Freitag, 10. Oktober 2014

Rezension Zivilrecht: Vorstands- und Aufsichtsratshaftung


Pitkowitz, Praxishandbuch Vorstands- und Aufsichtsratshaftung, 1. Auflage, C.H. Beck 2014

Von David Eckner, Düsseldorf


In erster Auflage erschien jüngst ein weiteres Handbuch für die Praxis im Münchener C.H. Beck Verlag unter dem vielversprechenden Titel „Praxishandbuch Vorstands- und Aufsichtsratshaftung“. Das Werk kommt daher wie eine Monographie, ihr Autor Dr. Matthias M. Pitkowitz, LL.M. (Columbia), Rechtsanwalt österreichischen Ursprungs, tätig bei der Kanzlei Cravath, Swaine & Moore LLP in New York City. Wer nun an eine transatlantische Studie zur Vorstands- und Aufsichtsratshaftung denkt, ist weit gefehlt. Das Beck’sche Praxishandbuch widmet sich ausschließlich den hiesigen Rechtsfragen, genauer: es behandelt die Pflichten, Haftung, das Ermessen und sowie die Versicherung in der Aktiengesellschaft in Deutschland und Österreich.

Mit dieser Stoßrichtung auf der Flagge könnte man fast ein tausend Seiten starkes Handbuch erwarten, das für einen Einzelautor eine wahre Herkulesaufgabe darstellt. Das Werk von Pitkowitz hat jedoch anderes im Sinn. Mit seinen nur rund zweihundert Seiten eröffnet es seinen Lesern einen Zugang zu der Materie der Vorstands- und Aufsichtsratshaftung, in dem es – so das Vorwort des Autors – „die Komplexitäten des Haftungsrechts und der damit verbundenen Themenbereiche (Pflichten, Ermessen und Versicherung) in verständlicher, kompakter Weise“ abhandelt. Dabei soll es „auch Nicht-Juristen zugänglich“ gemacht werden, „ohne dabei seinen wissenschaftlichen Anspruch zu verlieren“ (Vorwort, S. V).

Unter dieser Prämisse kommt das Literaturverzeichnis daher wie ein Skript daher, das tatsächlich einen schnellen und sorgsamen Zugang in die Materie verspricht. Das Praxishandbuch ist in acht Abschnitte gegliedert. Nach einer Einleitung werden zunächst die Pflichten des Vorstands (§ 2) sowie des Aufsichtsrats (§ 3) beschrieben, bevor eine knappe Wiedergabe der haftungsrechtlichen Bestimmungen (§ 4) gibt. Daran schließen sich Erläuterungen des unternehmerischen Ermessens und der Business Judgement Rule (§ 5) an sowie eine eingehende Behandlung der Legalitätspflicht (§ 6). Bevor der Autor in einem Executive Summary (§ 8) die wesentlichen Punkte zusammenfasst, werden in aller Kürze die zentralen Aspekte der D&O-Versicherung (§ 7) dargestellt. Im Übrigen umfasst der wissenschaftliche Apparat des Handbuchs sowohl ein recht umfassendes Literaturverzeichnis als auch ein Entscheidungsverzeichnis über die wichtigsten höchstrichterlichen Urteile aus Deutschland und Österreich. Die zahlreichen Abbildungen und Tabellen innerhalb der Ausführungen sowie der recht schlanke Fußnotenapparat machen das Buch zu einem schnellen und übersichtlichen Ereignis. Im Ergebnis eignet sich das Handbuch vor allem für jene, die einen sehr schnellen Zugang zur Vorstands- und Aufsichtsratshaftung benötigen, ohne sich dabei durch den Dschungel der zahlreichen Abhandlungen schlagen zu wollen. Komprimierter als Pitkowitz hat es bisweilen kein Autor geschafft.