Samstag, 16. Juli 2016

Rezension: Corporate Compliance

Hauschka / Mossmayer / Lösler, Corporate Compliance – Handbuch der Haftungsvermeidung im Unternehmen, 3. Auflage, C.H. Beck 2016

Von cand. iur. Andreas Seidel, Göttingen



Obwohl in der Programminformation des C.H. Beck Verlags der Begriff der Corporate Compliance einleitend erklärt wird, gehe ich davon aus, dass sie sich mittlerweile derart etabliert hat, dass eine Einführung in den Begriff für interessierten Leser nicht mehr nötig ist. Die Compliance ist in den letzten Jahren immer stärker ausgebaut worden, sodass man RA Dr. Hauschka, einem der Herausgeber dieses Werkes nur beipflichten kann, wenn er in der Einleitung schreibt „If you think compliance is expensive, try non-compliance“. Es wird deutlich, wie sehr dieser Bereich in den letzten Jahren gewachsen ist und wie wichtig dieser Teilbereich des Gesellschaftsrechts geworden ist.

Neben RA Dr. Hauschka, der bereits in der Vorauflage dieses Handbuch von MR Prof. Dr. Seibert übernommen hat, haben in der dritten Auflage auch RA Dr. Moosmayer und RA Dr. Lösler als Herausgeber mitgewirkt. Neben diesen drei kommentieren 70 weitere Autoren, wovon nur Prof. Dr. Buck-Heeb und Prof. Dr. Krolak nicht aus der Praxis stammen. Hierdurch soll verdeutlicht werden, dass das vorliegende Werk ein Handbuch von Praktikern für Praktiker ist.

Dieser Grundsatz findet sich auch in der äußeren Form wieder: Die Darstellung folgt überwiegend dem Aufbau des Prüfstandards IDW PS 980 zur Prüfung von Compliance Management Systemen des Instituts der Wirtschaftsprüfer e.V., sodass man anhand dieses Buches den Prüfstandard hinterfragen und Erläuterungen zu den einzelnen Teilbereichen finden kann. Darüber hinaus besteht ein Sachregister, das über 30 Seiten umfasst und somit die Gelegenheit bietet, auch schlagwortartig in diesem Werk zu arbeiten und ihn als punktuellen Ratgeber zu verwenden. Damit besteht sowohl die Möglichkeit zur umfassenden Recherche als auch zur schnellen Suche einzelner Teilaspekte.

Aufgebaut ist dieses Handbuch im Grunde dreiteilig: Nach einer Einleitung, die 200 Seiten umfasst besteht der Hauptteil aus den Grundelementen der Compliance, woran sich als dritter Teil eine bereichsspezifische Compliance anschließt.

In der Einleitung werden nach einer generellen Einführung der Herausgeber in das Thema die rechtlichen Rahmenbedingungen erläutert: Hier wird unter anderem von Prof. Dr. Buck-Heeb in die Wissenszurechnung und das Informationsmanagement eingeführt (§ 2), die Unternehmensführung wird aus gesellschaftsrechtlicher Sicht beleuchtet (§ 7) – wobei insb. auf die Compliance im Konzern eingegangen wird (§ 7 Rn. 193 ff.) – und die Business Judgement Rule wird aus der der Warte eines Praktiker untersucht (§ 3). Zudem wird in die strafrechtlichen und zivilrechtlichen Aufsichtspflichten (§ 5) eingeführt.

Gestärkt mit dieser generellen Einführung befasst sich der Hauptteil ab S. 273 mit den einzelnen Compliance-Pflichten. Hier wurde in der Neuauflage besonders Wert gelegt auf die Beiträge zur Compliance-Kultur sowie den Zielen (§§ 9-13), über die Geldwäsche (§ 34), die Third Party Compliance (§ 35) und den Ombudsmann (§ 42). Darüber hinaus wurde in zeitgemäßer Weise auf die veränderten Rahmenbedingungen durch den Einzug der neuen Medien reagiert (§§ 28, 41 und 43). Ebenfalls ist auf den Abschnitt über die Compliance-Monitore, die aus der US-amerikanischen Compliance nach Deutschland exportiert wurden, besonders hinzuweisen (§ 47). Diesen Abschnitt wurde von Judge Louis J. Freeh und José R Hernandez, Ph. D. verfasst und ist als einziger Teil aus Authentizitätsgründen in englischer Sprache belassen.

Im Anschluss daran finden sich noch knapp 400 Seiten mit bereichsspezifischer Compliance, wobei durch die Neuauflage erstmals auf die Verbände (§ 59), die öffentliche Verwaltung (§ 60), den Messebereich (§ 61) sowie den Lebensmittel- und Bedarfsgegenständebereich (§ 58) eingegangen wurde. Daneben wird unter anderem der Finanz- und Versicherungssektor (§§ 48 f.), die pharmazeutische und chemische Industrie (§§ 50 f.) und das E-Business und Internet (§ 54) beleuchtet.


Insgesamt wurde darauf geachtet, die Darstellung aus Unternehmenssicht zu zeigen und dem Praktiker ein Werk an die Hand zu geben, das ihm verbindlich und kompakt Hilfe bei Compliance-Fragen gibt. Somit ist das vorliegende Handbuch zur Corporate Compliance von Hauschka, Moosmeyer und Lösler unbedingt als zuverlässiger Ratgeber zu empfehlen.