Sonntag, 7. Juni 2015

Rezension Zivilrecht: Schuldrecht AT

Förster, Schuldrecht Allgemeiner Teil – Eine Einführung mit Fällen, 3. Auflage, C.F. Müller 2015

Von Carina Wollenweber, Wirtschaftsjuristin, LL.M., Siegen




Das 306-seitige Werk zum allgemeinen Teil des Schuldrechts von Förster ist in 5 Teile und insgesamt 22 logisch aufeinanderfolgende Kapitel gegliedert. Der 1. Teil beschreibt allgemein das Schuldverhältnis an sich (Kapitel 1) sowie die Entstehungsmöglichkeiten (Kapitel 2) und die Leistung (Kapitel 3). Im 2. Teil widmet sich der Autor dem besonders wichtigen Leistungsstörungsrecht und thematisiert nach einer Einleitung (Kapitel 4) die Haftung des Schuldners (Kapitel 5), Unmöglichkeit (Kapitel 6), Schlechtleistung (Kapitel 7), Schutzpflichtverletzung (Kapitel 8), Schuldner- sowie Gläubigerverzug (Kapitel 9 bzw. 10) und die Störung der Geschäftsgrundlage (Kapitel 11). Der 3. Teil beschäftigt sich mit den Möglichkeiten, ein Schuldverhältnis zum Erlöschen zu bringen oder es zu beenden. Neben Erfüllung (Kapitel 12) und Aufrechnung (Kapitel 13) geht es demnach um den wichtigen Rücktritt (Kapitel 14) und insbesondere auch um den Widerruf von Verbraucherverträgen (Kapitel 15). Im 4. Kapitel wird das äußerst komplexe Schadensrecht dargestellt. Die Grundlagen dienen als Einleitung (Kapitel 16), bevor sich der Autor Verursachung und Zurechnung des Schadens (Kapitel 17) und Art und Umfang des Schadensersatzes (Kapitel 18) widmet. Im abschließenden 5. Kapitel werden die unterschiedlichen Möglichkeiten für Mehrpersonenverhältnisse erläutert. Darin enthalten sind Verträge zugunsten Dritter (Kapitel 19), Abtretung (Kapitel 20), Schuldübernahme (Kapitel 21) und die Mehrheit von Gläubigern und Schuldnern (Kapitel 22). Das AGB-Recht findet nur am Rande Erwähnung (Exkurs Rn. 61 ff. sowie Fall 4: Rn. 74 - 78), sodass sich der Leser zu diesem Thema ein gesondertes Lehrbuch anschaffen müsste.

Das Werk richtet sich primär an Anfänger im juristischen Bereich, sprich Studenten. Die Hinweise und Tipps zur Klausurpraxis (z.B. Rn. 21) sind hilfreich. Neben der sehr gut lesbaren Schriftgröße und dem Fettdruck von wichtigen Begriffen fällt insbesondere die äußerst verständliche Sprache auf. Juristische Fachbegriffe werden auch für die Studenten in geringeren Semestern leicht verständlich umschrieben. Die Texte weisen einen guten Lesefluss auf. Dem Autor gelingt es hervorragend, den zuweilen „trockenen“ Stoff mit Witz ansprechend aufzubereiten. Z.B. schreibt er zum Thema Neben- oder Schutzpflichten: Auch ein erfahrener Teppichleger hat darauf zu achten, dass er nicht den winzigen Chihuahua seiner Kundin unter dem neuen Flokati „mitverlegt“ (Rn. 25). Auch werden die Personen und Sachverhalte immer wieder aufgegriffen und in neue Geschichten integriert (z.B. Rn. 52 und Rn. 57). Diese Wiedererkennung ist auch sehr ansprechend und humorvoll für den Leser gestaltet.

