Freitag, 5. Juni 2015

Rezension Zivilrecht: Bau- und Architektenrecht

Glöckner / v. Berg, Bau- und Architektenrecht, 2. Auflage, Werner 2015

Von Rechtsanwalt Malte Schneider, Helmstedt



Das weite Feld des „Bau- und Architektenrechts“ spielt eine stetig wachsende Rolle in der anwaltlichen Beratungstätigkeit. Dem beratenden Rechtsanwalt steht eine verhältnismäßig geringe Anzahl von Rechtsnormen, jedoch eine Vielzahl von ergangener Rechtsprechung zu den jeweiligen Normen gegenüber. Daraus folgt eine große Anzahl von –nicht zuletzt haftungsrechtlichen- Klippen, die es durch den Anwalt, welcher sich gegebenenfalls nicht schwerpunktmäßig mit diesem Rechtsgebiet befasst, zu umschiffen gilt, um den Mandant zutreffend und vollumfänglich über die Chancen und Risiken eines Bauprozesses zu beraten. Das über 2.000 Seiten umfassende Werk von Glöckner/v. Berg versteht sich als Werkzeug für den Praktiker und will die oben genannten Schwierigkeiten nachvollziehbar aufzeigen. Das Buch gibt dem Leser eine Route zum Umschiffen dieser Klippen an die Hand.

Positiv fällt an der Gestaltung des Buches auf, dass die spezifischen Besonderheiten des Baurechts in einer strukturell sinnvollen Form abgehandelt werden. Es werden zunächst vertragliche Grundlagen (Zustandekommen, Vertretung bei Vertragsschluss und Verjährung) erörtert, anschließend werden ausführlich die einzelnen Schuldverhältnisse in Hinblick auf die baurechtlichen Besonderheiten besprochen. Im Nachgang erläutern die Autoren das spezifische Bauprozessrecht. Neben dem privaten Baurecht wird auch das öffentliche Baurecht umfassend und nachvollziehbar erläutert. Nach hiesiger Auffassung führt dieser zweckmäßige und sehr praxistauglich Aufbau dazu, dass das Werk nicht nur für bereits erfahrene Baurechtler interessant ist, sondern auch für den interessierten Laien oder den privaten Bauherren eine sinnvolle Lektüre darstellt. Auch die „Dauerbrenner“ der anwaltlichen Beratungstätigkeit wie z.B. Vertragsstrafenregelungen, Gewährleistungsrechte oder auch Sicherungsmöglichkeiten  werden –unter Berücksichtigung aktueller Rechtsprechung- nachvollziehbar und überzeugend behandelt.

Beispielhaft für den praxisorientierten und logisch strukturierten Aufbau des Werkes können die lehrreichen Ausführungen zur zentralen Vorschrift des Werkvertragsrecht, die Abnahme der Werkleistung nach § 640 BGB bzw. § 12 VOB/B genannt werden. Die Erläuterungen zu dieser Thematik lassen keine Fragen unbeantwortet, was aufgrund der  Tatsache, dass Fragen rund um die Abnahme (Zeitpunkt, Umfang, Rechtsfolgen etc.) in der überwiegenden Anzahl von baurechtlichen Streitigkeiten bzw. gerichtlichen Verfahren früher oder später relevant werde, lobend hervorzuheben ist.

Die erfahrenen Fachautoren haben mit dem vorliegenden, den aktuellen Stand der Rechtsprechung wiedergebenden, Praxishandbuch ein hervorragendes Werkzeug für die tägliche Arbeit für alle diejenigen, die mit baurechtlichen Fragen konfrontiert werden, geschaffen. Die überzeugenden Darstellungen der baurechtlichen Grundlagen sind keinesfalls nur für Juristen, sondern auch für Nicht-Juristen und Nicht-Baurechtler hervorragend nutzbar und das Werk kann daher uneingeschränkt empfohlen werden.

Für den Praktiker auf dem Gebiet des Baurechts hingegen führt kein Weg an diesem Werk vorbei und sollte zur Grundausstattung der eigenen Bibliothek gehören. Nach meiner Auffassung ist das Werk - trotz des hohen, wenn auch angemessenen Kaufpreises - eine klare Kaufempfehlung.