Freitag, 14. August 2015

Rezension Zivilrecht: Basiswissen Jura für die mündlichen Prüfungen

Pötters / Werkmeister, Basiswissen Jura für die mündlichen Prüfungen, 4. Auflage, de Gruyter 2015

Von Richterin Christiane Warmbein, Ulm



Eine Situation, in die jeder Jurist zumindest zwei Mal kommt: das schriftliche Examen ist vorbei und bestanden, die Ladung zur mündlichen Prüfung ist da und nach monatelanger mehr oder minder erfolgreicher Verbannung aller Bücher, in denen Paragraphenzeichen auch nur vereinzelt vorkommen heißt es: zurück an den Schreibtisch, junger Padawan!

Was aber nun? Im Gegensatz zu fünfstündigen Klausuren werden bis zu fünfstündige mündliche Prüfungen im Regelfall nicht geübt, kritisiert und monatelang verfeinert. Viele Prüflinge wissen daher vor ihren mündlichen Prüfungen nicht, wie sie sich sinnvoll vorbereiten können. Erste Hilfe bieten dann die allseits bekannten Protokolle, anhand derer die Lieblingsgebiete der eigenen Prüfer wiederholt werden. Weitergehende Strategien fehlen jedoch meist.

Hier setzt der Ratgeber von Stephan Pötters und Christoph Werkmeister an. In einem umfassenden Leitfaden wird der Prüfling von der richtigen Recherche und Lerntipps über gern gefragte Themenkomplexe wie die geliebten und verhassten Instanzenzüge, Verfahrensgrundsätze, wichtige Gerichte bis hin zu einem Überblick über juristische lateinische Begriffe an die Hand genommen. Auch eine informative Aufzählung mit jeweils für die mündliche Prüfung ausreichenden Kurzerläuterungen wichtiger Leiturteile und verfassungsrechtlicher Grundentscheidungen fehlt in dem Büchlein nicht. Für das zweite Examen besonders interessant ist das Kapitel mit Fragen zu praktischen Arbeitsabläufen, die in der mündlichen Prüfung sehr gerne gestellt werden. Die Autoren schließen mit einem Kapitel zum Aktenvortrag und mehreren Mustervorträgen.

Der Ratgeber ist knapp und prägnant geschrieben und bietet genau das, was ein Prüfling für die Vorbereitung braucht. Auf in diesem Zusammenhang überflüssige theoretische Erläuterungen wird verzichtet und der Leser genau dort abgeholt, wo er sich geistig vor der mündlichen Prüfung befindet: etwas ratlos und aufgeregt, mit begrenzter zeitlicher Kapazität und dem Willen, sich notentechnisch noch einmal merklich zu verbessern. Einen ergänzenden Vorschlag der Verfasserin mögen die Autoren daher bitte nicht als inhaltliche Kritik, sondern wirklich nur als konstruktive Anregung verstehen: nach eigener Erfahrung spielt in mündlichen Prüfungen zwar weitgehend, aber nicht nur das materielle Wissen des Kandidaten bei der Bewertung eine Rolle. Auch Mimik, Gestik, Interaktion mit den Mitprüflingen und die Reaktion auf bestimmte „Provokationen“ der Prüfer können das Zünglein an der Waage sein. Ein kurzes Kapitel zum richtigen Verhalten in der Prüfungssituation und Reaktions- und Formulierungsvorschläge für knifflige Situationen hätte sicher einen weiteren beruhigenden Effekt auf die Zielgruppe dieses Ratgebers. Im Übrigen darf man zur Vorbereitung auf die mündliche Prüfung eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen.