Sonntag, 7. Dezember 2014

Rezension Zivilrecht: Kompendium des Baurechts


Kniffka / Koeble, Kompendium des Baurechts, 4. Auflage, C.H. Beck 2014

Von RA, FA für Sozialrecht und FA für Bau- und Architektenrecht Thomas Stumpf, Lehrbeauftragter FH Öffentliche Verwaltung Mayen (Rheinland-Pfalz), Pirmasens


Auch in der aktuellen Auflage bleibt das „Kompendium“ eine Pflichtlektüre im privaten Baurecht. Gut 6 Jahre sind seit der Vorauflage ins Land gezogen, doch das Warten hat sich gelohnt. Das Werk wurde rundum auf den aktuellen Stand in Sache Schrifttum, Gesetzgebung und – vor allem – Rechtsprechung gebracht. Der Umfang ist deutlich um ca. 360 Seiten auf nunmehr 1.460 Seiten angewachsen. Auch das Autorenteam um Prof. Dr. Rolf Kniffka (Vorsitzender Richter am BGH) und Dr. Wolfgang Koeble (Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht) hat Zuwachs bekommen und verfügt nun mit Dagmar Sacher, Vorsitzende Richterin am OLG Hamm, über eine dritte Mitstreiterin, die sich verstärkt den prozessualen Aspekten des Werks angenommen hat.

Das Werk gliedert sich in insgesamt 18 Teile. Davon erfassen die Teile 1 – 12 überwiegend, aber nicht ausschließlich, materiell-rechtliche Aspekte. Thematisch reicht das Werk hier von der außergerichtlichen Streitbeilegung (lobenswert: entgegen dem Mainstream wird der Mediation nur geringer Platz eingeräumt), der vorprozessualen Aufklärung und Beweissicherung und AGB-Recht, über Abnahme, Werklohnanspruch, Gewährleistung und Leistungsstörung, bis zur Kündigung/Abwicklung des Bauvertrags und den Sicherheiten (Teile 1 bis 10). Teil 11 befasst sich näher mit Baumodellen und dem Bauträgervertrag, während Teil 12 sich ausschließlich mit dem Recht der Architekten und Ingenieure befasst.

Die Teile 13 – 17 widmen sich prozessualen Themen, konkret mit der einstweiligen Verfügung, der gerichtlichen Zuständigkeit, der Feststellungsklage, Streitverkündung und den Besonderheiten des Berufungsrechts. Der letzte 18. Teil bleibt ebenfalls forensischen Aspekten verhaftet und liefert gesondert praktische Hinweise für Richter. Zielgruppe des Werks sind Anwälte, Fachanwälte, Richter und alle, die professionell mit dem privaten Baurecht täglich befasst sind.

Das vorliegende Werk fasst, seinem Namen voll gerecht werdend, die wichtigsten und aktuellsten Fragen zum privaten Baurecht in einem Band zusammen und wird somit zu einem äußerst praktischen Nachschlagewerk und Hilfsmittel. Es vermittelt vor allem Grundlagen, Strukturen und Zusammenhänge. Mit Verve und durchaus auch einem gewissen Witz verfasst, ist es zudem anregend zu lesen. (Wer Vorträge von Dr. Koeble schon live erleben durfte, lernt seinen trockenen, hintergründigen Humor schätzen). Der Lesbarkeit überaus zuträglich ist zudem die Abfassung des Fließtextes ohne optische Hürden wie sie etwa durch Klammereinschübe, Zitate, Fundstellen und dergleichen verursacht werden. Dies ist hier alles in die Fußnoten verschoben, so dass sich keine Brüche ergeben und die dargebotenen Informationen sich leichter aufnehmen und ungestört verarbeiten lassen. Neben der fundierten Erläuterung der Probleme und Rechtslagen, warten die Autoren mit zahlreichen Tipps, Empfehlungen, Hinweisen und Ratschlägen auf, so dass man nicht nur Lektüre konsumiert, sondern zugleich einen echten Mehrwert für die praktische Arbeit daraus ziehen kann. Die Autoren beziehen Stellung und lassen den Leser nicht in der Luft hängen. Als Handbuch für Rechtspraktiker orientiert es sich an der jeweils gängigen (und massenhaft zitierten) Rechtsprechung und bietet somit große Sicherheit für den Anwender. Es ist ein Werk für die Übersicht, für Struktur und Orientierung, ein Buch des ersten Zugriffs, bei zugleich enormer Informationsdichte. Für mich zählt das „Kompendium“ von Kniffka/Koeble neben dem „Bauprozess“ von Werner/Pastor zum absoluten Pflichtprogramm im Privaten Baurecht.