Insgesamt beinhaltet das Werk 82 Fälle, welche recht ausführlich gelöst werden. Unterhalb des Sachverhaltes ist die Randnummer mit dem Lösungsbeginn angegeben. Auch bei der Lösung findet sich ein Rückverweis auf den Sachverhalt mit kurzem Stichwort zum Fall, damit der Leser schnell erkennt, um welchen Fall bzw. um welches Thema es sich handelt. Dies ist sehr bequem und unkompliziert. Die Fälle laden auch zum Mitdenken und Selbstlösen ein. Dies liegt u.a. auch an der räumlichen Distanz zwischen Sachverhalt und Falllösung. Demnach handelt es sich zusätzlich um ein integriertes Fallbuch. Allerdings muss beachtet werden, dass die Fälle z.T. nicht im klassischen Gutachtenstil mit genauen Formulierungen (Urteilsstil „weil“ in Fall 24: Rn. 380) und Anspruchsgrundlagen (Fall 49: Rn. 687) gelöst werden, z.T. aber schon (z.B. Anspruchsgrundlagen in Fall 24: Rn. 379, Fall 25: Rn. 383). Die Obersätze können zudem auch nur sehr verkürzt vorhanden sein (z.B. Fall 1: Rn. 30, Rn. 33). Der Student sollte sich dies bewusst machen und bei Bedarf zusätzlich zu einem richtigen Fallbuch greifen. Leider findet sich jedoch auch kein Hinweis darauf, dass die Fälle nicht immer auf diese Art und Weise in einer Klausur gelöst werden sollten. Es ist zu hoffen, dass die juristischen Anfänger dies selbst wissen. Hervorzuheben sind aber die vielen kleineren Beispiele, die anschaulich gestaltet und leicht verständlich sind.

Bereits auf dem Buchrücken vermerkt der Autor, dass er auf Themen aus seinen weiteren Werken „Allgemeiner Teil des BGB“ und „Schuldrecht Besonderer Teil“ hinweist. Dies ist für Leser praktisch, die diese Bücher ebenfalls besitzen. Des Weiteren werden aber auch sehr kurz die wichtigsten Informationen zu einem nicht zum allgemeinen Teil des Schuldrechts gehörenden Thema gegeben (z.B. Angebot und Annahme: Rn. 41, Eigentumsübergang: Rn. 12), wenn dies für das Verständnis wichtig ist. Es existieren ebenfalls Verweise auf spätere Kapitel (z.B. Zug um Zug: Rn. 45). Somit könnte bei Bedarf direkt und schnell zu diesen Seiten übergegangen werden. Auch das Stichwortverzeichnis sorgt für ein schnelles Auffinden des Gesuchten.

Besonders hervorzuheben sind die Übersichten, welche sich jeweils am Anfang eines neuen Kapitels befinden. Diese übernehmen zum einen die Gliederung aus dem Inhaltsverzeichnis und zum anderen geben sie kurze Erläuterungen zum jeweiligen Inhalt. Obwohl diese dem Kapitel vorgeschaltet sind, können sie nach Beendigung eines solchen sehr gut als Wiederholung dienen.

Dieses Werk ist als Lehrbuch zu betrachten. Es befinden sich darin keine Fußnoten und keine ausführlichen Darstellungen zu großen wissenschaftlichen Fragen oder zum Meinungsstreit (z.B. Rn. 361). Allerdings sind z.T. Verweise zu Urteilen vorhanden, sodass der Leser bei Bedarf selbst recherchieren kann. Vor der Einleitung ist ein sehr überschaubares Verzeichnis zur weiteren Literatur im Bereich zum allgemeinen Teil des Schuldrechts vorhanden.

Fazit: Das vorliegende Werk „Schuldrecht Allgemeiner Teil“ von Förster eignet sich hervorragend für Studenten als Einführung in diese Materie. Aber auch der Leser, welcher den Stoff wiederholen möchte, ist gut beraten mit dem Erwerb. Der Autor stellt diesen komplexen Bereich so anschaulich wie möglich dar und verknüpft die Informationen mit zahlreichen und auch z.T. äußerst witzigen Fällen und Beispielen. Die Übersichten zu Beginn eines Kapitels stellen eine gute Wiederholung des Stoffes dar. Die Sprache ist sehr verständlich und fördert den Lesefluss. Das Werk kann zwar auch als Fallbuch dienen. Allerdings ist hier vor der Übernahme des Sprachstils in den Falllösungen zu warnen. Insgesamt stellt der Autor diese besonders wichtige Materie auf eine anschauliche Art und Weise dar, sodass der Leser für die anstehende Klausur sehr gut gewappnet sein wird.