gut angelegtes Geld freuen. Denn er erhält einen umfassenden Kommentar des gesamten Arbeitsrechts in einem Band, den er tagtäglich gut gebrauchen kann und wegen seiner Informationsfülle gern zur Hand nehmen wird. Der »HWK« könnte sogar dem von Schaub begründeten legendären »Arbeitsrechts-Handbuch« oder auch dem bereits seit mehr als 15 Jahren etablierten »Erfurter Kommentar zum Arbeitsrecht« auf Sicht gesehen durchaus den Rang ablaufen.