Donnerstag, 18. Juni 2015

Rezension Zivilrecht: Elternunterhalt

Hauß, Elternunterhalt: Grundlagen und Strategien, 5. Auflage, Gieseking 2015

Von RA Tim Hendrik Walter, Unna



Im Jahre 2020 werden etwa 23 % der deutschen Bevölkerung über 65 Jahre sein. Im Jahre 2040 sind es bereits über 30 %. Schon im Jahre 2011 gab es in Deutschland 2,5 Millionen pflegebedürftige Personen. Die Gesellschaft wird älter und pflegebedürftiger, da sind sich alle Experten einig. Somit ist es auch unausweichlich, dass dem Thema Elternunterhalt in der Zukunft eine noch größere Bedeutung zukommen wird. Meist reichen die geringen Renteneinkünfte der Senioren nicht mehr aus, um die eigene Grundsicherung im Alter sicherzustellen. Kommt dann auch noch die Pflegebedürftigkeit hinzu, entsteht fast unausweichlich eine Versorgungslücke. Man muss daher kein großer Prophet sein, um zu erkennen, dass die klammen Sozialkassen eine solche Vielzahl von Personen nicht mehr auffangen können und sich die derzeit großzügigen Selbstbehalte im Elternunterhalt wahrscheinlich verringern werden.

Grund genug also, sich schon heute mit den wichtigsten Problemstellungen des Elternunterhalts vertraut zu machen. Hierfür bietet Rechtsanwalt Jörn Hauß, seines Zeichens Fachanwalt im Familienrecht, in seinem Werk „Elternunterhalt: Grundlagen und Strategien“ auf rund 450 Seiten einen umfangreichen Lösungsvorschlag zu allen in diesem Problemkreis relevanten Fragestellungen an.

Mittlerweile liegt das Werk bereits in der 5. Auflage vor und richtet sich nicht mehr nur an Rechtsanwälte und Gerichte. Es hält sogar spezielle Hinweise für Sozialhilfeträger bereit. Davon profitieren nicht nur letztere, denn ein Perspektivwechsel verschafft dem Rechtsanwalt Einblick in die Vorgehensweise der Sozialhilfeträger. Den größten Teil der Publikation macht, wie sollte es auch anders sein, der Elternunterhalt in der Praxis aus, bevor nach einem Exkurs über den Enkelunterhalt Strategien, Auskunftspflichten, Verfahrensfragen sowie typische Fehlerquellen und Beratungsfragen angesprochen werden. Hervorragend anschaulich werden gegen Ende dann verschiedene Berechnungsbeispiele tabellarisch dargestellt. Zuletzt befinden sich im Anhang nützliche Tabellen, die bei Bedarf ein langes Recherchieren obsolet machen.

So lässt sich beispielsweise das Pflegerisiko mithilfe einer im Werk enthaltenen Pflegerisikofaktorentabelle abschätzen. Inhaltlich kann man das Werk nur als umfassend bezeichnend. Dem Verfasser ist kein einziger Aspekt aufgefallen, der der Ergänzung bedurft hätte. Jeglicher Problemkreis ist klar gegliedert, beim erstmaligen Lesen sofort verständlich und die Formatierung perfekt gelungen. Wichtige Urteile werden an der richtigen Stelle klar von den Aussagen und Erläuterungen abgegrenzt. Das erhöht nicht nur den Lesefluss, sondern lädt auch ein am Abschluss des Kapitels noch einmal die Rechtsprechung zu durchforsten, welche sich sofort finden lässt.

Als Schmankerl befindet sich auf den letzten Seiten der Publikation  noch ein Prüfungsschema zur erleichternden Bearbeitung von Fällen im Elternunterhalt, welches Youngstern den sofortigen Einstieg in die Rechtsprüfung ermöglicht. Besser geht es nicht.

Insgesamt kann daher das Werk von Jörn Hauß nur als vollumfänglich gelungen betrachtet werden. Jedem Rechtsanwalt, der ein gewisses Beratungsaufkommen in dieser Rechtsmaterie hat, sei diese Publikation wärmstens empfohlen. Der Verfasser jedenfalls möchte dieses Werk nicht mehr missen.