Freitag, 24. Juni 2016

Rezension: Deutscher Corporate Governance Kodex

Kremer / Bachmann / Lutter / v. Werder, Deutscher Corporate Governance Kodex, 6. Auflage, C.H. Beck 2016

Von Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht Johannes Berg, Kaiserslautern



Mittlerweile in der 6. Auflage erscheint im Verlag C.H. Beck der Kommentar zum Deutschen Corporate Governance Kodex. Die wohl augenscheinlichste Änderung im Vergleich zur Vorauflage dürfte auf „autorentechnischer“ Seite liegen, nachdem Henrik-Michael Ringleb ausgeschieden und Gregor Bachmann seine Nachfolge angetreten ist. Wie bereits in den Vorauflagen erläutern die Verfasser jeden einzelnen der rund 100 Grundsätze, Empfehlungen und Anregungen des Kodex zur Leitung und Überwachung von börsennotierten Unternehmen. Zugleich finden sich reichhaltige tiefergehende Praxishinweise und Hilfestellungen, die die praktische Anwendung, also die Prüfung der Einhaltung des Kodex, erleichtern sollen. Zu jeder Zeit gelingt es, die Wechselwirkung der einzelnen Grundsätze mit den verschiedenen einschlägigen gesetzlichen Normen zu erläutern.

Im Vergleich zur Vorauflage hat – was beinah als erstaunlich zu bezeichnen sein wird – das Gesetz eine Neuauflage lediglich mit der Aktienrechtsnovelle zur Finanzierung von Aktiengesellschaften und zur „Frauenquote“ notwendig gemacht. Maßgeblicher waren und sind dagegen die nahezu unüberschaubaren Publikationen der Fachliteratur, die die Autoren praktisch über das gesamte Werk hinweg nahtlos einpflegen. Hervorzuheben ist insoweit, dass es auch in der Neuauflage abermals gelingt, trotz 4 verschiedener Köpfe das gesamte Werk in einem äußerst homogenen und eindrücklichen Ziel zu halten. Liest man beispielhaft die Kommentierung von Bachmann zur Vergütungskompetenz (Ziffer 4.2.2 Abs. 1), wozu nicht nur neuere Rechtsprechung zu der Neufassung im Jahr 2012, sondern auch aktuelle Publikationen erschienen sind, werden die Stärken des Werkes sehr deutlich. So gelingt es, selbst unter Änderung der in der Vorauflage vertretenen Auffassungen (Rn. 959) wie im gesamten Werk eine äußerst eingängige, wissenschaftliche ebenso wie kritische aber gleichermaßen praxisnahe und leicht verständliche Darstellung der komplizierten Materie zu erreichen.


Fazit: ein Werk, das der Bibliothek keines Vorstandes, Aufsichtsratsmitglieds, Unternehmensjuristen oder mit Aktienrecht befasstem Richter oder Rechtsanwalt fehlen darf.