Mittwoch, 20. Januar 2016

Rezension Zivilrecht: Das Zwangsversteigerungsverfahren

Lang / Kensbock, Das Zwangsversteigerungsverfahren, 1. Auflage, C. H. Beck 2015

Von Rechtsanwalt Florian Decker, Saarbrücken



Das Werk stellt ein Praxishandbuch dar und will eine Brücke zwischen Ratgebern und Fachliteratur schlagen. So ist es auch passend, dass mit Kensbock ein mit Schwerpunkt im Immobilienrecht tätiger Rechtsanwalt und mit Lang ein Wirtschaftsjurist und Immobilienkaufmann das Werk gemeinsam herausgeben. Das Werk ist nicht auf dogmatische Tiefe angelegt, sondern soll auf seinen etwa 190 Seiten die Zusammenhänge im Zwangsversteigerungsverfahren unter praxisbezogene Darstellung erläutern. Das Werk richtet sich zunächst Anbieter, Schuldner und Gläubigervertreter aber auch an andere interessierte Gruppen.

Das Werk hat insgesamt 14 Kapitel, die sich zunächst mit allgemein Wissenswertem und einer Beschreibung des gesamten Zwangsversteigerungsverfahrens, sodann aber auch konkret mit dem Ablauf eines Versteigerungstermins befassen. Sodann wird das Verfahren noch einmal aus Sicht des Schuldners, des beitreibenden Gläubigers sowie des Bieters aufbereitet dargestellt. Hier endet das Buch aber keineswegs sondern befasst sich sodann auch mit dem Erwerb aus einer Zwangsversteigerung für verschiedene Nutzungsarten. In einem eigenen Kapitel wird die Teilungsversteigerung besprochen. Kapitel elf enthält allgemeine Profitipps, Kapitel zwölf beherbergt einen Exkurs: Die bewohnte Immobilie. Das Buch schließt sodann mit einem Fachwortlexikon und einem eigenen Kapitel für Mustertexte sowie mit einem Stichwortverzeichnis. Diese Gliederung stellt in der Tat einen besonderen Ansatz für die Aufbereitung des Themas dar, der im Hinblick auf seine Praxistauglichkeit sehr begrüßenswert erscheint.

Das Werk insgesamt enthält seinem Zweck folgend nur wenige Quellenangaben, so dass anhand seiner keine juristisch tiefgreifende Aufarbeitung der jeweiligen Probleme durchzuführen ist und man für die Lösung konkreter Rechtsprobleme sicherlich anderweitige Literatur heranziehen muss. Wer allerdings nicht viel mit Zwangsversteigerungsverfahren zu tun hat und etwa als Schuldner oder Bieter nur einmalig in die Situation gerät hieran teilnehmen zu müssen oder als Gläubigervertreter ab und an einen Mandanten hierbei begleiten muss, dem wird das Werk den ganz praktischen Umgang mit einem solchen Verfahren erleichtern. So hat man zum Beispiel schon einmal das Schlagwort der „Zuschlagsgrenzen“ gehört, aufgrund nur sporadischer oder bisher überhaupt nicht erfolgter Befassung geht das Wissen aber nicht über das Schlagwort hinaus. Leider nicht über das Stichwortverzeichnis aber sehr wohl aber über das detaillierte Inhaltsverzeichnis findet sich rasch im ersten Kapitel das entsprechende Schlagwort und man gelangt zu den Ausführungen auf Seite 21 und 22 zu dem Thema. Dort lernt man in knappen klaren Sätzen, was es damit auf sich hat. Insbesondere erhält man sogleich die wesentliche aber wenig bekannte Information, dass die 5/10 Grenze vom Versteigerungsgericht von Amts wegen zu beachten ist, die 7/10 Grenze aber nur auf Antrag eines Berechtigten beachtet werden muss. Berechtigt ist nur der, der auch mehr als 7/10 vom Gesamtwert als Gläubiger zu bekommen hat. Es folgt eine Beispielsrechnung. Es wird auf die einschlägigen Paragraphen des Zwangsversteigerungsgesetzes (ZVG) verwiesen und der Abschnitt endet mit einem Praxistipp zu mögliche Umgehung der Zuschlagsgrenzen.

Der Schreibstil der Autoren ist gerade heraus und leicht verständlich. Das Werk ist aufgrund seines geringen Umfangs und der klaren Gliederung gut zu durchsuchen und damit auch für den in der Praxis erforderlichen schnellen Zugriff geeignet. Ob es bei 190 Seiten mit einem Preis von 49 EUR den einmaligen Bieter zu interessieren vermag oder dieser sich nicht eventuell zu einem günstigeren Ratgeber entschließt, mag einmal dahinstehen. Grundsätzlich stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis nach Auffassung des Rezensenten durchaus.