Mittwoch, 2. März 2016

Rezension: Verkehrsrecht

Roth, Verkehrsrecht, 4. Auflage, Nomos 2016

Von RAG Dr. Benjamin Krenberger, Landstuhl



Das Formularbuch zum Verkehrsrecht, das von Roth im Nomos-Verlag herausgegeben wird, gehört schon seit Jahren zur festen Ausstattung von verkehrsrechtlichen Praktikern. Die Anzahl der Arbeitshilfen in Form von Formularbüchern ist ohnehin überschaubar, aber die Gesamtkomposition gerade dieses Buches, bestehend aus erläuternden Passagen und voll ausformulierten Mustern, ist für die Anwendung im Rechtsalltag einfach stimmig. Hinzu kommt eine sehr ausgewogene Themenauswahl, die die gesamte Bandbreite der Materie Verkehrsrecht gut abbildet. Das beinhaltet dann nicht nur die klassischen Bereiche der Unfallregulierung, des Versicherungsrechts, des Strafrechts, der Verwaltungsrechts und der Ordnungswidrigkeiten, sondern eben auch Erläuterungen zum Arbeits- und Sozialrecht, zu Autokauf und Leasing, aber auch zur Tätigkeit des Sachverständigen: für die Unfallrekonstruktion, für strafrechtliche Vorwürfe oder bezüglich der Verletzungsbewertung. Ergänzt und eingeleitet werden die genannten Kapitel durch wertvolle Hinweise zur Führung des verkehrsrechtlichen Mandats. Die Formulare sind auf einer CD-ROM enthalten, sodass man ausgesuchte Formulare direkt in die eigene Mandatsbearbeitung übernehmen und modifizieren kann.

Formal fällt auf, dass die einzelnen Autoren eine bemerkenswerte Liebe zum Detail entwickelt haben und so den Leser in idealer Weise auf die Notwendigkeit des genauen und umfassenden Vortrags hinweisen. Exemplarisch kann man dies erkennen bei der Geltendmachung von Ansprüchen zur Verteuerung der Ernährung der Familie nach einem Verkehrsunfall bei Wegfall der Eigenversorgung mangels körperlicher Möglichkeit (S. 399/400 innerhalb des Formulars zu Mehrbedürfnissen), bei der Abwehr der Behauptung des vorgetäuschten Fahrzeugdiebstahls (S. 625 ff.) oder auch beim Gnadengesuch (S. 942-944). Neben den ohnehin souverän abgedeckten „großen“ Themen des Verkehrsrechts wie etwa der Darstellung des Anscheinsbeweises (S. 148 ff.), dem Entzug der Fahrerlaubnis nach Drogenkonsum im Verwaltungswege (S. 1304 ff.) oder der gutachterlichen Bewertung von HWS-Verletzungen (S. 1560 ff.) kommen diese Einzelheiten erfreulich gut zur Geltung und runden den Eindruck, dass ein ohnehin umfassendes Rechtsgebiet zur Gänze abgedeckt wird, vorzüglich ab.

Einziger Kritikpunkt ist meiner Einschätzung nach, dass der für ein Formularbuch opulente Fußnotenapparat in einigen Kapiteln doch einmal gelüftet und durch aktuelle Fundstellen ergänzt werden sollte. Die Benennung einzelner auffälliger Kapitel oder Passagen würde dem Gesamtbild des Werks dabei Unrecht tun, aber als Ziel für die Folgeauflage sollte es vielleicht im Hinterkopf behalten werden.

Für mich war die Lektüre des Werks jedenfalls ein großer Erkenntnisgewinn, da man als Richter natürlich auch verstehen muss, warum und wie bestimmte Ansprüche eingeklagt werden, was dabei alles an außergerichtlicher Vorarbeit zu leisten war und welche Einwendungen typischerweise dagegen erhoben werden. Umso mehr ist das Buch deshalb in der Praxis denjenigen zu empfehlen, die für den Mandanten im Verkehrsrecht direkt einzustehen haben. Aus meiner Sicht kann man deshalb eine gelungene Neuauflage attestieren und das Werk als anspruchsvollen Maßstab für Konkurrenzwerke bezeichnen.