Donnerstag, 17. September 2015

Rezension Zivilrecht: 175 Jahre Freshfields Bruckhaus Deringer in Deutschland

175 Jahre Freshfields Bruckhaus Deringer in Deutschland, Eine Sozietätsgeschichte im Wandel von Wirtschaft, Recht und Politik, 1. Auflage, C.H. Beck, 2015

Von stud. iur. Patricia Popp, LL.B., Wiesbaden



Die Sozietät Freshfields Bruckhaus Deringer ist aus der internationalen Kanzleienwelt nicht mehr wegzudenken. Egal ob Freshfields an Umsatzzahlen, Höhe der Gehaltsauszahlungen oder Volumina der Transaktionen gemessen wird, die Sozietät befindet sich stets auf den oberen Rängen jeglicher Großkanzlei-Rankings. Freshfields Bruckhaus Deringer ist eine Kanzlei von Rang und Namen und präsentiert auf genau diese Art und Weise.

Wahrscheinlich ist deshalb anlässlich des 175. Firmenjubiläums eine Art Festschrift der Sozietät erschienen, die besonders hochwertig und wertvoll daherkommt: Die dunkelblaue Leinenbindung des Werkes ist zusätzlich in einen farblich passenden Einband aus mattem Papier eingeschlagen, der mit goldener Schrift veredelt ist. Das blau-goldenen Farbspiel zieht sich einheitlich durch das ganze Werk und verleiht den Darstellungen eine besondere Eleganz. Inhaltlich erstrecken sich die besagten Darstellungen auf knapp 300 Hochglanzseiten und beinhalten die komplette Geschichte der Kanzlei ab dem Jahr 1840. Eine Geschichte, die Freshfields selbst als „history of thinking ahead“ versteht. Chronologisch dargestellt und in sieben unterschiedlichen Kapiteln unterteilt wird die Geschichte durch eindrucksvolle Bilder und Fotografien veranschaulicht.

So beschreibt das erste Kapitel die Anfänge der Kanzlei ab dem 19. Jahrhundert in London und (man mag es schon geahnt haben) Deutschland, genauer gesagt in Hamburg. Der Leser erhält zu Beginn nicht nur einen Einblick in die Entwicklung der Kanzlei in der Zeit zwischen Vormärz und Kaiserreich, sondern auch in die damalige Veränderung des Berufs des früheren Advokaten hin zum heutigen Rechtsanwalt. In den folgenden Kapiteln wird dieser Aufbau beibehalten und die Entwicklungen des Hauses Freshfields und seiner Vorgänger Kanzleien werden eng verknüpft anhand des zeitlichen Geschehens dargestellt.

Anschaulich werden daher im zweiten Kapitel die Auswirkungen des ersten Weltkriegs und der Weltwirtschaftskrise beschrieben sowie auch die Probleme der damaligen Anwaltschaft sich gegen die aufkommende „Anwaltsschwemme“ zu behaupten. Im dritten Kapitel erfährt der Leser, dass auch die Situation im Dritten Reich nicht zur Etablierung des Berufsstandes beigetragen hat. Die Aushöhlung der Demokratie oder die Auflösung traditionsreicher Anwaltskammern erschwerten nicht nur den Aufbau von Freshfields und seinen Vorgängerkanzleien sondern beeinflussten diesen maßgeblich und auf negative Weise.

Ein Aufwärtstrend lässt sich dann aber ab dem vierten Kapitel erkennen. Das  Wirtschaftswunder bescherte zu dieser Zeit endlich auch den Anwaltskanzleien erkennbares Wachstum und Aufschwung. Ein Grund weshalb sich zu dieser Zeit dann auch in Frankfurt am Main, Düsseldorf und Bonn bereits einige aufstrebende Kanzleien etablieren konnten. Unter diesen befanden sich bereits die Vorgängerkanzlei mit den heute noch vorhandenen Namensteilen Bruckhaus und Deringer.

In den folgenden beiden Kapiteln werden dann vor allem die Expansionen und Spezialisierungen der Kanzleien dargestellt. Zahlreiche Übernahmen und Fusionen werden beschrieben, die den Weg zur internationalen Großkanzlei von Freshfields Bruckhaus Deringer begleitet haben. Aber auch hier wird der geschichtliche Kontext nicht vernachlässigt indem beispielsweise die Auswirkungen des Falls der Berliner Mauer in den Kontext der Fusionen und der Gründung neuer Büros in Ostdeutschland gestellt werden.

Das letzte Kapitel ist dann ganz der besagten „history of thinking ahead“ gewidmet und beschreibt die finale Fusion aus dem Jahr 2000 von Freshfields Bruckhaus Deringer zu genau der global law firm wie sie heute bekannt ist. So werden unter anderem aktuelle Entwicklungen der Kanzlei bis zum Jahr 2015 aufgezeigt, es findet sich eine Liste der Namen aller deutschen Partner mit dem Jahr ihres Eintritts in die Sozietät und es gibt eine Darstellung der Modifikation des Kanzlei-Logos, welches seit 1970 der Erzengel Michael ist. Im Anhang finden sich ein großzügiges Literatur- und Quellenverzeichnis sowie das obligatorische Stichwortverzeichnis.

Zum Abschluss stellt sich natürlich die Frage, ob und für wen sich die Anschaffung der Freshfields Festschrift tatsächlich lohnt. Mit einem Preis 99 Euro ist das Werk sicherlich kein Schnäppchen, hinsichtlich der Qualität und Verarbeitung aber ist der Preis durchaus angemessen. Bereits beim ersten „in den Händen halten“ entsteht beim Leser unmittelbar das Gefühl ein hochwertig verarbeitetes und aufwendig gestaltetes Schriftstück erworben zu haben. Dekorativ ist die Festschrift alle Mal und könnte sich eines Tages als Sammlerstück entpuppen. Daher macht sich das Werk sicherlich gut als exquisites Geschenk (vielleicht zur Ernennung als Partner oder zum Berufseinstieg in besagter Kanzlei). Allerdings wird auch jeder andere, der sich mit der Juristerei verbunden fühlt, Freude am Lesen der „history of thinking ahead“ finden und dabei sicherlich nicht nur etwas über Freshfields Bruckhaus Deringer, sondern auch über die eigene Berufssparte lernen können.