Sonntag, 28. August 2016

Rezension: Jugendstrafvollzugsrecht

Ostendorf (Hrsg.), Jugendstrafvollzugsrecht, 3. Auflage, Nomos 2016

Von RA, FA für Verkehrsrecht Sebastian Gutt, Helmstedt



Vorliegendes Handbuch hat es sich zur Aufgabe gemacht, die in den jeweiligen Bundesländern zum Teil erheblich voneinander abweichenden Regelungen zum Jugendstrafvollzug kompakt darzustellen. Es soll ein informativer Ratgeber sein und auf die o.g. Problematik eine Antwort geben. Dass es sich hierbei um ein „Mammutprojekt“ handelt, versteht sich daher fast von selbst. Gut 700 Seiten umfasst das Handbuch dementsprechend auch.

Ein interessanter Ansatz ist, dass das Handbuch interdisziplinär erstellt wurde, also nicht nur von Juristen bearbeitet wird, sondern auch  von Praktikern und Wissenschaftlern aus anderen Bereichen, z.B. Psychologen, Pädagogen und auch Leitern von Jugendstrafanstalten. Vorteil ist, dass so auch ein anderer Blick auf die jeweiligen Gesetze ermöglicht wird, man also über den Tellerrand hinausschauen kann. Das ist auch erforderlich, denn wenn sich ein Jurist mit dem Jugendstrafvollzug befassen muss, dann kann es nicht nur um Paragraphen und Gerichtsentscheidungen gehen. Hier stehen der Mandant und sein Alltag im Vollzug noch mehr  im Fokus und dabei insbesondere, dass ihm im Rahmen der Gesetze der Vollzug „erleichtert“ wird, z.B. im Rahmen der Freizeitmöglichkeiten und/oder die Teilnahme am Sport bzw. der Zugang zu Nachrichten.

Seit dem Erscheinen der Vorauflage im Jahr 2012 hat sich viel getan. In mehreren Bundesländern gab es Gesetzesänderungen zum Jugendstrafvollzug. Diese Änderungen machten eine Neuauflage erforderlich und wurden in dieser berücksichtigt. Viel Literatur gibt es nicht, die Rechtsprechung ist ebenfalls als eher spärlich zu bezeichnen. Schon aus diesem Grund nimmt das Handbuch eine Sonderrolle ein, ist quasi konkurrenzlos. Das ist aber nicht so zu verstehen, dass man notgedrungen zu diesem Handbuch greifen muss. Im Gegenteil kann man froh sein, dass es das Handbuch auf dem Markt gibt, da es wirklich lückenlos und ganz hervorragend das ganze Jugendstrafvollzugsrecht länderübergreifend darstellt und kompakt erläutert.

Das Handbuch unterteilt sich in insgesamt 13 Kapitel. Grob  kann man sagen, dass thematisch der gesamte Alltag im Jugendstrafvollzug dargestellt wird, also von Vollzugsplanung (§ 2), über die Freizeitgestaltung (§5), bis hin zu Rechtsmitteln (§ 11). In den Vorbemerkungen wird vom Herausgeber Ostendorf noch auf die historische Entwicklung und allgemeine Grundsätze (z.B. internationale Vorgaben, s. zu den Grundlagen aber auch § 1) des Vollzugs eingegangen.

Aufgrund der uneinheitlichen gesetzlichen Regelungen wegen des Föderalismusprinzips sind die jeweils für die einzelnen Länder erforderlichen Vorschriften in die Kapitel eingearbeitet. Das ist zweifelsfrei hilfreich, zeitsparend und ermöglicht dem Leser natürlich, dass er sofort auf die für ihn relevante Vorschrift abstellen kann. Darüber hinaus gelingt es den Autoren sogar noch die einzelnen Bestimmungen der Länder miteinander zu vergleichen.


Insgesamt handelt es sich um ein wirklich herausragendes Werk zu diesem sehr speziellen Themenbereich. Derjenige, der sich das Handbuch anschafft, wird jedoch der Materie Herr werden.