Samstag, 18. Juni 2016

Rezension: Erfolgreich zum Wunschstudienplatz

Brehm / Zimmerling / Brehm-Kaiser / Zimmerling, Erfolgreich zum Wunschstudienplatz, 2. Auflage, C.H. Beck 2015

Von RA, FA für Verwaltungsrecht Christian Reckling, Hamburg



Die nunmehr in zweiter Auflage erschienene Publikation zum Hochschulkapazitätsrecht besticht durch ihre Bandbreite im Hinblick auf die formalen Probleme im Bewerbungsprozess. Hierbei weist es eine Neuerung auf. Gab es in der Erstauflage im Jahr 2007 noch eine  wurde diese von der Stiftung für Hochschulzulassung übernommen. Auch die Online-Bewerbung ist nunmehr verbindlich. Die Autoren haben sich daher entschlossen, das komplexe Thema der Bewerbung einer weiteren Auflage zu widmen.

In 10 Kapiteln bieten die Autoren eine ausführliche Übersicht über die Tücken im Bewerbungsprozess und sind dabei bemüht, den Wildwuchs an den diversen Vorgaben im Bewerbungsverfahren übersichtlich aufzubereiten. Aufgrund der Tatsache, dass es äußerst schwierig ist, einen vollständigen Überblick zu bekommen, erheben die Autoren jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie räumen vielmehr ein, dass trotz einer formalen und fristgerechten Bewerbung nicht jeder Studienbewerber die Chance haben wird, ein Studium seiner Wahl zu ergreifen. Den Autoren ist es dennoch gelungen, dem Leser einen sehr guten Überblick über die Vielzahl an Bewerbungsmöglichkeiten, insbesondere in einem Bachelor- und Master-Studiengang zu vermitteln.

Da die Autoren selbst Rechtsanwälte sind und bereits eine Vielzahl an Kapazitätsprozessen geführt haben, ist es nicht verwunderlich, dass in den Kapiteln mitunter auch deutliche Kritik geäußert wird. Dies beispielsweise in den Fällen, in denen die Universitäten nach Eingang des Zulassungsantrages einen Ablehnungsbescheid erhalten, so dass der Studienbewerber dagegen Klage in der Hauptsache erheben muss. Das sich die meisten Hochschule inzwischen anwaltlich vertreten lassen und der Studienplatzkläger durch die großzügige Entscheidungspraxis der Verwaltungsgerichte selbst im Fall des Obsiegens die Verfahrenskosten oftmals zu tragen hat, wird von den Autoren entsprechend angeprangert. Diese Kritik erfolgt zu Recht, denn es ist nicht nachvollziehbar, warum sich die Kostenrechtsprechung in den Kapazitätsverfahren stellenweise nicht mit der Realisierung des Grundrechts aus Art. 12 Abs. 1 GG vereinbaren lässt.

Für Eltern und Studienbewerber sind die zahlreichen Hinweise wertvoll und hilfreich. Auch das Kapitel der 10 der Rechtsgrundlagen ist nicht zu unterschätzen. Denn diese sind ein wesentlicher Bestandteil für die Vergabe eines Wunschstudienplatzes. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass auch an dieser Stelle die Autoren die jeweiligen hochschulrechtlichen Besonderheiten berücksichtigt haben. Zu erwähnen ist jedoch, dass sich keine Mustertexte oder Prozessformulare in dem Werk finden lassen. Auch gibt es keine Gesamtübersicht der Adressen ausgewählter Hochschulen oder ein Verzeichnis der Verwaltungsgerichte.

Beim Lesen der Kapitel gefällt die prägnante Darstellung für einen juristischen Laien. Es lassen sich praktische Hinweise, Beispiele, Rechtsgrundlagen und Entscheidungen mit einer einfachen Aufbereitung und einer klaren Sprache finden. So werden dem Leser wieder und wieder die schier uneinheitlichen Bewerbungsregularien erläutert und die daraus resultierenden Folgen für die Studienbewerber und deren Verfahrensbevollmächtigten dargelegt. Auch der Kostenfaktor im Kapazitätsprozess bleibt nicht unberücksichtigt.

Als nützlich erweist sich das Kapitel über die Kosten einer Studienplatzklage, da diese – je nach Studiengang – sehr hoch werden können. Da es auch diesbezüglich in den Bundesländern keine einheitliche Handhabung gibt, wäre ein Überblick über die Streitwertentscheidungen der Bundesländer besonders hilfreich gewesen. Dies fehlt jedoch.


Insgesamt erweist sich die Publikation als äußerst profundes Nachschlagewerk, welche das umfangreiche Rechtsgebiet des Hochschulkapazitätsrechts und die damit zusammenhängende Bewerbung der Studienbewerber sehr gut lesbar aufbereitet hat. Es ist daher mit einigen Einschränkungen zu empfehlen, zumal es nur eine äußerst geringe Auswahl an Alternativen gibt. Der Weg zum spezialisierten Anwalt dürfte jedoch nicht erspart bleiben.