Sonntag, 5. Juni 2016

Rezension: Insolvenzordnung

Kayser / Thole (Hsg), Insolvenzordnung – Heidelberger Kommentar, 8. Auflage, C.F. Müller 2016

Von Dr. Torsten Obermann, RAG, Münster



Nach nur zwei Jahren erscheint die Neuauflage des klassischen Kommentars zur Insolvenzordnung. Und schon auf den ersten Blick hat sich viel getan: Der bisherige Herausgaber, Dr. Gerhart Kreft, sowie der langjährig als Autor tätige Hans-Peter Kirchhoff haben ihre Beteiligung in neue Hände gelegt. Auch inhaltlich war einiges aufzuarbeiten: Nur beispielhaft sei hier die erste Praxisbewährung des seit dem 01.07.2014 geltenden neuen Rechts der Restschuldbefreiung erwähnt.

Nicht geändert hat sich der hohe inhaltliche Anspruch. Dieser zeigt sich schon an der herausragenden Kompetenz der neuen Herausgeber: Prof. Thole ist Inhaber eines Lehrstuhls für Insolvenzrecht an der Universität Tübingen und Prof. Kayser ist immerhin Vorsitzender des für das Insolvenzrecht zuständigen IX. Senats des BGH. Der Anspruch zeigt sich aber auch an dem außergewöhnlichen Umfang: Die Kommentierung allein der §§ 1 – 359 der InsO selbst auf 2.350 Seiten lässt die Bearbeitungstiefe erkennen. Hinzu kommt noch der Abdruck von Nebengesetzen, die in ihren wichtigsten Normen ebenfalls kommentiert sind. Allein die Kommentierung zu § 35 InsO, der die Insolvenzmasse definiert, umfasst mehr als 60 eng beschriebene Seiten, diejenige zu § 129 InsO, dem Grundsatz der Insolvenzanfechtung, sogar mehr als 80 Seiten und über 130 Randnummern.

Der Erfolg des Kommentars, der aus den Bücherregalen aller auch nur entfernt mit dem Insolvenzrecht befassten Juristen nicht mehr wegzudenken ist, ist ohne Zweifel auf die beeindruckende Kombination der Praxistauglichkeit des Werks mit einem wissenschaftlichen Anspruch zurückzuführen.

Der wissenschaftliche Anspruch kommt in den ausführlichen Darstellungen des Gesetzgebungsstandes (z.B. beim Verbraucherinsolvenzverfahren) und aktuellen Reformbestrebungen (z.B. zum Anfechtungsrecht) ebenso zum Ausdruck, wie in der ausgewogenen Darstellung umstrittener Rechtsfragen, in denen die Autoren mit herausragenden Argumentationen Stellung beziehen und auch deutliche Worte zu sich abzeichnenden Fehlentwicklungen finden.

Die enorme Praxistauglichkeit ist zunächst dem Umstand geschuldet, dass zu jeder Frage unabhängig von der inhaltlichen Auseinandersetzung der Stand der Rechtsprechung ausführlich dargestellt wird. Insoweit ist insbesondere die Aktualität der Bearbeitung positiv hervorzuheben, die die Rechtsprechung bis ins laufende Jahr hinein umfangreich erfasst. Weiterhin wird die Bedeutung des Werks für die Praxis aber auch durch dessen Form garantiert: Trotz der 21 am Werk beteiligten Autoren ist dieses von einem homogenen Stil und herausragender Lesbarkeit geprägt. Insbesondere die Entscheidung, Fundstellen in Fußnoten zu zitieren, wirkt sich so positiv auf die Lesbarkeit des Fließtextes aus. Zwischenüberschriften, fettgedruckte Schlüsselwörter und Randnummern erleichtern im Zusammenspiel mit einem mehr als 40 Seiten umfassenden Stichwortregister die Übersicht. Allgemeine Einführungen zu wichtigen Normen und vielfältige Verweise innerhalb des Werkes ermöglichen die Erfassung von Strukturen und Zusammenhängen. Prozessuale Hinweise schließlich runden auch in Form von Praxisempfehlungen und Formulierungsbeispielen das Werk ab.

Es besteht kein Zweifel, dass diese Neuauflage die herausgehobene Stellung des Werkes in der insolvenzrechtlichen Literatur festigen wird und von der Praxis wie von der Wissenschaft weiterhin begeistert aufgenommen wird.