Donnerstag, 24. März 2016

Rezension: Bilanzrecht

Wiedmann / Böcking / Gros, Bilanzrecht. Kommentar zu den §§ 238 bis 342e HGB, 3. Auflage, C.H. Beck 2014

Von RA Sebastian Schechinger, LL.M., München



Das Bilanzrecht wird in der juristischen Ausbildung allerhöchstens kursorisch behandelt. So bleibt es für viele Juristen eine exotische Materie, welche zudem wie kaum ein anderes Rechtsgebiet mit wirtschaftswissenschaftlichen Gegenständen verbunden ist. Dem dritten Buch des Handelsgesetzbuches ist dieser Kommentar gewidmet und deckt somit nicht vollumfassend, wie der Kurz-Titel vermuten ließe „das Bilanzrecht“ ab, sondern eben das Recht der Bilanzierung nach dem HGB, wie sich aus dem Untertitel auch klar ergibt. Der Kommentar hat drei Herausgeber. Prof. Dr. Harald Wiedmann ist Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwalt und Steuerberater sowie Honorarprofessor an der TU Berlin. Dr. Hans-Joachim Böcking ist Professor an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Der dritte Herausgeber schließlich, Dr. Marius Gros ist Diplom-Kaufmann und Akademischer Rat an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Die Herausgeber werden von neun Bearbeitern unterstützt, welche allesamt einen wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund haben und sich sowohl auf dem Kreis der Praktiker wie auch der Wissenschaftlicher zusammensetzen.

Die vorliegende Auflage erfuhr eine vollständige Überarbeitung. Die wohl wesentlichste Rolle bei den verschiedenen, einzuarbeitenden rechtlichen Änderungen spielte hierbei das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG), mit welchem eine Deregulierung und Kostensenkung, insbesondere im Hinblick auf den Mittelstand erzielt werden soll. Außerdem zielt der Gesetzgeber auf eine Verbesserung der Aussagekraft der HGB-Abschlüsse, wodurch sich eine gewisse Annährung an die IFRS-Regeln ergibt, wenngleich die HGB-Grundsätze im Kern erhalten bleiben sollen. Während in der Vorauflage noch eine gesonderte Darstellung der IFRS- und US-GAAP Standards erfolgte, wurde, aufgrund der umfangreichen Umwälzungen durch das BilMoG, in dieser Auflage hierauf verzichtet.

Gedacht ist der der Kurzkommentar für Rechtsanwälte, Unternehmen, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Richter aber auch für Hochschulen und deren Studierende. Die Autoren haben sich, wie sie im Vorwort darlegen, zum Ziel gesetzt dem juristisch vorgebildeten Praktiker den Einstieg in das Bilanzrecht zu erleichtern, weiteren Praktikern aber auch Studierenden aller Fachrichtungen eine gut lesbare Einführung in die Rechnungslegung zu geben sowie für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer eine rasche, zuverlässige erste Information zu bieten.

Entsprechend dem Aufbau des dritten Buchs des HGB, werden in der Kommentierung zu dem ersten Abschnitt die Grundlagen gelegt, und die für alle Kaufleute geltenden Vorschriften kommentiert. In den folgenden Abschnitten erscheinen dann die spezielleren Vorschriften. Abschnitt zwei behandelt die Bilanzierung bei Kapitalgesellschaften und besonderen Personengesellschaften. Eingetragene Genossenschaften sind Gegenstand des dritten Abschnitts. Es folgen besondere Bilanzierungsregeln für Kreditinstitute, Finanzdienstleistungsinstitute sowie Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds. Die letzten beiden Abschnitte des dritten HGB-Buches behandeln das private Rechnungslegungsgremium und den Rechnungslegungsbeitrat und schließlich die Prüfstelle für Rechnungslegung. Das Hardcover-Buch hat einen Umfang von annährend 1.000 Seiten. Wie bei Kommentaren üblich, erfolgt eine Unterteilung des Fließtexts in Randnummern; Fußnotenapparate erlauben weitere Recherchen. Fett im Text hervorgehobene Schlagworte erleichtern das Auffinden gesuchter Gegenstände und die Orientierung. Das Sachverzeichnis ist umfassend.

Das Werk behandelt in prägnanter Weise die Regelungen des HGB-Bilanzrechts und eignet sich aufgrund seiner Gattung als Kurzkommentar vor allem für denjenigen, welche bereits über ein Grundwissen verfügen und konkrete Fragen zielgerichtet nachschlagen wollen. Wer beruflich mit Bilanzierung zu tun hat oder als Studierender bestimmte Gegenstände vertieft nachlesen möchte, ist mit dem Werk für 129 Euro daher gut beraten.