Freitag, 29. Januar 2016

Rezension Studium Generale: Wie das Gehirn Spitzenleistung bringt

Notebaert / Creutzfeldt, Wie das Gehirn Spitzenleistung bringt, 1. Auflage, Frankfurter Allgemeine Buch 2015

Von cand. jur. Marvin Jäschke, Göttingen



Mindfulness“ – oder auch zu Deutsch „Achtsamkeit“ – prägt als Begriff den zurzeit meist beforschten Bereich der Neurowissenschaften. Als Schlüssel zu mehr Gelassenheit, höherer geistiger Produktivität und mehr Stressresilienz steht Mindfulness für einen verheißungsvollen Weg zu mehr beruflichem und privatem Erfolg. Das 252-seitige Werk „Wie das Gehirn Spitzenleistungen erbringt“, verfasst von der Neurowissenschaftlerin Dr. Karolien Notebaert und dem Leistungs-Coach Peter Creutzfeldt, erschienen im Frankfurter Allgemeine Buch-Verlag 2015, versucht die neusten Erkenntnisse der Hirnforscher auch für das breite Leserspektrum begreiflich und – vor allem – auch nutzbar zu machen.

In begeisterter, gut verständlicher Sprache verfolgen die Autoren einen an diesen Anspruch des Werks angepassten Aufbau: In einem ersten Schritt wird das nötige Grundwissen über die neuronalen Funktionen des Gehirns auch dem Laien verständlich vermittelt; peu á peu präsentiert das Werk seinem Leser die verschiedenen (relevanten) Gehirnbereiche und Denkstrukturen; an kleinen Beispielen und interessanten Übungen erlernt der Leser die neuronalen Abläufe zu verstehen und sie für sich einzuordnen. Warum also manche Menschen Kritik als Chance, andere als Bedrohung begreifen; warum Kommunikation manchmal – unverschuldet – nicht funktionieren will; welche Denk- und Bewertungsmuster dahinter stecken; welche Prozesse unsere geistige Höchstleistung hemmen – über all diese Aspekte wird der Leser nach den ersten einhundert Seiten eine Antwort haben.

Dies zu erreichen verlangt vom Leser jedoch eine gewisse Disziplin, denn der erste Teil stellt sich – trotz der schönen Sprache und vieler eingeschobener Selbstexperimente – doch als schwer verdaulicher Theoriebrocken heraus, der möglicherweise abschreckend wirken könnte. Obgleich: erreicht man erst einmal das Ende des ersten Teils, so stellt man – vielleicht erleichtert – fest, dass jede Information doch dem eigenen Weg zur Mindfulness dienlich war, der sich sodann im zweiten, sehr gut strukturierten Teil– nun praktisch beleuchtet –fortsetzt. Hier wird unter Bereitstellung zahlloser neuer Übungen das Kernelement des Weges zur Mindfulness vermittelt, das – so viel sei verraten – in der, von religiösen oder esoterischen Ansetzen völlig losgelösten Meditation liegt und ohne die – üblicherweise assoziierten – Praktiken oder Hilfmittel auskommt. Wieder wird der Leser dabei schrittweise durch die Autoren, ihre Übungen und die daraus resultierende Selbsterfahrung an Neues herangeführt. Die vorgeschlagenen Übungen sind dabei leicht verständlich und ohne weitere Hilfsmittel für Jedermann durchführbar. Außerdem bietet das Werk Erfahrungen und Tipps bereits Praktizierender, etwa wie die Meditation in den Alltag eingebunden werden kann, ohne dabei den gewohnten Lebenstil verändern zu müssen.

Das Werk richtet sich an den interessierten Laien, der den Wunsch verspürt seinem Alltag mit mehr Konzentrationsvermögen und weniger Stress zu begegnen. Zwar bietet der informationslastige erste Teil einen schwierigen Einstieg, bereitet aber – am ariadschen Faden entlang – den Leser auf einen möglichen Weg zu seinem eigentlichen Ziel, nämlich dem Zustand der Mindfulness, vor. Als Schlüssel dient dafür die Meditation, die frei von Esoterik oder religöser Aufladung bleibt, und dem Leser im zweiten Teil mit praktischen Übungen und Erläuterungen näher gebracht wird.