Samstag, 11. Juni 2016

Rezension: AktG

Hüffer / Koch, Aktiengesetz – Kommentar, 12. Auflage, C.H. Beck 2016

Von Rechtsreferendar am Hanseatischen Oberlandesgericht Christian F. Bock, Hamburg



Zahlreiche Werke stellen das Aktienrecht dar, allerdings beschränken sich nur wenige Gesamtkommentierungen des Aktiengesetzes wie der „Klassiker“ Hüffer/Koch auf einen derart geringen Umfang. Maßgeblich dafür ist der Adressatenkreis der nunmehr erschienenen 12. Auflage, der sich an Vorstände, Aufsichtsräte, Juristen aus der Unternehmenspraxis, Richter, Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer sowie noch in Ausbildung befindliche Studierende und Rechtsreferendare mit wirtschaftlichem Schwerpunkt wendet. Trotz des hervorgehobenen Adressatenkreises der Praktiker, dem die Kommentierung durch die zahlreiche Zitation von – auch instanzgerichtlichen – Gerichtsentscheidungen Rechnung trägt, behält die Kommentierung aufgrund der zahlreichen literarischen Nachweise einen hohen wissenschaftlichen Charakter. Dass die Gerichtsentscheidungen entgegen dem neueren Trend ohne Aktenzeichen benannt werden, schadet wegen der verknappten Darstellung in einem Kurzkommentar nicht.

Die Neuauflage berücksichtigt u.a. das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst vom 24.04.2015 (BGBl. I 2015, S. 642 ff.), das Gesetz zur Modernisierung der Finanzaufsicht über Versicherungen vom 01.04.2015 (BGBl. I 2015, S. 434 ff.) sowie das Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (BilRUG) vom 17.07.2015 (BGBl. I 2015, S. 1245 ff.). Ferner nimmt die 12. Auflage auf das Gesetz zur Änderung des Aktiengesetzes (Aktienrechtsnovelle 2016) vom 22.12.2015 (BGBl. I 2015, 2565 ff.) Bedacht und pflegt zahlreiche jüngere Entscheidungen wie auch Veröffentlichungen in die bestehende Kommentierung ein und bringt den Kommentar dadurch auf den Stand von Dezember 2015.

Die aufgrund der legislativen Änderungen notwendigen Neukommentierungen fallen ausführlich aus (vgl. beispielsweise § 76 Rn. 66 ff., § 96 Rn. 13 ff.). Gegenüber der Geschlechterquote äußert sich der federführende Autor rechtspolitisch kritisch und attestiert dem Gesetz gerade aus handwerklicher Sicht eine Ambivalenz. Die umfangreiche jüngere Literatur wird umfassend nachgewiesen. Dort wo nicht der Gesetzgeber sondern die Rechtsprechung zu neuen Entwicklungen geführt hat, wird die Entwicklung nachgezeichnet und die aktuelle Rechtslage dargestellt. Auch neuere obergerichtlich ungeklärte Phänomene wie die im angelsächsischen Rechtsraum verbreiteten rechtsgeschäftlichen Vorstandsbindungen, die in Konflikt zur Leitungsautonomie treten können, bereitet die Kommentierung auf und zeigt praktische Grenzen auf (§ 76 Rn. 41 f.). Bei eigenen Lösungsansätzen werden trotz des praktisch orientierten Ansatzes andere Auffassungen nicht unterschlagen, sondern weiterführende Nachweise benannt.

Insgesamt trägt die Neuauflage den legislatorischen Änderungen und neuen gerichtlichen Entscheidungen wie auch literarischen Äußerungen durchweg Rechnung, womit sie für den Praktiker ein hilfreiches und gutes Nachschlagewerk darstellt. Jenseits dessen weist die Kommentierung auf zahlreiche weiterführende Entscheidungen und Veröffentlichungen hin, sodass auch wissenschaftlich interessierte Leser ein Nachschlagewerk vorfinden, das ihnen zumindest im zweiten Zugriff ermöglicht, das Aktienrecht wissenschaftlich zu durchdringen. Die Neuauflage wird demgemäß der hohen Erwartungshaltung in jeder Hinsicht gerecht.