Donnerstag, 28. Januar 2016

Rezension Strafrecht: StGB

Fischer, Strafgesetzbuch, 63. Auflage, C.H. Beck 2016

Von RA, FA für Verkehrsrecht Sebastian Gutt, Helmstedt



Der Fischer ist DER Klassiker und Standardkommentar im Strafrecht schlechthin, und zwar in Ausbildung, Lehre und Praxis gleichermaßen. Nun liegt bereits die 63. Auflage vor. Selbstverständlich wurde die Neuauflage um die aktuelle Rechtsprechung und Literatur mit Stand September 2015 ergänzt. Im Vergleich zum Vorjahr traten einige Veränderungen in Kraft. Dies hatte zur Folge, dass sogar zwei Vorschriften neu hinzugekommen sind, nämlich § 89s und § 184e. Fischer verweist zudem auf wichtige bevorstehende Gesetzesänderungen, die vor allem die Tötungsdelikte betreffen werden. Den aktuellen Stand der Diskussion erläutert er vor § 211. Man gewinnt hier schnell einen Überblick.

Ansonsten ist aber weiter alles beim Alten geblieben, was auch gut so ist. Typisch für die Reihe „Beck'sche Kurz-Kommentare“ ist die kleine Schrift mit wenig Absätzen, um möglichst viel Inhalt darstellen zu können. Schlüsselwörter, zum Teil auch mehrere Worte, sind fett gedruckt, so dass sie sofort beim „Überfliegen“ ins Auge fallen. Insgesamt ist der Kommentar trotz der kleinen Schrift und den wenigen Absätzen aber übersichtlich gestaltet und das Lesen fällt keineswegs schwer. Die gesuchten Probleme lassen sich grundsätzlich leicht finden, vor allem examensrelevante Themen, wie z.B. die Abgrenzung von Raub und räuberischer Erpressung.

Für mich sind natürlich insbesondere die Straßenverkehrsdelikte von besonderer Bedeutung. Greift man anderswo bei Spezialproblemen zu den jeweiligen Rechtsgebieten auf weitere Fachliteratur zurück, ist dies beim Fischer gerade nicht erforderlich. Die praxisrelevanten Fragestellungen werden souverän erörtert und auf die einschlägige Rechtsprechung wird verwiesen. Dabei hat mir insbesondere die Darstellung des in der Praxis oftmals unterschätzten § 142 StGB gut gefallen. Ob nun die Frage, welcher Schaden bedeutend i.S.d. Vorschrift ist, über die Frage der Dauer der Wartefrist bis hin zur regelmäßig übersehenen Problematik, dass der Vorsatz sich auf einen nicht ganz unerheblichen Sachschaden beziehen muss - Antworten hierauf findet man in dem Werk. Man kann sagen, eine rechtlich fundierte Einlassung nur mit dem Fischer ist problemlos möglich. Während ich überwiegend im Verkehrsrecht mit Spezialliteratur arbeite, greife ich im Verkehrsstrafrecht immer zuerst auf diesen Kommentar zurück. Enttäuscht worden bin ich nie.

Alles in allem findet man in dem „Fischer“ eine aktuelle und zuverlässige Darstellung, mit der vom Student bis hin zum erfahrenen Strafverteidiger jeder erfolgreich arbeiten kann.

Da der Fischer  - wie bereits erwähnt – der Standardkommentar ist, empfiehlt es sich dringend, schon früh mit ihm zu arbeiten. Der Kommentar ist in vielen Bundesländern im zweiten Staatsexamen als Hilfsmittel während der Klausuren zugelassen. Spätestens dann muss der Umgang mit dem Kommentar gesichert sein.

Der Kommentar ist großartig und überzeugt in jeglicher Hinsicht. Dabei bleibt es. Er wird auch weiterhin unter den Kurz-Kommentaren das Maß aller Dinge bleiben und darf in keinem gut sortierten Bücherregal fehlen.