Donnerstag, 8. Oktober 2015

Rezension Zivilrecht: Kapitalanlageberatung und -vermittlung

Seibert, Das Recht der Kapitalanlageberatung und -vermittlung, 1. Auflage, C.H. Beck 2014

Von David Eckner, LL.M. (King’s College London)



Zum Ende des vergangenen Jahres wuchs die auf Praxishandbücher ausgelegte Reihe des C.H. Beck Verlags in dezentem „Banker-Blau“ um eine weitere Darstellung zum Recht der Finanzmärkte. Aus der alleinigen Feder von Dr. Holger Seibert, LL.M., Sozius der Stuttgarter Boutique Kanzlei Seibert Link, stammt ein mehr als vierhundert Seiten starkes Handbuch zum Thema „Das Recht der Kapitalanlageberatung und –vermittlung“. Dem Autor ist zur Darstellung zu gratulieren, verknüpft er doch sehr lobenswert akademische Debatten und praktische Gestaltungslösungen in einem Band. Vorab ist festzustellen, dass das Handbuch auf die unmittelbaren Probleme von Anlageberatern und -vermittlern aus zivilrechtlicher Perspektive abstellt bzw. einen definitiven Schwerpunkt setzt. So werden etwa Fragen sowohl des Aufsichts- als auch Zivilrecht im Hinblick auf Anlageberater und -vermittler als Intermediäre in Vertriebsketten, z.B. unter Einschaltung von Kapitalverwaltungsgesellschaften im Geltungsbereich des KAGB, nicht und/oder nur stark vereinzelt besprochen. Dies stellt jedoch weniger einen Mangel denn einen abweichenden Fokus dar. Dieser Fokus liegt auf der bezeichneten, unmittelbaren Analyse des Rechtsumfelds von Anlageberatern und -vermittlern.

So ist das Handbuch grob in vier Teile gegliedert. Teil A (S. 1 bis 48) führt ein in die Anlageberatung und -vermittlung. Neben wirtschaftlichen Aspekten werden einerseits die Grundlagen des Aufsichtsrechts sowie andererseits die Grundlagen des Zivilrechts dargestellt, während zugleich die klassischen Abgrenzungs- und Überlagerungsfragen im Überblick dargestellt werden. Die Einführung ist äußerst instruktiv und eignet sich – neben dem eigentlichen Adressatenkreis des Handbuchs – etwa auch hervorragend für fortgeschrittene Studenten und/oder junge Berufstätige, die einen fundierten und aktuellen Einblick in die Debatte benötigen.

In Teil B (S. 49 bis 128) wendet sich Seibert dem Aufsichtsrecht der Anlageberatung und -vermittlung zu. Bedauerlicherweise ist die Perspektive ausschließlich auf das WpHG konzentriert, ohne die wichtigen Vorschriften der MiFID II noch intensiver hinzuziehen. Eingedenk des Veröffentlichungsdatums wäre wünschenswert gewesen, die Änderungen der kompletten Revision der Wertpapieraufsicht (mit signifikanten Auswirkungen auf die Anlageberatung und -vermittlung) jedenfalls anzudeuten. Für eine Zweitauflage wäre die Darstellung der europäischen Regelungsebene – als die bedeutsamste – von besonderem Interesse. Im Übrigen folgt die Darstellung des Aufsichtsrechts einer sehr stringenten und lesbaren Struktur. Sie behandelt das nationale Aufsichtsrecht weitgehend erschöpfend, auch und vor allem mit Blick auf die praxisrelevante Nebengesetzgebung außerhalb des WpHG.

In Teil C (S. 129 bis 378) folgt sodann der eigentliche Schwerpunkt des Handbuchs, die Darstellung des Zivilrechts der Anlageberatung und -vermittlung, wie auch der zivilrechtlichen (und spezialgesetzlichen) Prospekthaftung. Begonnen bei der Rechtsgrundlage des „Anlageberatungsvertrags“ hin zur deliktischen Haftung bearbeitet Seibert auf diesem Weg unter Berücksichtigung aktuellster Rechtsprechung die zivilrechtliche Seite der Anlageberatung und -vermittlung ohne auch nur kleinste Einwände, lobenswert erschöpfend und mit einem Gespür für praktische Signifikanz. Der letzte Teil D des Handbuchs (S. 379 bis 409) wendet sich schließlich im Überblick den Verfahrensfragen des kapitalanlagerechtlichen Haftungsprozesses zu.

Obschon Darstellungen zum Recht der Kapitalanlageberatung und -vermittlung keine Seltenheit sind und eher zu den klassischen finanzmarktrechtlichen Bereichen zählen, hat Seibert eine sehr sinnvolle und lesenswerte Analyse geliefert, die eine hohe Praxistauglichkeit aufweist und durch klare Sprache und prägnante Gliederung einen Zeitvorteil in der Bearbeitung kapitalanlagerechtlicher Mandate verspricht. Eine lohnenswerte Investition.