Freitag, 19. Juni 2015

Rezension Zivilrecht: Privatinsolvenz

Schmidt, Privatinsolvenz, 4. Auflage, C.H. Beck 2014

Von RA, FA für Sozialrecht und FA für Bau- und Architektenrecht Thomas Stumpf, Lehrbeauftragter FH Öffentliche Verwaltung Mayen (Rheinland-Pfalz), Pirmasens



Dr. Andreas Schmidt gilt als ausgesprochener Kenner der Materie und befasst sich mit der InsO seit deren Inkrafttreten. Die neue Auflage seines Buches orientiert sich selbstverständlich an dem Gesetz zur Verkürzung des Restschuldbefreiungsverfahrens und zur Stärkung der Gläubigerrechte, d.h. zur letzten Reform des Privatinsolvenzrechts, welche zum 01.07.2014 in Kraft getreten war. Diese bringt einige Änderungen mit sich (Verkürzungsmöglichkeit der Restschuldbefreiungsphase, Verschärfung der Versagensgründe, Erweiterung der von der Befreiung ausgenommenen Forderungen, Insolvenzverwalter statt Treuhänder, Insolvenzplan für Verbraucher), die in die Neuauflage eingearbeitet wurden.

Das Buch ist ausgesprochen gut gemacht. Untergliedert wird in drei Teile: der erste Teil befasst sich mit den juristischen Grundlagen des Privatinsolvenzverfahrens und unterteilt zunächst in die beiden Verfahrensarten Verbraucherinsolvenz und Regelinsolvenz, um sich anschließend deren Einleitung und Ablauf zu widmen. Ein umfangreicherer Anteil befasst sich dann ausführlich mit der (neu geregelten) Restschuldbefreiung und dem Insolvenzplanverfahren. Die Vorgänge und Abläufe werden fundiert anhand des Gesetzes erläutert, sprachlich bleibt alles zugleich zugänglich und leicht verfolgbar. Zwischendrin gibt der Verfasser immer wieder (auch optisch hervorgehobene) nützliche Praxistipps und Hinweise. Gearbeitet wird auch mit diversen Schaubildern. Vorangestellt ist dem Ganzen eine kurze, aber aufschlussreiche Einleitung über den Status-quo des „Massenphänomens Verschuldung“. Die darin genannten Zahlen und statistischen Angaben vermitteln ein beeindruckendes Bild.

Der zweite Teil ist als Anhang bezeichnet und beinhaltet den Abdruck des standardisierten Vordruckformulars für das Verbraucherinsolvenz- und Restschuldbefreiungsverfahrens, wie es von den Insolvenzgerichten ausgegeben wird. Das Formular ist vollständig abgedruckt und durchgehend mit Anmerkungen kommentiert. Der letzte Abschnitt ist schließlich ein Ratgeber-Teil, in dem häufig gestellte Fragen beantwortet werden. Beides hilfreiche Tools, insbesondere für Nicht-Juristen. Die knackige und prägnante Mischung zwischen Lehrbuch, Übersichtenskript und Praxisratgeber ist gut dosiert und meines Erachtens ordentlich ausbalanciert. Wer schnell, aber rechtlich fundiert eine gute Übersicht braucht und zugleich wissen muss, wie es in der Praxis läuft, ist hier hervorragend beraten.