Mittwoch, 23. September 2015

Rezension Zivilrecht: Handbuch des Transportrechts

Knorre / Demuth / Schmid, Handbuch des Transportrechts, 2. Auflage, C.H. Beck 2015

Von RA, FA für Verkehrsrecht Sebastian Gutt, Helmstedt



Das Transportrecht stellt zweifelsfrei ein besonderes und sehr spezielles Rechtsgebiet dar. Mit dem Wissen aus dem Studium kommt hier nicht unbedingt weiter und auch erfahrene Anwälte werden sich in der Materie im Zweifel nicht immer auskennen. Mir ging es da nicht anders. Gleichwohl haben sich in meiner Praxis Fälle aus diesem Bereich gehäuft, so dass ich auf der Suche nach einem verlässlichen Helfer an meiner Seite, also einem guten Handbuch war. Hier bin ich auf das vorliegende Werk gestoßen.

Vorteil eines Handbuches ist es, dass nahezu alle Themenbereiche abgedeckt werden, und genau das habe ich gesucht, nämlich ein Handbuch für alle Fälle. Weitere Voraussetzung war, dass ich ein Werk finde, dass mir auf einfache Art und Weise das Rechtsgebiet näher bringt, ohne dass ich bereits Spezialkenntnisse in diesem Bereich vorweisen muss. Als positiv hervorzuheben ist aus meiner Sicht daher bereits an dieser Stelle, dass es allen Bearbeitern des hier besprochenen Handbuches gelingt, diesen komplexen Rechtsbereich dem Leser verständlich zu präsentieren. Ich wollte darüber hinaus auch ein Kompendium, dass von Praktikern für Praktiker gemacht wurde. Dies alles „kann“ das vorliegende Handbuch.

Inhaltlich beginnt das Handbuch damit – wie überwiegend auch üblich – die rechtlichen Grundstrukturen des Transportrechts zu erklären. Dabei werden Grundbegriffe wie Frachtführer und Spediteur erläutert, ebenso deren Haftung. Schon hier, und dies gilt dann auch für die übrigen Kapitel, hat mir sehr gut die einfache Strukturierung gefallen. Sehr übersichtlich sind sie gestaltet, die Schrift beispielsweise in angenehmer Größe. Absätze tragen ebenfalls zur guten Lesbarkeit bei. Zitate werden in den Fußnoten angegeben, was ich allgemein besser finde, als sie im Fließtext zu hinterlegen.

Nach dieser Einführung geht es weiter mit den Rechten und Pflichten aus nationalen Frachtverträgen für Straßentransporte, wo es z.B. um rechtliche Einzelheiten der Transportdurchführung und als Teil hiervon der Logistik geht. Hier werden nicht nur Grundlagen besprochen, sondern auch, wie man einen Logistikvertrag rechtskonform gestaltet. Ebenfalls – und dies ist neu in dieser Auflage hinzugekommen – wird der Sonderbereich Binnenschifffahrtsrecht besprochen, was zweifelsfrei sehr speziell ist und mit dem nicht zwangsläufig jeder in Berührung kommt.

Sehr interessant fand ich es das Kapitel zu einzelnen Schäden bei den jeweiligen Verträgen und deren Folgen, z.B. dass der Spediteur aufgrund seiner weiter gefächerten Pflichten differenzierter haftet als der Frachtführer. Die jeweiligen Haftungstatbestände werden zum Teil stichpunktartig dargestellt, verbunden mit den Rechtsfolgen bei der Verletzung. Auch hier sieht man wieder, dass den Bearbeitern der Spagat zwischen nützlicher und erforderlicher Wissensvermittlung auf der einen und tiefgreifendem Spezialwissen auf der anderen Seite hervorragend gelingt. Gleichfalls muss man hier erneut die gelungene übersichtliche Gestaltung des Handbuches lobend hervorheben.

Ein weiteres Themengebiet, das nicht unerwähnt bleiben soll, ist die Prozessführung in Fracht- und Speditionssachen. Der Name des Kapitels ist, was hier nicht negativ gemeint ist, etwas verwirrend. Tatsächlich geht es nicht nur darum, wie man einen Prozess führt, sondern der Bearbeiter setzt viel früher an und bietet indirekt einen schönen Leitfaden zur Bearbeitung des Mandats als solches. Die Ausführungen gehen also weiter.

Insgesamt hat mir dieses Handbuch inhaltlich und von der Darstellung sehr gut gefallen. Anfänger wie ich können hervorragend mit dem Werk arbeiten. Aber auch erfahrene Praktiker werden sicherlich gut auf das Werk zurückgreifen und einzelne Probleme nachschlagen können. Das Werk wird daher von mir ohne Einschränkung empfohlen.