Freitag, 29. Mai 2015

Rezension Zivilrecht: Einführung in die Logik

Aichele / Meier / Renzikowski / Simmert, Einführung in die Logik und ihren Gebrauch, 1. Auflage, Beck 2015

Von Dr. Torsten Obermann, RiAG, Münster / Lüdinghausen



Eine Einführung in die Logik für Juristen? Warum sollten Studenten, Referendare, aber auch Praktiker sich ein solches Buch anschaffen? Die Autoren geben die beste Antwort selbst am Anfang des letzten Kapitels des Buches: „In Rechtswissenschaft und Rechtspraxis wird die Logik nicht besonders hoch geschätzt. Logik wird als banal angesehen. Für die Rechtserkenntnis und Rechtsanwendung soll es dagegen maßgeblich auf das „Werten“ ankommen, was immer das heißen mag. Demgegenüber eignet sich die Logik jedoch hervorragend dazu, Widersprüche und Scheinbegründungen zu entlarven. Das ist bei komplexen Argumentationen nicht immer einfach.“

Die rechtswissenschaftliche Diskussion setzt die Bildung von präzisen, aussagekräftigen Begriffen voraus. Dies erfordert sprachliche Disziplin. Von diesen Begriffen ausgehend kann außerdem nur dann überzeugend argumentiert werden, wenn die Begründungen widerspruchsfrei sind. Zwar ist eine widerspruchsfreie Begründung kein Beleg für die Richtigkeit des Ergebnisses, ebenso wenig vermag eine widersprüchliche Begründung das Ergebnis zu widerlegen. Es besteht aber im zuletzt genannten Fall jedenfalls ein Anlass, die eigene Auffassung erneut zu überdenken. Insofern erfordert eine saubere juristische Argumentation auch geistige Disziplin. Die Logik mit ihren formalen Aussagen und Wahrheitskriterien vermag ein Gerüst für eine derartige Disziplin der Sprache und der Argumentation geben.

Das Werk, welches aus einer Vorlesungsreihe für Jura- und Philosophiestudenten hervorgegangen ist, ist dementsprechend grob in zwei Teile gegliedert. Der erste beschäftigt sich mit der Begriffsbildung und der Struktur von Aussagen. Der zweite ist dagegen den logischen Schlussverfahren gewidmet.

Entsprechend dem Konzept einer Einführung – das Werk ist in der Beck’schen Reihe JuraKompakt erschienen, die sich insbesondere an Studenten und Referendare wendet – verzichtet das Buch auf Vertiefungen. Es beschränkt sich bewusst und konsequent auf ein alltagstaugliches Niveau ohne Ausflüge in die Wissenschaft. Auch vom Umfang her ist das Buch mit unter 100 Seiten übersichtlich.

Dies hat – neben dem Preis von unter 10,- € – für den Leser den Vorteil, dass der Text ungemein lesbar ist. Dieser Effekt wird durch launige Überschriften und Beispiele – eine Ente zieht sich als roter Faden durch das gesamte Buch, auch Monty Pythons Spanische Inquisition wird zitiert – noch verstärkt, sodass die Lektüre tatsächlich Vergnügen bereitet.

Der juristischen Ausrichtung wird das Buch nach einer kurzen allgemeinen Einführung durch die Beispielsfälle – ein unklarer „Nichtbegriff“ wird anhand von Roxins Tatherrschaftslehre exemplifiziert, eine widersprüchliche Begründung durch die Jauchegrubenentscheidung des BGH – sowie durch ein besonderes Augenmerk auf die Logik der Normen sowie die juristische Subsumtion gerecht. Allerdings wünschte man sich hier zum Teil doch die eine oder andere Vertiefung und mehr Beispiele. Aber so ist das eben bei Einführungen: Nach der Lektüre fängt die eigentliche Arbeit erst an. Kritisch ist nebenbei der kleine Schriftgrad anzumerken, der die Bemühungen der Autoren um flüssige und leichte Lesbarkeit ein wenig konterkariert.

Insgesamt ist das hervorragend geschriebene und amüsant zu lesende Büchlein aber jedem zu empfehlen, der sich daran erinnert, dass die eigene Arbeit durch sprachliche und geistige Disziplin nur besser werden kann!