Sonntag, 21. Februar 2016

Rezension: Die 100 typischen Mandate im Erbrecht

Kraft / Mangold, Die 100 typischen Mandate im Erbrecht, 2. Auflage, Deubner 2015

Von Rechtsanwältin Marion Andrae, Saarbrücken



Nach der erfolgreichen Erstauflage im Jahre 2013 ist nach nunmehr zwei Jahren aus Anlass der im August 2015 in Kraft getretenen EU-Erbrechtsverordnung die Neuauflage des erbrechtlichen Praxisleitfadens erschienen.

Anders als der Titel vermuten lässt, ist das Werk kein reines Fallbuch, das sich nur auf die Darstellung von 100 erbrechtlichen Fallkonstellationen beschränkt. Das Werk bietet dem Leser tatsächlich weit mehr. Es richtet sich in erster Linie an Rechtsanwälte ohne Spezialisierung im Erbrecht. Die typischen, klassischen Erbrechtsmandate werden nach einer einheitlichen Systematik strukturiert und verständlich dargestellt, so dass der Leser auf Anhieb den relevanten Beratungsbedarf erkennen kann. Jedes Themengebiet wird mit einer kurzen Einführung zur materiellen Rechtslage eröffnet. Der Schwerpunkt der Darstellung liegt auf der konkreten Mandatssituation, die nach einem einheitlichen Schema gestaltet ist: Sachverhaltsdarstellung, Checklisten für eine effiziente Mandatsbearbeitung, die Lösung des Falles, Hinweise zum Verfahren und schließlich wichtige Korrespondenz- und Klagemuster zur direkten Umsetzung im konkreten Mandat. Das Werk ist klar strukturiert und verständlich geschrieben. Besonders gelungen ist die optische Aufbereitung der komplexen Materie, die ein zeitsparendes Arbeiten mit dem Buch ermöglicht. Drucktechnisch hervorgehobene Praxistipps, Hinweise zu Kosten/Gebühren, Steuern und Verfahren sowie Warnhinweise zu möglichen Beratungsfehlern und Haftungsfallen runden die Darstellung ab. Positiv zu vermerken ist, dass das Werk im Lieferumfang eine CD-ROM und einen Online-Service beinhaltet, so dass alle Schriftsatzmuster und Checklisten direkt bearbeitet und in die eigene Software implementiert werden können.

Im ersten Kapitel verdeutlicht der Autor die praktische Bedeutung des Erbrechts in der Rechtsberatung und das hohe Streitpotential, da in den nächsten Jahren beträchtliche Werte ver- bzw. geerbt werden und trotz der großen Anzahl von Streitigkeiten aus Anlass eines Erbfalles nur eine vergleichsweise geringe Prozentzahl der potentiellen Erblasser durch letztwillige Verfügungen vorgesorgt haben. Der Beratungsbedarf ist also groß, tendenziell steigend. Besonders hervorzuheben ist, dass der Autor in diesem Kapitel auch die psychologischen Aspekte bei der Mandatsbearbeitung darstellt. Daneben behandelt das Werk in den zwölf weiteren Kapiteln typische Fallkonstellationen bei gesetzlicher Erbfolge, die rechtssichere Testamentsgestaltung, die Auslegung und Anfechtung letztwilliger Verfügungen, das nachlassgerichtliche Verfahren, die Nachlasssicherung, Besonderheiten der Erbengemeinschaft, die Erbenhaftung, den Pflichtteilsanspruch, die richtige Prozessführung und Vollstreckung, Vorsorge- und Patientenverfügung, den Erbfall mit Auslandsbezug sowie das Erbschafts- und Schenkungssteuerrecht.

Das Werk ist von Praktikern für Praktiker geschrieben. Das Konzept ist gelungen und praxistauglich. Auch der nicht auf dem Gebiet des Erbrechts spezialisierte Rechtsanwalt bekommt mit diesem Praxisleitfaden ein Arbeitsmittel an die Hand, mit dem er erbrechtliche Mandate effizient und rechtssicher bearbeiten und auch abrechnen kann.