Sonntag, 19. Oktober 2014

Rezension Zivilrecht: Testamentsvollstreckung


Zimmermann, Die Testamentsvollstreckung, 4. Auflage, Erich Schmidt 2014

Von Rechtsanwalt Andreas Ihns, Fachanwalt für Familienrecht, Lübeck


In Deutschland leben etwa 80 Millionen Menschen. Einer gängigen Statistik zufolge sollen zwischen 2 bis 3 % durch ein fehlerfreies Testament für den Todesfall vorgesorgt haben, 20% sollen immerhin über ein mangelhaftes Testament verfügen und die große Mehrheit - etwa 77% - sollen gar nicht vorgesorgt haben; bewusst, mangels Aufklärung oder weil man sich nicht mit der eigenen Sterblichkeit auseinandersetzen mochte. Ein verschwindend geringer Bruchteil der Testamente ordnet eine Testamentsvollstreckung an. Der Autor geht von etwa 10.000 Testamentsvollstreckungen jährlich aus. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als gäbe es für die Testamentsvollstreckung keinen Markt. Andererseits leben immer mehr Menschen alleine, vor allem in den Großstädten. Man geht von etwa 16 Millionen Alleinstehenden aus – Tendenz steigend. Wer kümmert sich um die Verwirklichung des Willens eines Erblassers wenn es keine Familie gibt oder diese nicht das Vertrauen des Erblassers genießt? Das Thema hat Potential. Es gibt Verbände, die dieses Potential erkannt haben und eine Zertifizierung zum Testamentsvollstrecker anbieten. Ich war - mich auf einen solchen Lehrgang vorbereitend - auf der Suche nach geeigneter Lektüre und bin auf das in 4. Auflage erschienene Handbuch von Prof. Dr. Walter Zimmermann gestoßen.

Der Aufbau des Handbuchs orientiert sich am zeitlichen Ablauf einer Testamentsvollstreckung, und ist daher für den Leser sehr eingängig. Die Darstellung beginnt mit der Begründung der Rechtsstellung des Testamentsvollstreckers und stellt sodann die rechtlichen Beziehungen des Testamentsvollstreckers zu den weiteren Beteiligten, insbesondere zu den Erben, dar. Einen breiten Umfang nimmt die Darstellung der Aufgaben des Testamentsvollstreckers sowie der daraus resultierenden Rechte und Pflichten ein. Der Autor spannt hier den Bogen von der Pflicht des Testamentsvollstreckers zur Erstellung eines Nachlassverzeichnisses über die Pflicht zur Verwaltung des Nachlasses, der Prozessführung bis hin zur Auseinandersetzung des Nachlasses. Ein eigenständiges Kapitel widmet sich den steuerrechtlichen Pflichten des Testamentsvollstreckers. Die Darstellung endet mit Kapiteln zur Vergütung und Haftung des Testamentsvollstreckers sowie zur förmlichen Beendigung der Vollstreckung.

Die einzelnen Themen werden verständlich und präzise dargestellt. Der Autor setzt dabei einen klaren Schwerpunkt auf die rechtlichen Grundlagen, gibt aber auch wertvolle Tipps zum praktischen Vorgehen. So gehört es bspw. zu den Aufgaben des Testamentsvollstreckers  Nachforschungen anzustellen, um das Nachlassvermögen festzustellen. Hier stellt sich oftmals die Frage, bei welchen Banken der Erblasser Konten hatte. Der Autor verweist hier bspw. auf die Möglichkeit, eine Anfrage an die vier Bankenverbände zu richten. Das Problem von Guthaben oder Wertpapierdepots bei ausländischen Banken wird zumindest am Rande erwähnt. Das Handbuch von Zimmermann gibt zuverlässig Antwort auf rechtliche Fragen und bietet, in praktischer Hinsicht, einen guten Einstieg in die Fallbearbeitung. Die Beschränkung auf das Wesentliche gefiel mir letztlich sehr gut und ich hatte nicht das Gefühl, vor lauter Detailinformationen den Überblick zu verlieren.

Die Neuauflage bringt das Recht der Testamentsvollstreckung auf den aktuellen Stand. Die Reformen der letzten Jahre (insbes. FamFG, GNotKG und die EuErbVO) wurden eingearbeitet. Der interessierte Leser wird auf rund 600 Seiten mit den praktisch relevanten Aspekten der Testamentsvollstreckung vertraut gemacht. Mir leistet das Buch bei der Vorbereitung auf den Zertifizierungslehrgang gute Dienste. Jedem, der sich mit der Testamentsvollstreckung bereits befasst, in Zukunft näher befassen möchte oder eine geeignete Begleitlektüre zu einem der vielen Zertifizierungslehrgänge sucht, kann dieses Buch uneingeschränkt empfohlen werden.