Samstag, 17. September 2016

Rezension: Bankrecht

Tonner / Krüger, Lehrbuch zum Bankrecht, 2. Auflage, Nomos 2016

Von stud. iur Jan Bley, Göttingen



Das in der 2. Auflage im Jahr 2016 erschienene Lehrbuch zum Bankrecht wurde von den Richtern Tonner und Krüger verfasst. Unterstützend waren RA Dr. Hannes Hofmeyer und RiAG i.R. Bernd Hoÿer tätig.

Das Buch ist in sieben Teile und 27 §§ untergliedert. Es folgt dem Prinzip „vom Allgemeinen zum Besonderen“. Dieses Prinzip wird hinsichtlich des gesamten Buches gewahrt: Der erste der sieben Teile lautet „Einführung“ und gibt einen allgemeinen Überblick zum gesamten Bankrecht, sodass in den folgenden sechs Teilen spezielle Rechtsprobleme verständlich gemacht werden können. Auch in den einzelnen Kapiteln – wie z.B. in § 6 zu Bankgeheimnis, Datenschutz und Schufa – wird der Weg zu ausgesuchten Problemfeldern stets durch vorangeführte allgemeine Ausführungen geebnet. Zudem beginnt ab § 5 fast jeder § mit einem Einstiegsfall, der sich an der dargestellten Thematik orientiert und am Ende des jeweiligen § in ausformulierter Form gelöst wird. Als Schluss eines jeden § sind zur Selbstkontrolle Vertiefungs- und Wiederholungsfragen aufgelistet. Wichtige Definitionen sind nach den sieben Teilen geordnet am Ende des Buches zu finden.

Die grundsätzlichen Rechtsentwicklungen werden in § 2 zusammengefasst. Die als Reaktion auf die Finanzkrise getroffene Basel III Vereinbarung der Banken zur Verhinderung eines Bankenzusammenbruchs durch verbesserte Kapitalausstattung für Krisenzeiten ist elementar für die Entwicklung des Bankrechts und findet dementsprechende Beachtung im Tonner/Krüger.

Insbesondere aktuelle Entwicklungen der Rechtsprechung hinsichtlich Bankentgelten (§ 7), Darlehensrecht (§§ 17-19) und Kapitalanlagerecht (§§ 23-27) machten eine Neuauflage des Buches notwendig. So konnte im Kontext mit Bankentgelten bspw. darauf eingegangen werden, dass allgemeine Buchungskosten und Gebühren für eine Ersatzkarte als unzulässig verworfen wurden (§ 7 Rn. 2). Von besonderer Relevanz ist die Beachtung der aktuellen Rechtsprechung im von Präzedenzfällen geprägten Kapitalanlagerecht – auch bezüglich Schadensersatzansprüchen wegen fehlerhafter Kapitalanlageberatung (§ 23 Rn. 5). Die im Vorwort explizit erwähnte Wohnimmobilienkreditrichtlinie bspw. ist jedoch nicht im Stichwortverzeichnis zu finden. Dies führt dazu, dass das Verständnis des Einflusses auf das Kreditrecht im Allgemeinen (§§ 16-19) und auf „Schrottimmobilien“ im Besonderen (§ 19) unnötig erschwert wird.

Prägnant im Tonner/Krüger ist eine recht simple, die ohnehin anspruchsvolle Materie nicht verkomplizierende, Sprache, ohne in populärwissenschaftliche Phrasen abzudriften. Dem eigenen Anspruch, u.a. dem studentischen Leser die Grundstruktur des Bankrechts darzulegen, wird das Buch gerecht. Für studentische Leser hält das Buch zudem eine Vielzahl von „Examensklassikern“ bereit, wie z.B. den Wettlauf der Sicherungsgeber (§ 21 Rn. 27 ff.) oder die Kollision der Globalzession mit dem verlängerten Eigentumsvorbehalt (§ 22 Rn. 80 ff.). Zum vollständigen Verständnis und zur Abgrenzung des Bankrechts ist es jedoch unerlässlich, zumindest belastbare Grundkenntnisse des Börsen-, Kapitalmarkt- und Gesellschaftsrechts zu haben. Manche Detailprobleme, wie z.B. das „Girokonto für jedermann“ (§ 9 Rn. 32) werden nur erwähnt. Für eine dezidierte Auseinandersetzung ist umfangreichere oder speziellere Literatur zu bemühen. Dies ist aber dem Charakter des Tonner/Krüger als Grundlagen-Lehrbuch immanent und wird ihm nicht zum Nachteil gereicht. Demgegenüber sind bei zentralen und komplexen Problemen wie den Kreditsicherheiten (§ 20 Rn. 13 ff.) gut illustrierte Schaubilder und Graphiken enthalten, die dem Verständnis dienen.

Insgesamt macht die schlüssige Grundstruktur und das in sich stimmige Konzept, dass der Ausgleich zwischen dem teils sehr speziellen Bankrecht und examensrelevantem Prüfungsstoff gewahrt wird, das etwas dürftige Stichwortverzeichnis mehr als wett. Bei einem Umfang von 391 Seiten und einem Preis von 25 € ist der Tonner/Krüger erschwinglich und zur Einführung in das Bankrecht sowie zur Behandlung einzelner Examensprobleme sehr zu empfehlen.