Freitag, 15. April 2016

Rezension: RVG


Gerold / Schmidt, Rechtsanwaltsvergütungsgesetz Kommentar, 22. Auflage, C.H. Beck 2015

Von Rechtsanwalt Malte Schneider, Helmstedt



Es gibt wohl kaum eine gerichtliche Entscheidung, welche sich mit dem Vergütungsanspruch von Rechtsanwälten befasst und dabei ohne eine Fundstellenzitierung aus dem „Gerold / Schmidt“ auskommt. Bei dem Werk handelt es sich unbestritten um den Standardkommentar zum Rechtsanwaltsvergütungsgesetz. Nahezu alle Anwaltskanzleien und/oder Richter- und Rechtspfleger an den Gerichten sollten ein Exemplar des Kommentars von Gerold / Schmidt besitzen.

Die Autoren Müller-Rabe, Mayer und Burhoff wagen auch in der 22. Auflage des Klassikers keine Experimente, indem sie Altbewährtes auf den aktuellen Rechtsprechungsstand bringen und Gesetzesänderungen einpflegen. Neu ist in der 22. Auflage ein viel gewünschter Anhang zur Kostenerstattung und Kostenfestsetzung.

Das Werk enthält eine umfassende Darstellung der aktuellen rechtlichen Gegebenheiten und ist -dem selbstständig tätigen Rechtsanwalt oder auch der/dem mit der Abrechnung betrauten Rechtsanwaltsfachangestellten- ein hilfreicher Leitfaden in der Praxis um keine Gebühren zu übersehen und damit buchstäblich „Geld zu verschenken“.

Das Werk selbst gliedert sich in vier Teile. Inhaltlich orientiert es sich in begrüßenswerter Weise an den Paragraphen des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes, so dass die gesuchte Norm schnell gefunden wird, ohne das Inhaltsverzeichnis bemühen zu müssen. Der Kommentar beginnt bei den allgemeinen Vorschriften (§ 1 RVG) und führt über den lesenswerten Teil des Kommentars des Vergütungsverzeichnisses (VV) zu den Besonderheiten der Vergütung des Arbeitsgerichtsverfahrens.

Dabei werden nicht nur selten beanspruchte Normen überzeugend aufbereitet, sondern auch die „klassischen Streitfallkonstellationen“ wie etwa die korrekte Abrechnung der Beratungshilfe dargestellt. Es werden auch für den Praktiker Gestaltungsspielräume bei der Geschäfts- und Verfahrensgebühr aufgezeigt und lehrreich dargestellt sowie Argumentationshilfen gegenüber dem Rechtspfleger oder auch dem eigenen Mandanten an die Hand gegeben. Überzeugend sind -nach Meinung des Rezensenten- auch die kleinen Abrechnungsbeispiele für bestimmte Fallkonstellationen nebst Gegenüberstellung zu anderen möglichen Abrechnungsvarianten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dem Werk der Spagat zwischen wissenschaftlichem Anspruch und praktischem Nutzwert hervorragend gelingt. Die erfahrenen Fachautoren haben mit dem vorliegenden, den aktuellen Stand der Rechtsprechung wiedergebenden, Praxishandbuch ein hervorragendes Werkzeug für die tägliche Arbeit für alle diejenigen, die mit anwaltsvergütungsrechtlichen Fragen konfrontiert werden, geschaffen. Der Praktiker erhält ein logisch strukturiertes Werk mit einer Vielzahl von Argumentationshilfen, welches in der täglichen Arbeit wertvolle Dienste leistet und im Ergebnis keinerlei Wünsche und Fragen offen lässt.

Für den selbstständig tätigen Rechtsanwalt führt kein Weg an diesem Werk vorbei und sollte zwingend zur Grundausstattung der eigenen Bibliothek gehören. Den Kaufpreis in Höhe von 125 € hat das Werk sicherlich bereits nach kurzer Nutzungsdauer wieder „reingeholt“. Nach meiner Auffassung ist das Werk eine absolute Kaufempfehlung.