Freitag, 18. Dezember 2015

Rezension Zivilrecht: Handbuch der Testamentsgestaltung

Nieder / Kössinger, Handbuch der Testamentsgestaltung, 5. Auflage, C.H. Beck 2015

Von Rechtsanwalt Malte Schneider, Helmstedt



Das kommende Jahrzehnt wird eine Dekade der Erben. Experten schätzen, dass in diesem Zeitraum zwischen zwei und vier Billionen Euro vererbt werden. Dies bietet für den erbrechtlich tätigen Praktiker ein überaus großes Betätigungsfeld. Dieser wird sich einer Vielzahl von erbrechtlichen Gegebenheiten ausgesetzt sehen, welchen durch eine geschickte erbrechtliche Gestaltung begegnet werden muss. Diesem Maßstab liegt das aktuelle Werk von Nieder / Kössinger zugrunde. Das umfangreiche Werk enthält eine umfassende Darstellung der aktuellen rechtlichen Gegebenheiten und zeigt den gestalterischen Handlungsspielraum für den erbrechtlich tätigen Praktiker auf.

Dabei werden nicht nur nicht nur die einseitigen Verfügungen von Todes wegen nachvollziehbar behandelt, sondern u.a. auch wechselseitige Verfügungen und Erbverträge. Darüber hinaus bietet das Handbuch Vorschläge für vorbereitende Erbfolgemaßnahmen durch Rechtsgeschäfte unter Lebenden und gibt einen umfassenden Katalog von Fallgruppen zu erbrechtlichen Gestaltungsformen. Abgerundet wird dieser Praktikerkommentar durch erbrechtlichen Berechnungsformeln sowie durch die sinnvollen und zweckmäßigen Formulierungs- und Gestaltungsvorschläge. Auch die an Bedeutung immer mehr gewinnenden Regelungen zum Pflichtteilsrecht -und insbesondere deren Fallstricke- werden erläutert. Ferner ist die weitreichende Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 17.12.2014 (Verfassungswidrigkeit des Erbschaftssteuerrechts für Unternehmen) bereits in das Werk eingearbeitet.

Das Werk selbst gliedert sich in sechs Teile. Diese Gliederungsabschnitte orientieren sich an den Stationen, die ein Erblasser im Rahmen seiner Beschäftigung mit dem Erbfall durchläuft. Es beginnt mit grundsätzlichen Überlegungen („Was will ich?“), geht über zu den daraus folgenden Gestaltungsmittel („Wie kann ich das erreichen?“), über die formale Gestaltung („Wie bringe ich zu Papier, was ich erreichen will?“) bis hin zum Eintritt des Erbfalls und damit einhergehende Reaktionsmöglichkeiten der Erben.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dem Werk der Spagat zwischen wissenschaftlichem Anspruch und praktischem Nutzwert hervorragend gelingt. Die erfahrenen Fachautoren haben mit dem vorliegenden, den aktuellen Stand der Rechtsprechung wiedergebenden, Praxishandbuch ein hervorragendes Werkzeug für die tägliche Arbeit für alle diejenigen, die mit erbrechtlichen Fragen konfrontiert werden, geschaffen. Der Praktiker erhält ein logisch strukturiertes Werk mit einer Vielzahl von Formulierungshilfe, welches in der täglichen Arbeit des erbrechtlichen Beraters wertvolle Dienste leistet.

Für den Praktiker auf dem Gebiet des Erbrechts führt kein Weg an diesem Werk vorbei und sollte zur Grundausstattung der eigenen Bibliothek gehören. Nach meiner Auffassung ist das Werk –trotz des hohen, wenn auch angemessenen Kaufpreises- eine klare Kaufempfehlung.