Mittwoch, 27. Mai 2015

Rezension Strafrecht: Straßenverkehrsrechtliches OWi-Verfahren

Burhoff, Handbuch für das straßenverkehrsrechtliche OWi-Verfahren, 4. Auflage, ZAP 2015

Von RA, FA für Verkehrsrecht Sebastian Gutt



Die Neuauflage des zwischenzeitlich als Klassiker zu bezeichnenden Handbuchs des Herausgebers Burhoff ist noch umfangreicher als die Vorauflage geworden, auf fast 1600 Seiten inklusive Verzeichnissen angewachsen. Geschuldet ist dies der immer weitreichenderen Rechtsprechung, die auch den Verteidiger mehr und mehr fordert. Das Bußgeldverfahren wird geprägt von der Rechtsprechung und macht es erforderlich, dass der Verteidiger sich hier bestmöglich auskennt, will er in der Sache den Betroffenen erfolgreich verteidigen.

Zwei Dinge prägen das Handbuch aus meiner Sicht: Die alphabetische Darstellung nach Stichworten sowie die umfangreichen Muster, die nicht nur im Werk abgedruckt sind, sondern sich auch auf der beigefügten CD finden. Was ist neu? Zusätzliche Themen wurden aufgenommen, als da wären die Akteneinsicht als nunmehr eigenständiges Stichwort oder aber die seit letztem Jahr zu berücksichtigenden Änderungen durch Einführung des Fahreignungsregisters.

Inhaltlich ist das Handbuch über jeden Zweifel erhaben. Es deckt sämtliche wichtigen Themenkomplexe ab, und zwar so, dass man als Verteidiger auf die Tipps bequem in der Praxis zurückgreifen kann.

Die Darstellung in Stichworten ist freilich Geschmackssache. Einerseits weiß man, dass man die Problemkomplexe zur Akteneinsicht unter „A“ nachschlagen kann, andererseits muss man aber auch festhalten, dass hier unter Umständen ein mitunter nervenaufreibendes Hin- und Herblättern durch Querverweise erforderlich wird, wenn in den jeweiligen Stichworten wieder auf andere verwiesen wird. Dann und wann wünscht man sich zwangsläufig eine einheitliche Darstellung. Auch muss man sich klar darüber sein, dass das Handbuch nicht den typischen Gang des OWi-Verfahrens darstellt, sondern mit der Ablehnung des Richters beginnt und dann mit dem Zwischenverfahren endet. Mich stört dies nicht. Ich könnte mir auch vorstellen, dass diese Herangehensweise gerade für denjenigen hilfreich ist, der noch nicht so oft mit dem straßenverkehrsrechtlichen OWi-Verfahren befasst war.

Durchaus kritisch betrachtet werden kann, dass nunmehr das Geschwindigkeits- und Abstandsmessverfahren nicht mehr von Juristen, sondern von Sachverständigen bearbeitet wird. Hier hätte aus meiner Sicht ein Jurist die Bearbeitung übernehmen müssen, denn zwangsläufig müssen sich die Sachverständigen nicht nur mit technischen Details auseinandersetzen.

Trotz dieser Kritikpunkte schätze ich das Handbuch weiterhin sehr und arbeite unheimlich gerne mit ihm. Die Darstellung in Stichworten stört mich weniger. Die relevanten Punkte finde ich trotz Querverweisen regelmäßig schnell. Das Werk gehört weiterhin zu den Büchern, die ganz vorne in meinem Regal stehen, damit ich sie schnell erreichen kann. Klare Kaufempfehlung!