Sonntag, 4. Oktober 2015

Rezension Zivilrecht: 20 Probleme aus dem EBV

Gursky, 20 Probleme aus dem Eigentümer-Besitzer-Verhältnis, 9. Auflage, Verlag Franz Vahlen 2015

Von stud. iur. Andreas Seidel, Göttingen



In bewährter Manier ist nun aus der Reihe „Klausurprobleme“ die neunte Auflage des Bandes über das Eigentümer-Besitzer-Verhältnis (EBV, §§ 985 ff. BGB) erschienen. Prof. Dr. Karl-Heinz Gursky hat darin 20 klassische Probleme dargestellt, die sowohl in den Klausuren und Hausarbeiten der Übung sowie im Examen gerne herausgegriffen werden. Damit wird auch Zielgruppe ersichtlich, die von fortgeschrittenen Studenten über Examenskandidaten bis hin zu Referendaren und AG-Leitern reichen dürfte.

Bei einer Beleuchtung von 20 ausgewählten Problemen des EBV auf ca. 120 Seiten braucht nicht erwähnt werden, dass sich dieses Werk nicht zur Erlangung eines Überblicks eignet. Es ist daher wichtig, dass auf vorhandene Kenntnisse in angrenzende Rechtsgebiete des Schuld- und Sachenrechts aufgebaut werden kann. Ansonsten dürfte es schwer fallen, die Verschachtelungen der Probleme oder die dargestellte Argumentation, die sich auch Argumentationshilfen außerhalb der §§ 985 ff. BGB bedient, nachzuvollziehen.

Gegliedert ist das Buch in drei Abschnitte. Es werden sieben Probleme des Herausgabeanspruchs nach § 985 BGB und dem Recht zum Besitz dargestellt, worauf acht Probleme aus den Ansprüchen auf Schadenersatz und Nutzungsherausgabe gem. §§ 987 ff. BGB sowie fünf Probleme des Verwendungsersatz gem. §§ 994 BGB folgen. Jedes Problem wird mit einem einleitenden Beispiel und einem Problemaufriss eingeleitet, woran sich die einzelnen Theorien anschließen. Jede einzelne Theorie wird ebenfalls einzeln eingeleitet. Danach werden die Vertreter der jeweiligen Theorie samt Fundstellen dargestellt, woran sich eine ausführliche Argumentation anschließt. Falls nötig wird die Theorie dann weiter ausdifferenziert, wobei hier wieder nach gleichem Schema vorgegangen wird. Erst im Anschluss daran werden die folgenden Theorien erläutert. Innerhalb der einzelnen Argumente werden dann die jeweiligen Vertreter genannt, sodass vor allem im Rahmen von Hausarbeiten ein reichhaltiger und gut strukturierter Fundus an Argumentationslinien bereitgestellt wird. Nützlich ist dies insbesondere, da bei den Fundstellen ein besonderes Augenmerk auf Vollständigkeit gelegt wurde, sodass oftmals sogar eine größere Dichte erreicht wurde, als in den gängigen Großkommentaren. Dies wurde auch dadurch erreicht, dass nicht nur auf die kanonisierte Literatur zurückgegriffen wurde, sondern sich darüber hinaus mit der Gesetzeshistorie (insb. Motive zum BGB auseinandergesetzt wurde und auch auf ungewöhnliche Literatur wie der Zeitschrift „Recht der Landwirtschaft“, RdL, oder „Jherings Jahrbücher der Dogmatik des Bürgerlichen Rechts“ zurückgegriffen wurde.

Doch nicht durch im Rahmen von Hausarbeiten, auch in Vorbereitung auf Klausuren in der Übung oder in den Staatsexamina eignet sich dieses Buch hervorragend. So wurde vermieden, auf die Kategorisierung in „herrschende Meinung“ und „Mindermeinung“ hinzuweisen (wobei aus dem Fundstellenverzeichnis natürlich zumindest eine Tendenz herausgelesen werden kann). Durch die schlichte Aneinanderreihung der Argumente soll beim Leser ein eigenes Problembewusstsein erreicht werden, sodass er sich nicht von vornherein auf eine Meinung festlegen muss, sondern sich klausurtaktisch entscheiden kann.

Somit gibt Gursky sowohl für die Hausarbeits- als auch für die Klausursituation ein Hilfsmittel an die Hand, das sich insbesondere wegen der Bedeutung des EBV in vielerlei Sachverhaltskonstellationen dazu eignet, einen vertieften Einblick zu erlangen. Somit ist es ein idealer Wegbegleiter für ein allgemeines Lehrbuch zum Sachenrecht, sodass nötigenfalls die gebotene Tiefe der Kenntnisse erlangt werden kann.