Freitag, 4. März 2016

Rezension: Schmerzensgeld

Jaeger / Luckey, Schmerzensgeld, 8. Auflage, Luchterhand 2016

Von RA, FA für Verkehrsrecht Sebastian Gutt



Das vorliegende Kompendium der beiden Herausgeber, ehemalige (Jaeger) und aktuelle Richter (Luckey) am OLG, bietet einen hervorragenden Einblick in die facettenreiche und schwer zu durchschauende Materie des Schmerzensgeldes. Bereits in der 8. Auflage erscheint das Werk nun, was unschwer erkennen lässt, dass es sich in der Praxis etabliert hat.

Was ist neu? Selbstverständlich wurde der von den Herausgebern als „Kommentarteil“ bezeichnete Teil um aktuelle Rechtsprechung und Literatur ergänzt. Die kürzlich ergangenen und wichtigen Entscheidungen z.B. zur Zurechnung psychisch bedingter Schäden durch Miterleben der Unfallsituation oder der überbrachten Nachricht des Todes wurden berücksichtigt. Die Herausgeber sprechen hier im Vorwort von „Meilensteinentscheidungen“. Eingearbeitet und vervollständigt wurden auch Ausführungen zum Schockschaden, wieder aktuell geworden durch den Absturz der „Germanwings -Maschine“ im vergangenen Jahr.

Imposant ist das Werk, und das nicht nur wegen des Umfangs von über 1.200 Seiten. Denn man darf sich nicht von dem Titel irritieren lassen. Das Buch kann „mehr“ als das Schmerzensgeld zu erläutern. Es geht darüber hinaus. Es besteht aus drei großen Teilen:

Im ersten Teil, dem „Kommentarteil“, werden von den Herausgebern nicht nur die Grundsätze zum Schmerzensgeld dargestellt. Begonnen wird mit der Erläuterung der unterschiedlichen Haftungstatbestände. Erst dann werden die Grundsätze zur Bemessung des Schmerzensgeldes erläutert, etwa bei Bagatellverletzungen, zur Frage der Übertragbarkeit, Verzinsung und Verjährung. Gut gefällt mir dabei, dass die Herausgeber außerordentlich geschädigtenfreundlich schreiben, ohne aber einseitig zu werden. Gleichwohl gibt es auf dem Markt wenige Werke zum Personenschaden, die tatsächlich auch die Position des Geschädigten in der Schadenregulierung näher beleuchten. Hier wird dies gemacht. Ein klarer Pluspunkt für mich.

Selbstverständlich darf im Kommentarteil auch nicht ein eigenes Kapitel zum HWS-Syndrom fehlen (Teil 1, S. 190 ff.). Auch hier gilt, dass erfreulicherweise sämtliche Aspekte dieser umstrittenen Verletzungsart beleuchtet werden. Auch auf die aktuelle Diskussion um die Berücksichtigung von Arztberichten zum Nachweis der HWS-Verletzung im Rahmen des § 286 ZPO wird dargestellt.

Was mir auch sehr gut gefallen hat, ist, dass der Kommentarteil abgerundet wird durch viele Hinweise und sehr gute Textbausteine. Einige von diesen habe ich sogleich in meine eigenen Muster integriert.

Der zweite große Teil erhält eine Schmerzensgeldtabelle, alphabetisch geordnet. Hier werden die Fundstellen und die Höhe des Schmerzensgeldes in der Überschrift im Fettdruck wiedergegeben. Sodann erfolgt eine kurze Zusammenfassung des Sachverhaltes, zum Teil mit Anmerkungen der Herausgeber zum Hintergrund.

Der dritte Teil schließlich enthält ein medizinisches Lexikon. Wer viel mit Arztberichten in der Praxis zu tun hat, weiß, was ein solches Lexikon wert ist, wenn man nicht gleich „Wikipedia“ bemühen will.

Ein sehr gutes und für die Praxis hervorragendes Werk erhält der Leser hier. Wirklich außerordentlich gut ist die Kombination aus Schmerzensgeldtabelle und Kommentarteil. Dies sucht in der Literatur zweifelsfrei seinesgleichen. Ich habe mir das Buch erstmalig angeschafft, aber nach Arbeit mit ihm sicher nicht letztmalig.