Montag, 11. Januar 2016

Rezension Öffentliches Recht: Verwaltungsprozessrecht

Mann / Wahrendorf, Verwaltungsprozessrecht, 4. Auflage, Vahlen 2015

Von Ref. iur. Antonia Otto, Hamburg



Das 2015 in der 4. Auflage erschienene Lehrbuch richtet sich sowohl an Studierende als auch an Referendare. Beiden Zielgruppen wird zunächst positiv auffallen, dass das Werk mit 214 Seiten sehr knapp gehalten ist.

Inhaltlich unterscheidet sich das Lehrbuch zum Verwaltungsprozessrecht nicht wesentlich von vergleichbaren Werken. Es beginnt mit einer Einführung in die Rechtsgrundlagen, die Organisation und die Verfahrensgrundsätze der Verwaltungsgerichtsbarkeit. Darauf folgt eine kurze Übersicht über die Systematik der verfügbaren Rechtsschutzmöglichkeiten. Der dritte Teil befasst sich mit den allgemeinen Sachentscheidungsvoraussetzungen. Hauptteil des Lehrbuchs sind sodann die einzelnen Klagearten der VwGO mit ihren besonderen Voraussetzungen sowie Erläuterungen zum vorläufigen Rechtsschutz. Dieser Aufbau mag zwar üblich sein, ist jedoch auch durchaus sinnvoll. Gerade für Studierende am Anfang ihrer juristischen Ausbildung ist es sinnvoll, sich zunächst mit den allgemeinen Voraussetzungen der Klagen im Verwaltungsprozessrecht zu beschäftigen, bevor auf die Unterschiede zwischen den einzelnen Rechtsschutzmöglichkeiten eingegangen wird. Schließlich sollte auch die Bedeutung des einstweiligen Rechtsschutzes im Studium und im Referendariat nicht unterschätzt werden.

In methodischer Hinsicht überzeugt das Werk. Am Ende eines jeden der insgesamt 26 Kapitel finden sich Kontrollfragen, anhand derer der Leser testen kann, was er von den vorherigen Ausführungen mitgenommen hat. Die Angabe der entsprechenden Randnummer in Klammern hilft beim – eventuell doch notwendigen – Nachlesen der entsprechenden Antworten. Das Lehrbuch ist insgesamt sehr übersichtlich gestaltet und verständlich geschrieben. Kaum ein Abschnitt mit eigener Überschrift zieht sich über mehr als eine Seite. Das erleichtert das Lesen enorm (und empfiehlt sich im Übrigen auch für die verwaltungsrechtliche Klausur). Wichtige Schlagwörter sind fett gedruckt. Fußnoten geben Hinweise auf weiterführende Literatur. In hinterlegten Kästen finden sich zudem die wichtigsten Schemata für das Verwaltungsprozessrecht. Ebenfalls hervorgehobenen sind Formulierungen für den Tenor, die sich vornehmlich an Referendare richten. Ein Stichwortverzeichnis am Ende des Werkes hilft, bestimmte Begriffe und Themengebiete schnell auffinden zu können.

Der wesentliche Unterschied dieses Lehrbuchs zu anderen ist, dass es den Stoff rund um das Verwaltungsprozessrecht für Studierende und Referendare in einem Werk zusammenfasst. Dies hat Vor- und Nachteile. Der Nachteil könnte sein, dass Studierende teilweise mit Informationen überfordert werden, die für sie noch nicht relevant sind (wie beispielsweise die Tenorierung eines verwaltungsgerichtlichen Urteils). Andererseits kann es grundsätzlich nicht schaden, Themengebiete bereits von Anfang an im Gesamtzusammenhang zu lernen und zu verstehen. Eventuell würde sich für eine nächste Auflage lediglich empfehlen, die Teile, die an Referendare gerichtet sind, durch einen Hinweis oder ein Zeichen entsprechend zu kennzeichnen. Für Referendare hat das Werk den sehr großen Vorteil, dass auch der (Grund-)Stoff aus dem Studium noch einmal wiederholt wird. Dieser wird in vielen Werken, die auf das Assessorexamen vorbereiten, zu Unrecht vernachlässigt. Häufig muss der Referendar oder die Referendarin dann noch einmal in den Unterlagen aus dem Studium nachsehen. Dies kann das Werk wohl an vielen Stellen vermeiden. Dabei ist auch der Preis von 24,90€ sehr fair.