Mittwoch, 7. Oktober 2015

Rezension Zivilrecht: Vereinbarungen mit Mandanten

Hinne / Klees / Müllerschön / Teubel / Winkler, Vereinbarungen mit Mandanten, 3. Auflage, Nomos 2015

Von Rechtsanwältin Marion Andrae, Saarbrücken



In der Nomos Buchreihe „die erfolgreiche Kanzlei“ ist in dritter Auflage das Werk „Vereinbarungen mit Mandanten“ erschienen, das sich mit Vergütungsvereinbarungen, Mandatsbedingungen, Haftungsbeschränkungen und die hierauf gerichtete Verhandlungsführung befasst. Das Autorenteam besteht aus vier Rechtsanwälten und einem Diplom-Psychologen. Die Neuauflage beinhaltet nicht nur die aktuelle Rechtsprechung zur Thematik, sondern greift auch einschlägige Gesetzesänderungen, wie z.B. die Änderung des Beratungshilfegesetzes auf. Das Werk richtet sich in erster Linie an Rechtsanwälte und will Gestaltungsmöglichkeiten bei Vereinbarungen zwischen Anwalt und Mandant aufzeigen.
Das knapp 280 Seiten umfassende Buch gliedert sich in vier Kapitel.

Das erste Kapitel behandelt die Vergütungsvereinbarungen, erläutert die gesetzlichen Grundlagen und Voraussetzungen und beleuchtet die die möglichen Vergütungsformen. Ein umfangreicher Musterteil gibt dem Anwalt für zahlreiche Mandatskonstellationen umfangreiche Formulierungsbeispiele an die Hand. Auf den ersten Blick erscheint dieser Musterteil unübersichtlich. Bei genauerer Betrachtung erweist sich die Mustersammlung aber als außerordentlich gelungen und praxisgerecht. Die Musterformulierungen sind in einer Art Baukastensystem aufgebaut, so dass sich der Anwalt je nach Bedarf eine passende Honorarvereinbarung zusammenstellen kann. Natürlich weisen die Autoren darauf hin, dass die Muster keine eigenständige Prüfung und Bearbeitung durch den Rechtsanwalt ersetzen können. Die Mustersammlung beinhaltet Muster für allgemeine Vergütungsvereinbarungen, Vereinbarungen im Strafrecht sowie im Sozialrecht. In diesem Zusammenhang zeigen die Autoren auch auf, welche Vereinbarungen aufgrund der gesetzlichen Neuregelungen mit Beratungshilfe- und Prozesskostenhilfemandanten und im Falle einer Pflichtverteidigung möglich sind.

Das zweite Kapitel befasst sich mit den allgemeinen Mandatsbedingungen vom Zustandekommen des Anwaltsvertrages bis zu seiner Beendigung. Neben den Formvorschriften und Klauseln zu den Pflichten des Anwalts werden auch die Mitwirkungspflichten des Mandanten dargestellt. Ein weiteres Themenfeld in diesem Kapitel sind die praktisch wichtigen Haftungsbeschränkungen, sowohl durch vorformulierte Vertragsbedingungen als auch im Einzelfall.

Das dritte Kapitel veranschaulicht dem Anwalt wie er seinen Honoraranspruch absichern, außergerichtlich geltend machen und erforderlichenfalls gerichtlich durchsetzen kann. Bei den Sicherungsmaßnahmen ist besonders Augenmerk auf die Verschwiegenheitsverpflichtung und das Verbot, widerstreitende Interessen zu vertreten, zu legen.

Das vierte und letzte Kapitel beschäftigt sich mit der erfolgreichen Verhandlungsführung bei Honorarvereinbarungen. Hier wird die Frage beantwortet: Wie sag ich es meinem Mandanten? Der Autor gibt dem Leser praktisch wertvolle Tipps und Strategien für das Honorargespräch an die Hand, zeigt die Grundlagen der erfolgreichen Verhandlungsführung und unterschiedliche Verhandlungsstile auf. Zahlreiche Beispiele runden die Darstellung ab. Allein schon wegen dieser psychologischen Betrachtungsweise lohnt sich nach Auffassung der Verfasserin die Anschaffung dieses Werkes.

Dieses praxisgerechte Buch Werk ist sehr zu empfehlen und sollte in keiner Anwaltskanzlei fehlen. Da die gesetzlichen Gebühren in vielen Bereichen alles andere aus auskömmlich sind, ist die Befassung mit der anschaulich dargestellten Materie in jedem Fall ratsam und gewinnversprechend. Der Kaufpreis von 49 Euro dürfte sich schon mit dem Abschluss einer rechtssicher verfassten Honorarvereinbarung gerechnet haben.