Samstag, 14. Mai 2016

Rezension: Das Recht der elterlichen Sorge

Zorn, Das Recht der elterlichen Sorge, 3. Auflage, De Gruyter 2016

Von RAG Dr. Benjamin Krenberger, Landstuhl



Acht Jahre nach der Vorauflage erscheint das Lehrbuch von Dagmar Zorn zur elterlichen Sorge nunmehr in aktualisierter dritter Auflage. Dank angenehm dicker Seiten macht das Buch bei etwas mehr als 350 Seiten einen guten handlichen Eindruck. Während andere Lehr- bzw. Handbücher sich dem Sorge- und Umgangsrecht oftmals parallel widmen, wird in diesem Buch „nur“ das Sorgerecht behandelt.

Inhaltlich wird zunächst ein großer Abschnitt der Elternschaft und der Abstammung gewidmet. Die Herleitung der Grundlagen für das Sorgerecht bietet dem Leser eine gute Basis, um sich mit zahlreichen Details auseinander zu setzen. Dazu gehören die Abgrenzung von Vaterschaft und Mutterschaft, mögliche Einwendungen hiergegen, die Entwicklung dieser Rechtsfiguren im Zusammenspiel mit moderner Fortpflanzungsmedizin oder auch die Friktionen, die sich aus Entscheidungen des Gesetzgebers ergeben haben bzw. ergeben können. In vielen Punkten ist eine bemerkenswerte Genauigkeit hinsichtlich denkbarer Problemkonstellationen zu verzeichnen (z.B. erforderliche Zustimmung des Kindes bei Anerkennung der Vaterschaft, weil der Mutter nach § 1666 BGB die elterliche Sorge entzogen wurde), während an anderer Stelle der Praktiker gerne die eine oder andere ergänzende Ausführung hätte (z.B. bei der Kostenentscheidung nach Vaterschaftsanfechtungsverfahren, wo lapidar auf § 183 FamFG verwiesen wird). Die Gegenüberstellung von altem und neuem Recht gelingt gut, auch die Checklisten sind ein guter Service für den Leser.

In ähnlichem Umfang wird sodann die elterliche Sorge an sich vorgestellt, wobei die Begründung der gemeinsamen elterlichen Sorge in verschiedenen Varianten und dazu recht umfangreich abgebildet wird. Auch hier hätten die praktisch wichtigen Ausführungen zur Errichtung der Alleinsorge durch gerichtliche Entscheidung gerne opulenter als die hier angebotenen neun Buchseiten ausfallen dürfen, etwa was die Notwendigkeit einer Begutachtung angeht. Auch das Thema der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge hätte ich im Rahmen des Ruhens der elterlichen Sorge gerne in mehr als einem Halbsatz (S. 143) aufbereitet gesehen.

Das letzte Kapitel thematisiert dann Inhalt und Schranken der elterlichen Sorge auf fast 200 Seiten und stellt den klaren Schwerpunkt des Buches dar. Gelungen sind dabei gerade die Ausführungen zu den grenzwertigen zu treffenden Entscheidungen, etwa der freiheitsentziehenden Unterbringung (S. 194 ff.) oder dem nur zurückhaltend vorzunehmenden staatlichen Eingriff in die Personensorge (S. 217 ff.).

Das Buch bietet viel, gerade was die theoretische Untermauerung des Rechtsgebiets angeht. Die Verzahnung mit der gerichtlichen Praxis ist mir persönlich zu wenig plastisch geraten, hier bestünde Ergänzungsbedarf. Generell empfand ich das Buch als recht schwergängig, trotz der guten Checklisten und Schaubilder, weil die textlastigen dichten Seiten in Verbindung mit der etwas spröden Art der Darstellung nicht gerade zum Verschlingen des Buches animieren. Das mindert die inhaltliche Qualität keineswegs, aber es macht die Lektüre mitunter mühsam.