Freitag, 14. November 2014

Rezension Zivilrecht: Erfolgreiche Taktik im Zivilprozess

Oberheim, Erfolgreiche Taktik im Zivilprozess, 6. Auflage, Luchterhand 2014

Von RA Daniel Jansen, Köln


Das Thema des vorliegenden Werks verspricht ein spannendes Buch, ist es doch von einem Richter geschrieben und soll in erster Linie Rechtsanwälten ein Leitfaden für eine gelungene Mandatsbearbeitung und in zweiter Linie den Richterkollegen ein Hinweis auf Möglichkeiten von Rechtsanwälten sein, um hierauf entsprechend vorbereitet zu sein.

Der Erwartungshaltung wird das Werk beeindruckend gerecht. Es ist für den Rechtsanwalt insofern eine besonders interessante Lektüre, als teilweise Anregungen für ein Vorgehen gemacht werden, von dem man geneigt sein mag, zu glauben, es gefalle der Richterschaft nicht sonderlich (z.B. Nutzbarmachung des Überraschungseffekts). Teilweise wird jedoch von gängigen Vorgehensweisen abgeraten, die im Alltag des Rechtsanwalts stark von der Prägung des jeweiligen Mandats abhängig zu machen sind. Letzteres gilt z.B. für „den Vergleich“, der Richtern erfahrungsgemäß als arbeitssparend entgegenkommt und nicht selten vorschnell mit dem Argument der Kostenersparnis den Parteien versucht wird, nahezubringen. Hierbei wird von Richtern oft übersehen, dass die bei Rechtsanwälten entstehende Vergleichsgebühr die verhältnismäßig geringen Gerichtsgebühren nahezu aufbraucht.

Nicht zuletzt dieses Spannungsfeld der verschiedenen Interessenschwerpunkte macht das vorliegende Werk so spannend und ergiebig. In diesem Zusammenhang werden auch interessante Einblicke in das richterliche Innenleben gegeben und der Umgang damit erörtert. So verrät der Autor z.B., dass ein Richter zuweilen nach dem Aktenstudium bereits mit einer gewissen Überzeugung in die Beweisaufnahme geht, wodurch die Vorgehensweise bei einer Zeugenvernehmung nicht selten erheblich beeinflusst werden kann, da psychologisch eine gewisse Bereitschaft vorhanden ist, eine bestätigende Zeugenaussage nicht allzu kritisch zu hinterfragen. Der Autor schildert hier anschaulich, inwieweit der Rechtsanwalt hier gefordert ist und welches Verhalten am ehesten zum Ziel führt.

Das Werk ist sehr gut strukturiert und angenehm zu lesen. Es bietet sich sowohl eine Lektüre „von vorne bis hinten“ als auch zur Vertiefung der jeweils interessierenden Aspekte an. Die Ausführungen sind klar in der Sprache und verständlich in den rechtlichen Erläuterungen.

Die neun Großkapitel führen durch sämtliche Stadien der Mandatsbearbeitung. Diese beginnt bei dem ersten Mandantenkontakt führt über vorbereitende und rechtssichernde Maßnahmen sowie den Umgang mit und der geschickten Nutzung der Beweisaufnahme, ferner die Rechtstitulierung und Rechtsdurchsetzung bis hin zu dem Einsatz von Rechtsbehelfen. Es werden unzählige sowohl jedem bekannte als auch weniger häufige, wichtige sowie komplizierte Prozesssituationen geschildert und stets klug begründete und nachvollziehbare Auflösungen geliefert.

Als für den Praktiker besonders wertvoll fällt das durchgängige Zitieren von Fundstellen aus der ober- und höchstgerichtlichen Rechtsprechung auf. Dies wird weiter nutzbar gemacht, indem häufig deutlich markierte Praxistipps gegeben werden, die u.a. aus der Rechtsprechung abgeleitet werden.

Das Werk stellt eine reichhaltige Fundgrube an taktischen Mitteln, Erwägungen und Umsetzungen dar, die sowohl für den erfahrenen Praktiker als auch für den Berufseinsteiger von hohem Nutzen sein können. Die Darstellung beeindruckt insbesondere durch ihre Dichte und Präzision. Sie kommt ohne Schnörkel zum Punkt und kann auch in stressigen Situationen einen schnellen Zugriff auf entscheidend zu beachtende Hinweise bieten.

Dem praktizierenden Rechtsanwalt werden etliche Haftungsprobleme und deren Vermeidbarkeit prägnant dargestellt, die sicherlich nicht sämtlich immer und jedem so bewusst sind.