Samstag, 4. Juni 2016

Rezension: Formularbibliothek Zivilprozess

Kroiß (Hrsg.), Formularbibliothek Zivilprozess, 3. Auflage, Nomos 2016

Von RA Christian Stücke, FA für IT-Recht, FA für Verwaltungsrecht, Helmstedt



Die in Verbindung mit dem Deutschen Anwaltverein herausgegebene Formularsammlung kommt achtbändig in einem Schuber. Entsprechend ist auch von Herausgeberseite und Verlag nicht die Bezeichnung „Formularsammlung“ gewählt worden, sondern „Formularbibliothek“. Zu Recht. Nicht nur die Aufmachung als solche, auch der Umfang der präsentierten Formulare geht über eine „Sammlung“ deutlich hinaus.

Der Umstand, dass diese Sammlung in Verbindung mit dem Deutschen Anwaltverein herausgegeben wurde, deutet auf die anwaltliche Zielgruppe hin. Von dem Werk profitieren nicht lediglich Einzelanwälte, die ihren Mandanten ein breites Spektrum ihrer Tätigkeit anbieten. Auch Spezialisten finden erprobte Muster, die ihnen die Arbeit in ihrem Fachgebiet vereinfachen.

Enthalten sind Bände, welche die Themenkreise Arbeitsrecht, Familienrecht, Miete/WEG/Nachbarschaftsrecht, Gesellschaftsrecht und Wettbewerbsrecht, Verkehr/Schaden/Versicherung, Privates Baurecht, Schuldrecht und das Sachenrecht/Erbrecht behandeln. Diese schlagwortartigen, den Bandrücken entnommenen Bezeichnungen sind dabei sogar noch unvollständig. So enthält etwa der Band zum Schuldrecht auch etliche Formulare zum Bereich des IT-Rechts.

Das Werk versteht sich nicht lediglich als reine Aufzählung von Mustertexten. Dem Leser werden praxisrelevante Konstellationen präsentiert, an denen sowohl das vorprozessuale Vorgehen wie letztlich auch der Lauf gerichtlicher Verfahren erläutert und – natürlich – mit Formulierungsbeispielen unterlegt wird. Es ist bei dem Umfang der Bände schon fast müßig, im Rahmen dieser Rezension Beispiele anzuführen. Die Detailtiefe der praktischen Erläuterungen – etwa zum Ablauf eines Verfahrens im privaten Baurecht mit den sich bietenden Handlungsalternativen, Varianten, Hilfsmitteln und Mustern – ist (nicht nur auf diesem Gebiet) herausragend und hervorzuheben. Gleiches gilt für materiell-rechtliche Aufarbeitung der Themen. In dem Wissen, dass ein sicheres Anwenden von Formularen und Mustern ohne ein entsprechendes Fundament kaum möglich ist, werden Grundlagen einfach, verständlich und stets praxisorientiert aufgearbeitet. Dabei fließt natürlich auch die jeweils maßgebliche Rechtsprechung ein. So werden Anwender, die mit der Lösung von Domainkonflikten beauftragt werden, mit den maßgeblichen Entscheidungen (z.B. „shell.de“, „pcb“) vertraut gemacht. Die Verweise auf Rechtsprechung – in einem angemessenen Fußnotenapparat untergebracht – wirken dabei nicht überladen. So gelingt es, den Blick auf dem Wesentlichen zu lassen, ohne das Werk zu überfrachten.

Hilfreich ist es zudem, die Muster auf Datenträger – einer CD-ROM – zur Übernahme in eigene Schriftsätze zur Verfügung zu stellen. Die Muster werden im Word-Format geliefert. Leider steht ein komfortables Setup-Programm nur für Windows-Rechner zur Verfügung. Nutzer anderer Systeme müssen sich das passende Muster auf CD aus einem im Werk enthaltenen, kapitelweisen Musterverzeichnis aufwändig selbst herleiten.

Insgesamt stellt die Formularbibliothek ein Hilfsmittel von unschätzbarem Wert für die tägliche Anwaltspraxis dar. Die Aufarbeitung – von der Beratungssituation über das außerprozessuale Vorgehen, die gerichtlichen Verfahren in den Instanzen bis hin zur Zwangsvollstreckung – ist einzigartig und hebt das Werk gegenüber anderen Formularsammlungen hervor. Die Formularbibliothek Zivilprozess erweist sich im besten Sinne als Schwergewicht auf ihrem Gebiet und hat sich eine uneingeschränkte Kaufempfehlung redlich verdient.