Montag, 18. Juli 2016

Rezension: Insolvenzhandbuch für die Praxis

Bichlmeier / Wroblewski, Das Insolvenzhandbuch für die Praxis, 4. Auflage, Bund 2016

Von Rechtsanwältin Elisabeth Krohe, Dresden



Deutschland geht es wirtschaftlich so gut wie lang nicht mehr. Aber aufgrund der so gepriesenen Globalisierung kann eine Fehlentscheidung der Geschäftsleitung das Aus für ein Unternehmen zur Folge haben. Aber was bedeutet diese Floskel eigentlich? Das Geld ist weg, die Löhne und andere Verbindlichkeiten können nicht mehr gezahlt werden. Aber wie geht es danach für die Gläubiger und für die betroffenen Arbeitnehmer des Unternehmens weiter? Antworten hierauf finden sich umfänglich und besonders praxisnah in dem Insolvenzhandbuch, herausgegeben von RA Wilhelm Bichlmeier und Ass. jur. Andrej Wroblewski.

Einleitend wird dem Leser ein Überblick über die Insolvenzverfahren gewährt und die Grundsätze vermittelt. Besonders werden hierbei die Neuerungen durch das ESUG hervorgehoben und der Ablauf des Insolvenzverfahrens erklärt.

Der erste Teil beschäftigt sich mit dem Unternehmen in der Phase vor der Stellung der Insolvenzanträge, also mit der eigentlichen Krise, die es später zu bewältigen gilt. Hierbei wird besonders auf die Insolvenzsicherung, die Insolvenzanfechtung, Stundungen und Teilverzicht, Handlungsmöglichkeiten bei Zahlungsrückständen vor der Insolvenz sowie final das Insolvenzantragsverfahren eingegangen.

Das Eröffnungsverfahren wird im Anschluss daran im zweiten Teil des Handbuches behandelt und sodann wird auf die Besonderheiten des Regelverfahrens für die betroffenen Arbeitnehmer im dritten Teil eingegangen. Was also wird aus Forderungen der Arbeitnehmer, aus deren Urlaubsansprüchen, mit Arbeitnehmern, die sich in Altersteilzeit befinden? Wie insolvenzsicher ist die betriebliche Altersvorsorge? Gleichfalls werden Fragen zum Betriebsübergang erörtert.

Der vierte Teil beschäftigt sich nun mit der Gläubigerversammlung und den Gläubigerausschüssen, als den Teilnehmern und deren Durchführung bzw. deren Bestimmungen sodann im fünften Teil. aus der Eigenverwaltung und dem Insolvenzplan.

Welche Informations- und Akteneinsichtsrechte stehen nun dem einzelnen Arbeitnehmer zu? Welche Rechte hat der Betriebsrat? Dies wird im sechsten Teil geklärt und dort kurz abgehandelt, bevor sich die Herausgeber mit der grenzüberschreitenden Insolvenz, also dem Internationalen Insolvenzrecht im siebten Teil beschäftigen. Hierbei wurde zum einen hinsichtlich einer Insolvenz in Deutschland und der Europäischen Union von einer Insolvenz jenseits der EU-Insolvenzverordnung unterschieden.

Im Anschluss daran wird sich mit der Rolle des Betriebsrates im Insolvenzverfahren beschäftigt, bevor die Sanierung, der Interessenausgleich, der Transfer-Sozialplan und der Sozialplan näher beleuchtet werden. Umfangreich erfolgt dabei eine Erklärung hinsichtlich der Wege zur Sanierung, der übertragende Sanierung im Regelverfahren sowie der Insolvenz-Sozialplan nach den §§ 123, 124 InsO.

Danach wird erörtert, welchen Einfluss das Gesellschaftsrecht und welchen Einfluss die Mitwirkung der Überwachungsorgane auf das Insolvenzverfahren haben. Im elften Teil wird nunmehr auf das Insolvenzgeld eingegangen, d.h. die Änderungen durch das ESUG. Der Aufsichtsrat und das Regelverfahren, die Mitwirkung der bisherigen Überwachungsorgane des Schuldners in der Eigenverwaltung, die Rechte der Anteilsinhaber im Insolvenzplanverfahren nach § 225 a InsO, die Konzerne und die Insolvenz werden gleichfalls besprochen.

Im Anschluss daran wird das Thema Insolvenzgeld in den Fokus der Erklärungen gerückt. Dabei wird der Anspruchsberechtigte herausgearbeitet, gleichfalls werden ein insolventer Arbeitgeber und das Insolvenzereignis näher besprochen. Mitgeteilt wird, welche Voraussetzungen eine Antragsstellung beinhaltet und welche Fristen zu laufen beginnen. Zudem findet man Ausführungen zur Höhe des Insolvenzgeldanspruches.

Besonders muss der Anhang des Buches hervorgehoben werden. Dieser enthält für die Bearbeitung Übersichten, Checklisten und Musteranträge. Diese sollen die Arbeit auch für denjenigen erleichtern, der mit dem Insolvenzrecht eher selten zu tun hat.

Der theoretische Teil ist übersichtlich strukturiert und dahingehend hervorragend klar geschildert, sodass auch diejenigen Rechtsanwender, die mit der Insolvenz als solche eher am Rande ihrer Tätigkeit zu tun haben, sich einen umfangreichen Überblick verschaffen können und es diesen ermöglicht wird, auch bei speziellen Fragen schnellstmögliche Antworten zu finden. Besonders soll nochmals der hervorragende Anhang als Stütze für die Bearbeitung hervorgehoben werden. Insbesondere die Musterschreiben erleichtern die Arbeit erheblich.


Alles in allem ist das Buch uneingeschränkt zu empfehlen.