Sonntag, 13. Dezember 2015

Rezension Zivilrecht: Commercial Contracts in Germany

Mann, Commercial Contracts in Germany, 1. Auflage, C.H. Beck 2015

Von Carina Wollenweber, Wirtschaftsjuristin, LL.M., Siegen



Das Werk von Mann ist, wie der Titel bereits erahnen lässt, in englischer Sprache geschrieben und umfasst 297 Seiten (inkl. Anhang und Stichwortverzeichnis). Es besteht aus 2 Teilen: dem Hauptteil, welcher sich mit (Handels-)Vertragsarten befasst, und einer Art Anhang, in welchem Auszüge aus dem HGB und ProdHaftG sowie eine Liste mit den wichtigsten Begriffen in deutsch und englisch zu finden sind.

Der Hauptteil gliedert sich in 13 Kapitel (A – M). Kapitel 1 (A) schildert Aufbau und Inhalt des Werkes. Das 2. Kapitel (B) beschäftigt sich mit den Grundlagen und -sätzen des Vertragsrechts und bildet einen wesentlichen Schwerpunkt des Werkes. Gegenstand sind insbesondere das Zustandekommen und die Beendigung eines Vertrages, AGB-Recht, Verträge in der Insolvenz sowie internationales Vertragsrecht. Zum letztgenannten Bereich zählt auch die Tabelle (S. 52), in welcher die Unterschiede zwischen BGB und CISG hervorgehoben werden. Kapitel 3 (C) widmet sich der Streitschlichtung.

In den Kapiteln 4 – 13 (D – M) werden spezielle Handels- und Vertriebsvertragstypen vorgestellt. Die meisten Seiten beschäftigen sich mit dem Kauf- (Kapitel 4, D), Handelsvertreter- (Kapitel 8, H) und Vertragshändlervertrag (Kapitel 9, I). Relevant für den Kaufvertrag aus Kapitel 4 (D) sind z.B. die Rechte und Pflichten der Parteien sowie die Produkthaftung. Kapitel 5 (E) widmet sich der Qualitätssicherungsvereinbarung. Die Themen Kommissions- (Kapitel 10, J), Transport- und Fracht- (Kapitel 12, L) sowie Lagervertrag (Kapitel 13, M) werden ebenfalls behandelt.

Der Leser muss sich bewusst machen, dass das Werk lediglich in der Lage ist, einen mehr oder weniger groben Überblick über die komplexe Materie zu verschaffen. Dieser gelingt allerdings sehr gut. Es werden auch diverse weitere Rechtsgebiete angeschnitten: z.B. Insolvenzrecht, CISG, IPR, Kartellrecht.

Schließlich existiert soweit ersichtlich auch kein anderes Werk in dieser Bandbreite und Aktualität, welches das deutsche Vertrags- und Handelsrecht in englischer Sprache beleuchtet. Anzutreffen sind vielmehr Standardverträge und -klauseln, die in andere Sprachen übersetzt werden.

Sehr gelungen sind die Praxistipps (z.B. Rückrufsystem: S. 80; Ausschluss der Mängelrüge: S. 87; Anwendungsreihenfolge der Vertragsbestandteile inkl. Musterklausel: S. 94 f.). Dazu zählt auch der gewöhnliche Aufbau von Verträgen (z.B. Qualitätssicherungsvereinbarung: S. 87 f.; Geheimhaltungsvereinbarung (Kapitel 6, F): S. 89 ff.; Rahmenvereinbarung (Kapitel 7, G): S. 92) sowie die Liste der „Do´s and Don´ts“ zur Gestaltung von Handelsvertreterverträgen (S. 104 f.).

Hervorzuheben ist ebenfalls, dass Missverständnisse durch Definitionen vermieden werden (z.B. Handelsvertreter: S. 95; Qualitätssicherungsvereinbarung: S. 85 f.) oder durch Abgrenzung von ähnlichen Begriffen (z.B. Handelsvertreter im Vergleich zum Arbeitnehmer: S. 95 f.; Kommissionär: S. 162 f.; Franchisenehmer: S. 165). Es wird auch auf die Besonderheiten und Probleme der einzelnen Vertragstypen hingewiesen (z.B. Franchise-Vertrag (Kapitel 11, K): S. 167 ff.).

Die bereits erwähnten Auszüge aus dem HGB und dem ProdHaftG sind sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache vorhanden und nehmen beinahe den kompletten „Anhang“ ein (99 Seiten). Besonders gelungen ist, dass der Text und die Übersetzung auf derselben Seite zu finden sind (linke Spalte: deutsch, rechte Spalte: englisch) und so schnell geschaut werden kann, wie die entsprechende Passage zu übersetzen ist. Diese direkte Gegenüberstellung erweist sich als äußerst praktisch.

In Bezug auf die 7-seitige „Vokabelliste“ lässt sich zunächst deren Existenz hervorheben. Allerdings hilft diese kaum beim Verständnis des vorliegenden Werkes, da nur eine alphabetische Aufzählung der deutschen Fachbegriffe vorhanden ist. Wollte der Leser ein englisches Wort aus dem Buch nachschlagen, so würde er dieses nur nach ausgiebiger Suche finden können. Dies ist schade. Die englische Sprache ist allerdings gut verständlich. Zudem hilft die Vokabelliste, Missverständnisse zu vermeiden. Der Leser wird dem Autor gut folgen können.

Positiv hervorzuheben sind der Hardcover-Einband und das dicke Papier, welches verwendet wurde. Gelegentlich werden feststehende Begriffe direkt übersetzt (z.B. S. 91: „Geschäftsbesorgungsvertrag“; S. 183: „Verwahrungsvertrag“). Dies kann schnell an der Klammer und dem Kursivdruck erkannt werden. Dadurch wird dem Leser das Nachschlagen in einem Wörterbuch erspart.

Es sind sowohl Inhaltsübersicht als auch Inhaltsverzeichnis vorhanden. Ein Literaturverzeichnis ist jedoch nicht zu finden. Das Werk arbeitet mit Urteilen, sodass der Leser bei Bedarf auf fundierte Informationen aus der Judikatur zurückgreifen (z.B. S. 120 f.) und auch eigenständig recherchieren könnte.

Fazit: Das Werk eignet sich insbesondere für Menschen, welche nicht der deutschen, aber der englischen Sprache mächtig sind und die das deutsche Vertragssystem dennoch verstehen möchten. Dies trifft z.B. auf Anwälte zu, die auch im deutschen Recht beratend tätig seien wollen. Ebenfalls können Personen das Werk nutzen, die das deutsche Recht bereits kennen, für die allerdings die juristische Thematik auf englisch Neuland darstellt. Mit Hilfe des Werkes kann also die Lehre erheblich vereinfacht werden, da keine eigenständige Übersetzung vonnöten ist. Demnach ist das Werk in der Lage, die auf dem Markt bestehende Lücke zu schließen und nebenher auch wertvolle Praxistipps einfließen zu lassen.

Besonders ist auch die englische Übersetzung der relevantesten Normen des HGB und des ProdHaftG. Diejenigen des HGB, welche online verfügbar sind, sind – soweit ersichtlich – auch nicht leserfreundlich dargestellt, nicht in Form einer Gegenüberstellung deutsch-englisch und/oder kostenpflichtig, sodass diese auch nur mit Mühen, Einschränkungen oder eben finanziellem Einsatz zu beschaffen wären. Auch in diesem Punkt weiß das vorliegende Werk durchaus zu überzeugen.