Mittwoch, 16. Dezember 2015

Rezension Zivilrecht: Kapitalisierungstabellen


Quirmbach / Gräfenstein / Deller (Hrsg.), Kapitalisierungstabellen, 1. Auflage, Anwaltverlag 2015

Von RA, FA für Verkehrsrecht Sebastian Gutt, Helmstedt



Wer sich mit schweren Personenschäden befassen muss, muss sich zwangsläufig auch mit der Kapitalisierung von Ansprüchen auskennen. Es handelt sich um einen schwierigen und daher auch für den Anwalt haftungsträchtigen Bereich. In der Praxis und in Kommunikation mit dem Versicherer gibt es zahlreiche unterschiedliche Positionen, die in Einklang gebracht werden müssen, um eine Einigung erzielen zu können. Gerade die Höhe des Zinssatzes kann von Bedeutung sein. In der heutigen Zeit lohnt es nicht wirklich Geld auf der Bank anzulegen. Gleichwohl wollen die Versicherer überwiegend bei der Kapitalisierung hohe Zinssätze in Ansatz bringen, um so die eigene Leistung schmälern zu können.

Das vorliegende Werk erscheint neu im Anwaltverlag und dient dem Anwalt als Arbeitshilfe bei der Kapitalisierung. Schon der Titel verrät, dass hier alle relevanten Tabellen in dem Werk abgedruckt sind, die für die Kapitalisierung von Bedeutung sind: Kapitalisierungstabellen mit verschiedenen Zinssätzen und Laufzeiten, Abzinsungsfaktoren und Sterbetafel 2010/2012.

Erfreulich ist, dass die Herausgeber sich jedoch nicht lediglich auf die Darstellung der Tabellenwerke beschränken. Das Buch enthält viele Beispiele, die die üblichen Berechnungsmethoden erläutern. Erklärt werden zunächst innerhalb der Einleitung die Kapitalisierung von Erwerbsschaden, Haushaltsführungsschaden und den vermehrten Bedürfnissen. Sodann folgen die Erklärung des Zinsfußes, der Kapitalertragsteuer und Dynamisierung. Im Anschluss (§ 2) folgen dann die Beispiele. In § 3 werden die Vor- und Nachteile der Kapitalisierung dargestellt, gefolgt vom Anhang, nämlich den Tabellen, die eingangs aufgeführt wurden.

Die Tabellen selbst sind eigentlich selbsterklärend, insbesondere im Zusammenspiel mit Erklärungen in den vorangegangenen Kapiteln.

Insgesamt handelt es sich um ein nützliches Buch, das aufgrund seiner Kompaktheit stets zu Regulierungsgesprächen mit dem Regulierungsbevollmächtigten des Versicherers mitgenommen werden sollte. Man darf aber nicht erwarten, dass man bei der Lektüre der Beispiele die Kapitalisierung sofort verstanden hat. Hier ist es schon erforderlich, dass man vertiefende Literatur zur Hand nimmt.