Mittwoch, 3. Februar 2016

Rezension: Einführung in die Mikroökonomik

Herdzina / Seiter, Einführung in die Mikroökonomik, 12. Auflage, Vahlen 2015

Von cand. iur. Andreas Seidel, Göttingen



Mit Sicherheit kann man nach mittlerweile zwölf Auflagen, die in den vergangenen Jahren seit 1989 erschienen sind, von einem Standardwerk der Mikroökonomik sprechen, das Prof. Dr. Klaus Herdzina begründet hat und seit der 11. Auflage in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Stephan Seiter fortführt. „Die Rezensenten“ sind jedoch ein Team, das aus Juristen besteht und somit stellt sich die Frage nach der Daseinsberechtigung dieser Rezension. Im Laufe der Zeit hat jedoch, insbesondere auf dem Gebiet des Wirtschaftsrechts, eine Annäherung an die Wirtschaftswissenschaften stattgefunden. Ein Praktiker muss die Nöte seiner Mandantschaft kennen und verstehen um ihm helfen zu können. So verwundert es auch nicht, dass immer mehr Juristen sich selbstständig diesen Fragen stellen. Zum Teil werden auch für die Zulassung zum ersten juristischen Staatsexamen ökonomische Grundkenntnisse vorausgesetzt (z.B. § 4 Abs. 1 Nr. 1e NJAG). Aus dem Bedürfnis, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und sich auch mit wirtschaftlichen Zusammenhängen zu befassen, kann es somit auch für einen Juristen notwendig oder zumindest hilfreich und allemal lehrreich sein, in ein ökonomisches Lehrbuch zu schauen. Genau aus dieser Warte, aus der Sicht eines ebenso fachfremden wie auch interessierten Juristen, ist der Herdzina/Seiter gelesen und rezensiert.

Bei der gesamten Darstellung fällt auf, dass im Allgemeinen auf eine verständliche Sprache geachtet wurde. So dürfte es in den Augen der meisten Juristen positiv zu bewerten sein, dass fast ausschließlich auf eine algebraische Darstellung verzichtet wurde. Vielfach wird rein deskriptiv oder in graphischer Form erläutert. Dadurch wird dem fachfremden Leser die Einführung in die neue und ohnehin schon reichlich komplizierte Materie der Mikroökonomik erleichtert. In diesem Zusammenhang wurde auf S. 249 auch ein Verzeichnis der verwendeten Symbole erstellt.

Das Buch ist gegliedert in sechs Teile, in denen zuerst die Grundlagen dargelegt werden (S. 1 ff.) und anschließend in die Nachfrage- und Angebotstheorie, einem Kernstück der Mikroökonomie eingeführt wird (S. 45 ff.). Anschließend werden diese beiden Theorien ausgeführt (zur Theorie der Nachfrage ab S. 74 und zur Theorie des Angebots ab S. 106). Abschließend werden auch die Theorie zum Marktgleichgewicht (S. 152 ff.) und zu den Marktprozessen (S. 219 bis 248) erklärt. Dabei werden im Einzelnen viele Themen kurz angerissen, ohne umfassend auf sie eingehen zu können. Insbesondere beschränkt sich die Darstellung nicht auf den Konsumgütermarkt, der in dieser Art von Lehrbüchern meist exemplarisch herausgegriffen wird. Ebenso finden auch die Besonderheiten des Arbeitsmarktes, der Sachkapitalmärkte, des Finanzkapital- und der Devisenmärkte Berücksichtigung (insb. in Teil 5). Somit wird dem Leser zwar nur ein grober aber dennoch ein weiter Überblick über die mikroökonomischen Fragestellungen geboten.

Die Autoren haben versucht, keine blinden Theorienstreite zu eröffnen oder sich in aller Tiefe mit der Kritik an bestimmten Theorien oder Herleitungen zu befassen. Vielmehr wurde es sich zum Ziel gesetzt, ein allgemein verständliches Lehrbuch zu schreiben. Dieses glänzt insbesondere durch seine einfache und prägnante Sprache. Besonders fachfremde Interessierte werden Prof. Herdzina und Prof. Seiter dankbar sein, dass nur dort, wo es unerlässlich war, auf die Algebra zurückgegriffen wurde. Zwar kann nicht der Anspruch gestellt werden, dass man nach dem Studium dieses Lehrbuchs ein umfassendes Verständnis über die Tiefen der Mikroökonomik hätte. Jedoch kann in jedem Fall attestiert werden, dass die Autoren ein Werk geschaffen bzw. neubearbeitet haben, dass ein Grundverständnis vermitteln kann. Somit eignet es sich hervorragend für ökonomisch interessierte Juristen, die über ihren Tellerrand hinausschauen wollen. Mit diesem Lehrbuch wird man merken, dass sich der Blick lohnt.