Mittwoch, 14. Oktober 2015

Rezension Zivilrecht: NotarFormulare Testamente

Tanck / Krug, NotarFormulare Testamente, 5. Auflage, Notarverlag 2015

Von RA, FA für Verkehrsrecht Sebastian Gutt, Helmstedt



Das Erbrecht ist äußerst speziell und facettenreich, insbesondere dann, wenn man in der Praxis nicht regelmäßig mit ihm zu tun hat. Tückisch ist dabei nicht zuletzt auch, dass man sich mit überschneidenden Rechtsgebieten, etwa dem Familien- und Steuerrecht, vor allem aber dem IPR ebenfalls auskennen sollte. Gerade bei der Gestaltung von Testamenten können (nicht nur) dem Notar Fehler unterlaufen, die einen Regress nach sich ziehen und für die Erben unter Umständen einen jahrelangen Prozess um die Auslegung eines Testaments bedeuten können. Hier muss der Notar also gut aufgestellt sein und auf verlässlichen Mustern aufbauen können.

An diese Bedürfnisse knüpft das vorliegende Werk der Herausgeber Tanck/Krug an. Das Werk richtet sich an Praktiker und will diesem eine Hilfe bei der Gestaltung von letztwilligen Verfügungen geben. Schön ist dann auch, dass das Werk aus der Hand von Praktikern und ausgewiesenen Experten im Erbrecht stammt. Unter den Bearbeitern neu hinzugekommen ist Janßen, Rechtsanwalt und Notar, der sich für die Gebühren verantwortlich zeichnet. In Anbetracht der kürzlich in Kraft getretenen EU-Erbrechtsverordnung spielt diese freilich in der Neuauflage des Werkes eine zentrale Rolle.

Der Name „Formulare“ darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Werk weit über die bloße Darstellung von Formulierungshilfen und Mustern hinausgeht. Folgerichtig beginnt Tanck dann auch in Kapitel 1 damit, Grundsätze der Vermögensnachfolge darzustellen. Dies stellt einen schönen Leitfaden dar, was der Notar (aber auch der Anwalt) im ersten Gespräch mit den Mandanten zu fragen und zu erfassen hat (z.B. beteiligte Personen, Vermögen des Erblassers, Güterstand etc.). Abgerundet wird dies mit Kapitel 2, in dem es um Vorfragen zur Testamentsgestaltung geht. Ebenfalls wichtig und gut fand ich das Kapitel zur Auslegung von Testamenten. Das Erbrecht „lebt“ regelrecht von einer Vielzahl von Auslegungen, die der Notar kennen muss, um hier Probleme zu vermeiden. Schön fand ich auch die Darstellung zum Testamentsauslegungsvertrag, der von den Beteiligten geschlossen werden kann.

Speziell für junge Notare dürfte auch das Kapitel zu den notariellen Formvorschriften, welches vom Herausgeber Krug bearbeitet wird, von Interesse sein. Zudem kann auch der Notaranwärter mit diesem Kapitel sehr schön die Grundlagen und Besonderheiten des Beurkundungsgesetzes wiederholen.

Sodann gelangt man in den „besonderen Teil des Erbrechts“. Hier stellen die jeweiligen Bearbeiter die verschiedenen Gestaltungsmittel dar, etwa Vor- und Nacherbschaft, aber auch besondere Testamente wie das „Behindertentestament“ oder das „Unternehmertestament“. Auch hier geht das Werk weit über die bloße Präsentation von Mustern und Formulierungsvorschlägen hinaus. Die einzelnen Gestaltungsmittel und besonderen Arten des Testaments werden ausführlich und gut verständlich besprochen und erklärt.

Die Muster sind insgesamt sehr hilfreich. Hilfreich ist dabei natürlich auch, dass sie über die mitgelieferte CD problemlos in die eigene Urkunde integriert werden können. Eine enorme Arbeitserleichterung.

Insgesamt handelt es sich um ein sehr schönes und für die Praxis hervorragend geeignetes Werk, das sich gegenüber der zahlreich vorhandenen Konkurrenz auf dem Markt keinesfalls verstecken muss.