Montag, 5. September 2016

Rezension: Münchener Anwaltshandbuch Agrarrecht

Dombert / Witt, Münchner Anwaltshandbuch Agrarrecht, 2. Auflage, C.H. Beck 2016

Von Rechtsanwalt Malte Schneider, Helmstedt



Das Agrarrecht unterliegt wie auch andere Rechtsgebiete einem stetigen Wandel durch neue Vorgaben auf nationaler und internationaler Ebene und führt dadurch zu einem kontinuierlichen Anstieg in der anwaltlichen Beratungspraxis. Aus Funk und Fernsehen ist bekannt, dass neue agrarrechtliche Vorgaben auf europäischer Ebene teils gravierende Änderungen für die Landwirte mit sich bringen, welche diese nicht immer nur mit Wohlgefallen aufnehmen. Die Anwaltschaft hat darauf reagiert und vor wenigen Jahren die Fachanwaltschaft für Agrarrecht eingeführt.

Die Autoren haben Ihr Werk auf den aktuellen Stand 2016 gebracht und die nach 2010 zu dieser Thematik ergangene Rechtsprechung in das Werk eingearbeitet.

Das vorliegende Handbuch richtet sich dabei an eine breite Lesergruppe von Rechtsanwälten, Notaren und Richtern über Landwirte bis hin zu Referendaren und Studierenden, und gibt diesen eine zuverlässige Auskunft sowohl hinsichtlich „klassischer Beratungsfelder“ wie das landwirtschaftliche Erbrecht als auch zu speziellen agrarrechtlichen Problematiken des Saaten- und Züchtungsrechts.

Schon aus diesem breiten Anwendungsspektrum lässt sich der hohe praktische Stellenwert des Werkes erkennen. Der Kommentar behandelt alle Vorschriften, deren Inhalt für den agrarrechtlich beratenden Praktiker von essentieller Bedeutung ist. Wie schon in der Vorauflage überzeugt die stets gut strukturierte und übersichtliche Darstellung der einzelnen Regelungen. Auf Rechtsprechung und insbesondere Kommentarliteratur wird regelmäßig hingewiesen. Der über 1100 Seiten starke Kommentar gliedert sich dabei anwenderfreundlich in die acht Kapitel auf. Das Autorenteam wagt in dem Werk einen Ritt durch eine Vielzahl von Thematiken mit agrarrechtlichen Bezug. Trotz dieser außerordentlichen Breite der erörterten Themen lassen die Ausführungen jedoch nicht den erforderlichen Tiefgang vermissen, wenngleich selbstverständlich ist, dass dieser „Allround-“-Kommentar kein Spezialkommentar, beispielsweise zum Jagdrecht, ersetzen kann und will.

Daher ist das Werk auch –aber natürlich nicht nur- für juristische Laien besonders geeignet. In diesem Zusammenhang ist in positiver Weise erwähnenswert, dass das Werk nicht nur rechtliche Ausführungen enthält, sondern darüber hinaus auch Formulierungsvorschläge zur Umsetzung dieser Ausführungen zur Verwendung in Verträgen oder Formularen enthält und damit den Verwendern einen wertvollen Dienst erweist. Gleiches gilt für die optisch herausgehobenen und als solche überschriebenen „Praxistipps“, welche dem Leser eben nicht nur theoretische Kenntnisse vermittelt, sondern auch ein praktischer Blick „hinter die Kulissen“ gewährt.

Layout, Inhalts-, Abkürzungs- und Stichwortverzeichnis lassen keine Wünsche offen. Für die zukünftigen Auflagen kann sich die Leserschaft darüber hinaus nur noch die Zurverfügungstellung des Werkes in elektronischer Form wünschen.


Fazit: Der Kaufpreise für das Werk in Höhe von 199,00 Euro ist für den Informationsgehalt und praktischen Nutzen des Werkes unzweifelhaft angemessen. Nach hiesiger Auffassung darf das Werk in der Bibliothek eines Agrarrechtspraktikers - und auch Landwirts - nicht fehlen.