Mittwoch, 25. Mai 2016

Rezension: Strafprozessordnung

Meyer-Goßner / Schmitt; Strafprozessordnung, Kommentar, 59. Auflage, C.H. Beck 2016

Von ref. iur. Antonia Otto, Hamburg



Bei dem Meyer-Goßner/Schmitt handelt es sich um ein Standardwerk, wenn es um die Anwendung der Strafprozessordnung geht. Daher findet man das Werk nicht nur auf jedem Schreibtisch eines Strafrichters oder Strafverteidigers, sondern es sollte sich auch im Besitz eines jeden Referendars befinden, sei es für die Sitzungsvertretung während der Strafstation oder für die Vorbereitung und in den Prüfungen des Assessorexamens.

Der Handkommentar ist bereits in der 59. Auflage erschienen und nunmehr hinsichtlich Gesetzgebung, Rechtsprechung und Literatur auf dem Stand vom 1. März 2016. Die Neuauflage berücksichtigt ausweislich des Vorworts insgesamt allein elf Änderungsgesetze wie beispielsweise das Gesetz betreffend die Vorbereitung von schweren staatsgefährdenden Gewalttaten, das Gesetz zur Stärkung des Rechts des Angeklagten auf Vertretung in der Berufungsverhandlung mit grundlegender Neufassung des § 329 StPO und der revisionsrechtlichen Anpassung des § 340 StPO oder das Gesetz zur Bekämpfung der Korruption mit Änderung der §§ 100a und 100c StPO. Im Übrigen sei erwähnt, dass durch ein Gesetz vom 17.7.2015 nun auch den Paragraphen der StPO amtliche Überschriften beigefügt wurden. Dem Nutzer einer Loseblattsammlung wird dies bereits beim Einsortieren der letzten Ergänzungslieferung aufgefallen sein.

In formaler Hinsicht hält der Meyer-Goßner/Schmitt an seinem bewährten Konzept fest.  Fett gedruckte Stichworte und ein Stichwortverzeichnis helfen beim schnellen Auffinden einer gesuchten Kommentierung. Zahlreiche weiterführende Hinweise auf Rechtsprechung und Literatur geben dem Leser die Möglichkeit zur vertieften Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema. Dabei sind stets sowohl die Jahreszahl der Fundstelle als auch die Tatsache, dass es sich um eine andere Meinung („aM“) handelt, fett gedruckt. Dies ermöglicht es, das vorhandene Meinungsspektrum bereits auf den ersten Blick zu erfassen.

Auch inhaltlich bietet der Meyer-Goßner/Schmitt wie gewohnt eine zuverlässige Hilfestellung bei allen Fragen des Strafprozessrechts. Alle einschlägigen Entscheidungen der deutschen und europäischen Gerichte sind erfasst und werden systematisch mit der hierzu bedeutsamen und praxisrelevanten Literatur in Zusammenhang gebracht. Durch seine jährlichen Neuerscheinungen ist das Werk dabei stets auf dem neuesten Stand.

Zusammenfassend lässt sich daher sagen, dass der Meyer-Goßner/Schmitt auch in diesem Jahr den Anforderungen an einen führenden Standardkommentar mehr als gerecht wird. Vor allem Referendaren soll dabei die vertiefte Auseinandersetzung mit diesem Werk besonders ans Herz gelegt werden. Der geübte Umgang ermöglicht es, in Klausuren die unzähligen Streitstände rund um die StPO ohne mühsames Auswendiglernen in den Griff zu bekommen. Gerade die Ausführungen zur Revision am Ende der jeweiligen Kommentierung eines Paragraphen lösen eine Revisionsklausur im Assessorexamen (fast) von selbst. Trotz der begrenzten finanziellen Leistungsfähigkeit eines Referendars wird sich die Investition von 89€ in die insgesamt 2492 Seiten daher auf jeden Fall lohnen.