Dienstag, 22. März 2016

Rezension: Der Versicherungsprozess

Veith / Gräfe / Gebert (Hrsg.), Der Versicherungsprozess, 3. Auflage, Nomos 2016

Von RA, FA für Verkehrsrecht Sebastian Gutt



Das hier zu besprechende Handbuch zum Versicherungsprozess hat sich zum Ziel gesetzt, dem Anwender eine praxisnahe Hilfe bei der Lösung komplexer versicherungsrechtlicher Aufgabenstellungen zu sein, wie die Herausgeber im Vorwort formulieren. Dabei werden die Versicherungssparten nach einer typischen Anspruchsprüfung erläutert. Auf diese Weise, so erhoffen sich die Herausgeber, soll der Praktiker bei den von ihm zu bearbeitenden Sachverhalten die Schlüssigkeit eines Versicherungsanspruchs und die Erheblichkeit der Einwendung des Versicherers ohne weiteres erkennen können.

Gegenüber der Vorauflage war der Anspruch, die Praxisausrichtung zu vertiefen, was etwa durch neue Formulierungsvorschläge in sämtlichen Bereichen geschah. Ergänzt wurden neue Urteile und die einzelnen Kapitel neu justiert. Gebert ist in dieser Auflage neue Mitherausgeberin geworden. Zudem gab es bei der Autorenbesetzung weitere Neuerungen. Das Autorenteam selbst setzt sich nahtlos aus Praktikern, vornehmlich Rechtsanwälten, zusammen.

Unterteilt ist das Buch in insgesamt fünf große Kapitel. Im Abschnitt A werden prozessrechtliche Besonderheiten der versicherungsrechtlichen Klage besprochen. Hier geht es um klassische Fragen der Zulässigkeit und Begründetheit der Klage bis hin zur Finanzierung der Klage. Abschnitt B befasst sich mit den Sachversicherungen, also beispielsweise der Hausratsversicherung (§ 5).

Die jeweiligen Versicherungssparten werden dann wie im Vorwort angekündigt gegliedert. Nach der Darstellung von Grundlagen, wird die Begründetheit der Klage aus Sicht des Versicherungsnehmers dargestellt, im Anschluss geht es um die typischen und zu erwartenden Einwendungen des Versicherers. Mir hat dieser Aufbau gut gefallen. Ich finde ihn so schön übersichtlich, da ich mich von Beginn an auf meine Position konzentrieren kann, je nachdem, ob ich Versicherungsnehmer oder Versicherer vertrete. Die Einzelheiten werden dann teilweise im Fließtext und teilweise stichpunktartig erläutert. Besprochen werden auch die Auswirkungen von Obliegenheitsverletzungen, und zwar jeweils mit Verweis auf einzelne hierzu ergangene Urteile. Ebenfalls gut gefällt mir, dass zur Veranschaulichung Fälle gebildet werden, die die ganzen Ausführungen nicht so abstrakt wirken lassen, sondern sie mit Leben füllen.

Im Abschnitt C geht es dann um die Personenversicherungen (z.B. Unfallversicherung), wo auf die gleiche Art und Weise die wichtigsten Einzelheiten besprochen werden. Abschnitt D beschäftigt sich mit den Haftpflichtversicherungen, also auch der Kfz-Kasko- und Haftpflichtversicherung. Schließlich werden im Abschnitt E Mischformen dargestellt, z.B. die D&O-Versicherung oder die Kreditversicherung.

Insgesamt hat mir das Handbuch gut gefallen, was insbesondere auch auf die Darstellungsweise zurückzuführen ist. Die im Vorwort erwähnten Formulierungsbeispiele habe ich allerdings nicht in dem von mir erhofften Umfang gefunden. Im Ergebnis erachte ich das jedoch nicht als schlimm, da es sich um ein Handbuch und damit gerade nicht um ein Formularbuch handelt. Das Handbuch kann problemlos empfohlen werden.