Samstag, 20. Juni 2015

Rezension Zivilrecht: Versicherungsrechts-Handbuch

Beckmann / Matusche-Beckmann (Hrsg.), Versicherungsrechts-Handbuch, 3. Auflage, C.H. Beck 2015

Von RA, FA für Verkehrsrecht Sebastian Gutt



Von Handbüchern weiß man, dass sie umfangreich sind, sollen sie die doch sämtliche Bereiche des jeweiligen Rechtsgebiets abdecken. Nicht verwunderlich ist daher, dass das vorliegende Handbuch dann auch weit über 3.000 Seiten aufweist. Imposant!

Die Herausgeber sind Hochschullehrer an der Universität des Saarlandes. Ein Blick ins Autorenverzeichnis verspricht die geballte Kompetenz aus Lehre und Praxis. Unter den Autoren finden sich Ikonen des Versicherungsrechts wieder, z.B. Rixecker, der sich etwa für die Auswahl der versicherungsrechtlichen Entscheidungen in der zfs verantwortlich zeichnet. Zu erwähnen ist anstelle vieler auch noch der Verkehrs- und Versicherungsrechtler Heß, Anwaltskollege und durch Veröffentlichungen in beiden Rechtsgebieten bekannt. Zudem gehören weitere namhafte Versicherungsrechtler zum Bearbeiterkreis. Seit der Vorauflage sind auch neue Bearbeiter hinzugekommen, etwa Staudinger von der Universität Bielefeld. Alleine die Namen der Autoren/Bearbeiter lassen zweifelsfrei auf ein Höchstmaß an Fachwissen schließen.

Was ist neu? Die Vorauflage erschien kurz nach Erscheinen der VVG-Reform. Damals gab es selbstverständlich noch nicht zu allen Neuerungen aktuelle Rechtsprechung, so dass man z.B. zum Kürzungsrechts des Versicherers bei grober Fahrlässigkeit nur mutmaßen konnte, wie sich die Rechtsprechung entwickeln würde. Dies hat sich geändert. Mittlerweile ist weit überwiegend von einer gefestigten Rechtsprechung auszugehen, die eingearbeitet werden musste und wurde (Stand: Spätsommer 2014). Neue Fragestellungen haben sich auch ergeben, die es ebenfalls zu berücksichtigen galt.

Schaut man sich das Inhaltsverzeichnis an, so fällt gleich auf, dass tatsächlich alle Bereiche des Versicherungsrechts abgedeckt werden, beginnend mit dem Allgemeinen Teil, bestehend aus klassischen Themen wie Versicherungsbedingungen als Allgemeine Geschäftsbedingungen (3. Abschnitt) oder Herbeiführung des Versicherungsfalls (§ 16) bzw. Gefahrerhöhungen (§ 20). Gut gefallen hat mir die Erläuterung des in der Praxis gerne übersehenen § 86 VVG, also des Übergangs des Ersatzanspruchs (besprochen von Hormuth, § 22). Der in der Praxis am häufigsten zu beobachtende Fehler ist, dass ein Anwalt vorgerichtliche Rechtsanwaltsgebühren eingeklagt, obwohl diese bereits von dem Rechtsschutzversicherer gezahlt worden sind. Dann aber ist der Mandant nicht aktivlegitimiert, weil die Ansprüche in der Sekunde der Zahlung auf seinen Rechtsschutzversicherer übergegangen sind. Trotz Bestreitens der Aktivlegitimation durch den Beklagten, ist diese Vorschrift wohl auch vielen Gerichten unbekannt, die dann trotzdem die vorgerichtlichen Gebühren zusprechen. Erläutert werden zunächst der Anwendungsbereich und sodann die Voraussetzungen des Forderungsübergangs. Ebenfalls angesprochen wird der Umfang des Übergangs nach Kongruenzprinzip und Differenztheorie und Quotenvorrecht. Es folgen Beispiele. Die Lektüre dieses Kapitels kann nur anempfohlen werden.

Als Kernstück zu bezeichnen sind selbstverständlich die einzelnen Versicherungszweige. Hier auf sämtliche Details einzugehen, würde in Anbetracht des Umfangs des Werkes den Rahmen sprengen. Angeschaut habe ich mir als Verkehrsrechtler die von Heß und Höke bearbeitete Kraftfahrthaftpflichtversicherung, wobei in diesem Kapitel auch die Kaskoversicherung dargestellt wird. Die Bearbeitung hat mich überzeugt. Klassische Probleme dieses Versicherungszweiges, z.B. die in der Praxis ungemein wichtigen Obliegenheiten mit dem hieraus u.U. folgendem Kürzungsrecht des Versicherers, werden souverän dargestellt und erläutert.

Insgesamt ein sehr gelungenes und hilfreiches Handbuch. Probleme lassen sich mit ihm gut lösen, zudem kann man seinen rechtlichen Horizont erweitern und mit dem Buch lernen. Ich werde gerne auf dieses Arbeitsmittel zurückgreifen.