Dienstag, 8. März 2016

Rezension: Beck´sche Schmerzensgeldtabelle

Slizyk, Beck´sche Schmerzensgeldtabelle 2016, 12. Auflage, C.H. Beck 2016

Von RAin Marion Andrae, Saarbrücken



Die Beck´sche Schmerzensgeldtabelle erscheint mittlerweile in 12. Auflage und hat sich als Standardwerk etabliert. Auch die überarbeitete und aktualisierte Neuauflage, die Rechtsprechung und Literaturmeinungen bis Juli 2015 berücksichtigt, behält die Gliederung in zwei Hauptteile bei. Der erste Teil beinhaltet eine praxisorientierte Kommentierung des Schmerzensgeldrechts und Gegenstand des zweiten Teils ist eine umfangreiche Urteilssammlung, die eigentlich namensgebende Schmerzensgeldtabelle.

Der Kommentarteil, der 236 Seiten umfasst, vermittelt auch dem interessierten oder persönlich betroffenen Nichtjuristen in verständlicher Sprache die Funktion und Grundzüge des Schmerzensgeldrechts, die Bemessungskriterien des Schmerzensgeldes. Daneben werden besondere Verletzungsarten, wie z.B. Persönlichkeits- und Urheberrechtsverletzungen sowie besondere Ursachen, wie z.B. Mobbing erläutert. Der Leser erhält einen fundierten Überblick über das gesamte Schmerzensgeldrecht, bei dem selbst Verjährungsfragen und prozessuale Aspekte nicht zu kurz kommen. Das Werk bietet dem Leser mit seinem umfangreichen Kommentarteil damit weit mehr als der Titel vermuten lässt.

Die eigentliche Schmerzensgeldtabelle im zweiten Teil ist in drei Hauptkapitel unterteilt. Hauptkapitel A ist in bewährter Form „von Kopf bis Fuß“ in anatomischer Reihenfolge der Hauptverletzung gegliedert, was sehr übersichtlich ist und die praxisgerechte Arbeit mit dem Buch erleichtert. Innerhalb einer Verletzungsart erfolgt eine aufsteigende Staffelung nach der Höhe des zugesprochenen Schmerzensgeldbetrages. Jedes zitierte Urteil enthält optisch hervorgehobene Angaben zum ausgeurteilten Schmerzensgeld, zu einer etwaigen Mithaftung, einem immateriellen Vorbehaltes und einer Minderung der Erwerbsfähigkeit. Die wichtigsten Eckdaten der Entscheidung können somit auf einen Blick erfasst werden. Das Hauptkapitel B beinhaltet eine Auflistung häufig vorkommender und einfacherer Verletzungen. Hier ist stellvertretend das „HWS-Schleudertrauma“ zu nennen. Das Hauptkapitel C beleuchtet spezielle Verletzungsarten (z.B. Schockzustände, Persönlichkeitsrechtsverletzungen) und Verletzungsfolgen (z.B. bleibende Entstellung) sowie besondere Verletzungsursachen (z.B. Bissverletzungen). Neu aufgenommen im Hauptkapitel C sind Urteile zur Behandlungs- und Heilungsverzögerung.

Besonders hervorzuheben ist die im Preis von 99 Euro inbegriffene Urteilsdatenbank (sog. IMM-DAT), auf die der Nutzer mittels einer persönlichen Freischaltnummer zugreifen kann. Die elektronische Version der Schmerzensgeldtabelle enthält noch weit mehr Entscheidungen als die gedruckte Buchversion und bietet komfortable Recherchemöglichkeiten durch eine Vielzahl von Suchfunktionen und Verknüpfungsmöglichkeiten. Alle veröffentlichten Urteile können somit im Volltext aufgerufen und nachgelesen werden. Die Zugriffsmöglichkeit auf die Onlinedatenbank ist eine wertvolle und praktisch sinnvolle Ergänzung zu dem Buch. Schließlich enthält das Werk noch ein Glossar medizinischer Fachbegriffe.

Das Werk ist klar und übersichtlich strukturiert und geleitet den Nutzer schnell zu einer einschlägigen Entscheidung, die bei der konkreten Fallbearbeitung nützlich ist und eine sichere Orientierung bei der Schmerzensgeldbezifferung bietet. Durch die regelmäßigen Überarbeitungen ist das Werk stets aktuell. Der umfangreiche Kommentarteil vermittelt wichtiges Grundlagen- und Hintergrundwissen zum Schmerzensgeldrecht. Die Beck´sche Schmerzensgeldtabelle ist für alle Juristen und Nichtjuristen, die mit der Schmerzensgeldregulierung befasst sind, ein hervorragendes und effizientes Arbeitsmittel.