Donnerstag, 9. Juni 2016

Rezension: Rationeller schreiben lernen

Brandt, Rationeller schreiben lernen, 5. Auflage, Nomos 2015

Von Dipl. iur. Philipp Matzke, Göttingen



Die Anfertigung einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit stellt jeden, der sich dieser Aufgabe annimmt, vor eine Herausforderung. Ganz gleich, ob es sich um eine Seminar-, Bachelor-, Master- oder Doktorarbeit handelt, ähneln sich die Anforderungen, die an den Autor gestellt werden: Mit der Arbeit soll – mal mehr, mal weniger – eine eigenständige wissenschaftliche Leistung erbracht werden, die sich durch eine vertiefte Auseinandersetzung mit einem bestimmten Thema auszeichnet und den wissenschaftlichen Erkenntnisprozess voranbringt. Da die Fähigkeiten, die notwendig sind, um den Anforderungen gerecht zu werden, bei den meisten nicht genuin vorhanden sind, hat sich eine umfassende Ratgeberkultur zu diesem Thema etabliert. Aus der schier unübersichtlichen Fülle an Ratgebern sticht für den Juristen, der auf der Suche nach einer kompakten Hilfe ist, das im handlichen Format erschienene Buch von Edmund Brandt, Professor für Staats- und Verwaltungsrecht an der TU Braunschweig, heraus. Es ist zwar vornehmlich an Doktoranden gerichtet, kann aber auch Studenten, die eine größere Abschlussarbeit verfassen müssen, eine Hilfe sein (S. 6).

Bevor Brandt dem Leser eine Art Leitfaden zur Erstellung einer Doktorarbeit an die Hand gibt, stellt er kurz fest, dass vor allem Schreibhemmungen der Grund sind, warum Doktorarbeiten letztendlich nicht fertiggestellt werden. Die Blockaden resultieren für ihn aus mangelnder Schreiberfahrung, denn sowohl in Lehrveranstaltungen als auch bei der Besprechung von Seminararbeiten wird sich meist auf den Inhalt und nicht auf den Weg zum Inhalt konzentriert. (S. 14 ff.).

Sodann lenkt Brandt auf den praktischen Teil des Buchs ein, der – in chronologischer Reihenfolge – vom Grund, eine Doktorarbeit zu schreiben, über die Themenwahl bis zur Veröffentlichung der Arbeit und der Zeit nach Veröffentlichung reicht. Die 37. Kapitel, an die sich noch weiterführende Literaturhinweise anschließen, sind knapp gehalten und verständlich formuliert. Der Leser wird dabei ganz offen angesprochen, etwa wenn Brandt ihn dazu auffordert, sich der Hemmnisse, die dem Verfassen einer Doktorarbeit entgegenstehen, zunächst bewusst zu werden (S. 25). Gleichzeitig nimmt der Autor auch Druck vom Doktoranden, wenn dieser glaubt, nur mit einem besonders hoch gesteckten Ziel eine Förderung der Wissenschaft erzielen zu können (S. 39). Hervorzuheben ist, dass Brandt Schreibhemmungen nicht nur als Hauptgrund für die Nichtvollendung vieler Doktorarbeiten ausmacht, sondern dass er gezielt Hinweise gibt, wie diese abgebaut werden können: Sei es, indem eine erste klausurmäßige Lösung angefertigt, ein kontinuierlicher Schreibprozess eingeleitet oder der Umgang mit Schreibblockaden erklärt wird. In dieser Hinsicht kann das Buch natürlich keine Spezialliteratur wie Wolfbergers „Frei geschrieben“ ersetzen, ist allerdings mehr als nur eine erste Hilfestellung, um Schreibbarrieren zu überwinden.

Der Ratgeber „Rationeller schreiben lernen“ von Edmund Brandt ist allen, die eine größere wissenschaftliche Abschlussarbeiten verfassen, wärmstens zu empfehlen. Wer alle Hinweise beachtet und ehrlich zu sich selbst ist, ist der Promotion sicherlich ein Stück nähergekommen.