Sonntag, 8. Mai 2016

Rezension: Europarecht

Herrmann, Examens-Repetitorium Europarecht, 5. Auflage, C.F. Müller 2015

Von Stud. iur. Patricia Popp, LL.B., Wiesbaden



Das Europarecht gewinnt seit Jahren an Relevanz in der juristischen Welt. Nicht verwunderlich also, dass sich in den juristischen Staatsexamina immer häufiger europarechtliche Schwerpunkte finden. Diese Schwerpunkte gehen zuweilen auch über die Waren- oder Personenverkehrsfreiheit hinaus, die unter Umständen noch mit Hilfe der mehr oder weniger bekannten Dassonville-Formel in den Griff zu bekommen sein mögen. Im Europarecht sollte der Examenskandidat daher nicht „auf Lücke setzen“. Die Umsetzung zahlreicher EU-Richtlinien, der Abschluss EU-rechtlicher Verträge oder die Stellung der einzelnen EU-Organe sind hier nur einige Beispiele, die bei europarechtlichen Problemstellungen eine Rolle spielen können.

Um entsprechende Problemstellungen zu erfassen und zu verstehen, lohnt es sich durchaus, einen Blick in das Examens-Repetitorium Europarecht von Christoph Herrmann zu werfen. Das Werk kommt handlich und kompakt daher und umfasst knapp 100 Seiten. Inhaltlich ist die Materie in sechs Teile aufgegliedert: Teil 1 befasst sich zunächst mit den völker- und europarechtlichen Bezügen in Verfahren vor den deutschen Fachgerichten. In Teil 2 geht es anschließend um die Verfahren vor dem Gerichtshof der Europäischen Union. Teil 3 beinhaltet europa- und völkerrechtliche Bezüge in Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht. Und Teil 4 behandelt schließlich die Verfahren vor dem EGMR und Grundzüge der Europäischen Menschenrechtskonvention. Dieser Aufbau ist geschickt gewählt, da auf diese Weise die Unterschiede zwischen den Verfahrensarten vor den unterschiedlichen Institutionen besonders deutlich werden.

Abgerundet werden die Darstellungen mit den Teilen 5 und 6, die zum einen zahlreiche Übungsfragen beinhalten aber auch eine Liste mit ausgewählten aktuellen Übungsklausuren aus Ausbildungszeitschriften wie JuS, JA oder JURA. Dies gibt dem Leser die Möglichkeit nach der Lektüre des Examens-Repetitoriums Europarecht das Erlernte direkt am konkreten Fall zu erproben.

Die einzelnen Teile sind verständlich und prägnant geschrieben. Vorangestellt sind jeweils kurze Einführungsfälle, auf die im weiteren Verlauf der Darstellungen immer wieder Bezug genommen wird. Dies hilft bei der Einordnung der theoretischen Materie, vor allem weil manche der Fälle auf originalen Entscheidungen beruhen. Auch lassen sich im Fließtext immer wieder Kästen finden, die mit Exkurs überschrieben sind. Hier werden weitergehende Thematiken angesprochen, die ebenfalls zum Verständnis beitragen. Besonders wichtige Begriffe wie etwa Inländerdiskriminierung oder Kompetenzverteilungsprinzip sind zudem fett gedruckt. Dies erleichtert es dem Leser sich die zunächst schwierig erscheinenden Begriffe besser einzuprägen.

Abschließend lässt sich somit feststellen, dass das Examens-Repetitorium Europarecht gerade aufgrund seines schmalen Umfangs besonders empfehlenswert ist. Es liest sich leicht und beinhaltet trotzdem einen guten Überblick über die wichtigsten europarechtlichen Schwerpunkte. Die kurzen Fälle tragen zum Verständnis bei und zusätzlich sind die Übungsfragen äußerst hilfreich, um den eigenen Lernerfolg zu überprüfen. Deshalb sind Examenskandidatinnen mit dem Examens-Repetitorium Europarecht für die öffentlich-rechtliche Klausur optimal aufgestellt und für jede europarechtliche Zusatzfrage gewappnet.